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"Die Stunde Null" "Ein Kaufhaus ist ein emotionales Geschäft": Ludwig-Beck-Chef erklärt, wie er sein Traditionshaus retten will

Ludwig Beck
Das Kaufhaus Ludwig Beck ist eine Münchener Institution
© DPA / Picture Alliance
Abendkleid, Smoking, teure Lederhose - kauft im Moment niemand, berichtet Christian Greiner, Chef des Münchener Kaufhauses Ludwig Beck. Trotzdem investiert er mitten in der Krise kräftig, um das 160 Jahre alte Traditionshaus in die Zukunft zu führen.

In einer der schwierigsten Phasen seines Hauses hat sich Christian Greiner eines vorgenommen: Er will investieren. "Wir haben für die nächsten drei Jahre ein sportliches Investitionsprogramm auf den Weg gebracht", sagt der 41-jährige Chef des Münchner Traditionskaufhauses Ludwig Beck im Podcast "Die Stunde Null". "Wir wollen gegen die Krise steuern und den Leuten zeigen, dass wir attraktiv und innovativ bleiben, auch wenn es gerade schwierig ist."

So werden einzelne Abteilungen renoviert, es fließt Geld in Systeme für das Kundenmanagement und den Onlinehandel. "Wir wollen nach dem Neustart den Kunden, die wiederkommen, das Gefühl geben, dass es ein Erlebnis sein kann einzukaufen", sagt Greiner, der Sohn des Unternehmers Hans-Rudolf Wöhrl und Eigentümer und Aufsichtsratschef der Modekette Wöhrl ist.

Das Kaufhaus "Ludwig Beck am Rathauseck" ist eine Institution in München, im kommenden Jahr wird es 160 Jahre alt – in der Krise sind die Umsätze allerdings um ein Drittel eingebrochen. Für dieses Jahr erwartet Ludwig Beck zwischen 63 und 70 Millionen statt 95 Millionen Euro Umsatz –  und Verluste von bis zu 5 Millionen Euro.

Zeit, die Dinge neu zu sehen
Dieser Text ist Teil der Initiative "Zeit, die Dinge neu zu sehen" der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner+Jahr gehört, in dem der stern erscheint. Gemeinsam wollen wir dazu anregen, den Blick auf positive Aspekte der Veränderungen nach der Corona-Pandemie zu richten, neue Perspektiven einzunehmen und den aktuellen wie zukünftigen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Mehr Informationen gibt es unter www.zeit-die-dinge-neu-zu-sehen.de.

"Der Ausfall des Oktoberfestes schmerzt uns extrem", sagt Greiner. "Die Millionen an Besuchern kommen auch zum Shoppen in die Stadt." Ludwig Beck lebt nämlich nicht nur von der Stammkundschaft, die auch seltener kommt, sondern von den Touristen. Ohnehin sei die Frequenz noch geringer, "an manchen Tagen zwischen 30 und 50 Prozent", berichtet Greiner. Wenn allerdings ein Kunde erstmal im Haus sei, würde er meistens auch kaufen, allerdings im Schnitt weniger Geld ausgeben – denn teure Artikel wie Abendgarderobe oder Trachten würden derzeit nicht laufen. "Ein Abendkleid brauche ich nicht, einen Smoking brauche ich nicht, die teure Lederhose brauche ich auch nicht", sagt Greiner.

Die Corona-Krise sei tatsächlich der "Todesstoß für viele Geschäftsmodelle", sagt Greiner. Er glaubt allerdings an die Zukunft der Kaufhäuser und des stationären Einzelhandels – wenn der sich etwas einfallen lässt und neu erfindet: "Einkaufen muss einen Unterhaltungswert haben, das ist ein emotionales Geschäft", sagt Greiner, der auch ein Plattenlabel betreibt. "Die Krise zeigt, dass sich alle bewegen müssen: die Händler, die Eigentümer der Immobilien und die Städte, die sind oft noch zu statisch und behäbig."

Hören Sie jetzt in der neuen Folge von "Die Stunde Null" 

  • Mit welcher Strategie Christian Greiner 2017 die Modekette Wöhrl wiederbelebt hat
  • Wieso Ludwig Beck in der Krise "kilometerweise Gummibänder" verkaufte
  • Warum ein Riesenrad ein Baustein für die Rettung der Innenstädte sein kann 

 Die neue Folge von "Die Stunde Null" finden Sie direkt bei Audio NowApple oder Spotify oder via Google.

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