Hauptversammlung IKB-Aktionäre zeigen Zähne


Bisher ist auf der Hauptversammlung der IKB zwar keine Entscheidung über die Entlastungen gefallen, doch die Stimmung ist aufgebracht. Die Aktionäre fordern, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Für stern.de berichtet Julia Groth von der Marathon-Sitzung in Düsseldorf.

Es ist heiß und stickig im Düsseldorfer Congress Center. Mehrere hundert Aktionäre der Mittelstands- und Krisenbank IKB sind zur Hauptversammlung gekommen, die Stimmung ist aufgeladen. Es scheint, als seien viele Aktionäre vor allem gekommen, um ein Schuldeingeständnis des Vorstands und des Aufsichtsrats zu hören. Aber ausgerechnet das will niemand abgeben. "Wir hatten keine Chance, das Risiko zu erkennen und die Krise abzuwenden", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann, früher Chef bei Eon. Ein Statement, das gar nicht gut ankommt.

Denn die Aktionäre haben einiges zu verdauen gehabt in der Vergangenheit: Die IKB katapulierte sich mit Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt an den Rand der Pleite und wurde nur durch Unterstützung in Milliardenhöhe von Bund und Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor dem Aus bewahrt. Die Aktie stürzt innerhalb eines Jahres von 30 auf gut 4 Euro ab.

Der aktuelle Vorstand weist die Verantwortung für die Katastrophe von sich. Schuld sei vor allem der alte Vorstand gewesen, der mittlerweile zum Großteil entlassen wurde. "Jetzt ist die Zeit, nach vorne zu schauen", beschwört Vorstandsvorsitzender Günther Bräunig, der den Posten erst nach den Fehlspekulationen eingenommen hat und im April an Andreas Leimbach weitergibt, die Anwesenden. Die wollen aber lieber ausführlich die Fehler besprechen, die gemacht wurden - und finden dafür deutliche Worte.

"Wir stehen vor einem Scherbenhaufen namens IKB", stellt Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) fest. Man sei fassungslos, wie eine solide Bank innerhalb kürzester Zeit "verzockt" worden sei. Dabei sei den Verantwortlichen schon früh klar gewesen, dass man mit den US-Spekulationen "hart am Wind segelte". Andere Aktionäre machen ihrem Ärger und ihrem Misstrauen gegen die Bank-Chefs mit ähnlich harten Worten Luft: Es sei "geschummelt und vertuscht" worden, das "Roulettespiel" mit fremdem Geld, nämlich dem der Kleinanleger und Steuerzahler, beendet worden. Harsch auch die Reaktion auf Hartmanns Mahnung, die Redezeit von zehn Minuten nicht zu überschreiten: Man lasse sich keinen Maulkorb anlegen. Der Aufsichtsratschef muss laute Buh-Rufe über sich ergehen lassen. Auf der Redeliste stehen drei Stunden nach Versammlungsbeginn fast vierzig Menschen.

"Nicht-Entlastung vertagen"

Besonders viel Ärger ruft der Antrag hervor, die Entlastung - oder Nicht-Entlastung - des Vorstands und des Aufsichtsrats zu vertagen. Die IKB will zunächst eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC) in Auftrag geben, bevor abgestimmt wird. Der vorherige Antrag lautete, den Vorstand nicht zu entlasten, den Aufsichtsrat hingegen schon. Der Vorstand habe das Gremium unzureichend informiert. "Der Aufsichtsrat ist Hinweisen auf jedwede Risiken nachgegangen", verteidigt Hartmann sich und seine Kollegen. Die KfW als Hauptaktionär befürwortet ihm zufolge die Verschiebung der Entlastung. Die Kleinaktionäre hingegen fordern, den gesamten Aufsichtsrat nicht zu entlasten, und zwar heute - werden damit aber voraussichtlich nicht durchkommen.

Eine schlechte Ausgangssituation für die zweite Abstimmung, die die IKB-Chefs von den Aktionären verlangen. Das Grundkapital soll um 1,5 Mrd. Euro erhöht werden, wovon die staatliche KfW mindestens 1,25 Mrd. Euro übernehmen soll. Damit würde sie ihren Anteil an der IKB von rund 43 Prozent auf 90 Prozent erhöhen.

Abstimmungen werden weiter verschoben

Fast fünf Stunden nach Beginn der Hauptversammlung leert sich der Saal bereits, und eine Abstimmung gab es noch immer nicht. Auf der Rednerliste sind immer noch mehrere Dutzend Aktionäre. "Es ist nicht befriedigend, hier dabei gewesen zu sein", sagt ein Aktionär frustriert. Wenigstens hätten sich Vorstand und Aufsichtsrat öffentlich den Fragen gestellt. Auch wenn sie sich dem Zorn der Menge offenbar nicht länger als unbedingt nötig aussetzen wollen: Es habe keinen Grund gegeben, die Versammlung auf zwei Tage zu terminieren, verkündet Aufsichtsratschef Hartmann. Höchstens sechs Stunden würden normalerweise genügen. Nur dumm, dass diese Versammlung unter alles andere als normalen Umständen stattfindet.


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