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Herbert Demel: Ein Wiener soll Fiat wieder auf Erfolgskurs bringen

Herbert Demel hat praktisch sein gesamtes Berufsleben in der Automobilbranche verbracht und sich bei Audi und VW den Ruf eines beinharten Sanierers gemacht.

Herbert Demel hat praktisch sein gesamtes Berufsleben in der Automobilbranche verbracht und sich bei Audi und VW den Ruf eines beinharten Sanierers gemacht. Diese Qualität wird er auch brauchen, um den krisengeschüttelten Turiner Traditionskonzern Fiat auf den Erfolgskurs zurückzuführen. Wenige Tage vor seinem 50. Geburtstag steht der Wiener auf dem bisherigen Höhepunkt seiner wechselvollen Karriere.

Nach Uni-Karriere zu Bosch

Der am 14. Oktober 1953 in Wien geborene Demel studierte Maschinenbau an der Technischen Universität der österreichischen Hauptstadt. Nach seinem Abschluss 1978 begann er dort als Assistent am Institut für Kraftfahrzeugbau. Sechs Jahre später hängte er die Uni-Laufbahn an den Nagel und wechselte zur Robert Bosch GmbH nach Stuttgart, wo er für die Entwicklung des Antiblockiersystems (ABS) und Qualitätssicherung zuständig war.

Von Bosch zu Audi

1990 wechselte er nach Ingolstadt zur Audi AG. Schon drei Jahre später saß er für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung im Vorstand. Die Zeit war von einer weltweiten Krise der Automobilbranche gekennzeichnet. Audi erwischte es besonders schlimm, ein Viertel des Umsatzes brach weg, Vorstands-Vorsitzender Franz- Josef Kortüm musste gehen.

Erfolgreicher Sanierer

Zu seinem Nachfolger wurde Anfang 1994 Demel ernannt - und hatte mit seinen Maßnahmen zur Sanierung umgehend Erfolg. Schon die erste Bilanz unter der alleinigen Verantwortung Demels wies wieder leichte Gewinne aus. Die unter seiner Ägide eingeführten Mittelklasse-Modelle wie der A3 und der A4 waren ein voller Erfolg.

Von Audi zu VW Brasilien

Im Dezember 1996 dann die Überraschung: Demel verließ Audi, um für den Mutterkonzern Volkswagen die kriselnde Südamerika-Tochter VW do Brasil zu übernehmen. Nicht eben eine Beförderung, munkelte die Branche, eher eine Strafversetzung, weil er VW-Chef Ferdinand Piech inzwischen zu mächtig geworden sei, hieß es. Doch auch in Brasilien konnte er bald Erfolge vorweisen, der Absatz stieg unter Demels Verantwortung markant an.

Als Piech-Nachfolger im Gespräch

Als 2001 ein Nachfolger Piechs an der VW-Spitze gesucht wurde, war auch Demel immer wieder als Kandidat im Gespräch. Der VW-Aufsichtsrat entschied sich jedoch für Bernd Pischetsrieder. Demel verließ den VW-Konzern und kehrte in sein Heimat Österreich zurück, wo er seit Oktober 2002 die Europa-Aktivitäten des kanadischen Autozulieferers Magna leitete.

Letzte Sation: Fiat

Bei Magna Steyr, wo unter anderem der Chrysler Jeep Grand Cherokee und der neue Geländesportwagen X3 von Mercedes gefertigt werden, sollte er die Internationalisierung vorantreiben. Dies könnte er nun - anders als vorgesehen - durch seinen Abgang ermöglichen: Denn von der Freigabe Demels erhofft sich Magna nach eigenen Angaben, "den Grundstein für eine gute und lange Zusammenarbeit mit Fiat gelegt zu haben".

DPA