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Hypo Real Estate: Ex-Vorstände klagen Gehälter ein

Der Ex-Vorstandschef der Hypo Real Estate, Georg Funke, und zwei weitere Vorstände haben die HRE verklagt. Trotz der Beinahepleite des Instituts fordern sie ausstehende Gehälter ein. CDU-Politiker Laurenz Meyer zeigt sich im Gespräch mit stern.de entsetzt.

Sie verantworten eine der größten Bankenkrisen der deutschen Geschichte. Der Staat muss die Hypo Real Estate (HRE) mit 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalspritzen künstlich am Leben erhalten. Doch wenn es um das eigene Geld geht, kennen einige ehemalige Vorstände des Münchener Immobilienfinanzierers offenbar keine Skrupel: Der frühere Chef der Hypo Real Estate, Georg Funke, und zwei weitere gekündigte Vorstandskollegen haben ihren ehemaligen Arbeitgeber verklagt.

Nach Angaben des Landgerichts München macht Funke gegenüber der krisengeschüttelten Bank Ansprüche auf ausstehende Vergütungszahlungen in Höhe von 150.172,03 Euro geltend. Das ehemalige Vorstandsmitglied Frank Lamby fordert in seiner Klage die Zahlung von 37.500 Euro, während sich der frühere HRE-Finanzchef Markus Fell gegen seine Kündigung wehrt.

Entsetzen in der CDU

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Laurenz Meyer, ist entsetzt: "Da fasst man sich an den Kopf.", sagte Meyer im Gespräch mit stern.de. "Einige Verantwortungsträger geben sich scheinbar alle Mühe das Gesamtsystem zu diskreditieren." Meyer sieht sich in den Maßnahmen der Großen Koalition bestätigt, wonach Vorstandsgehälter bei den Banken, die auf den staatlichen Rettungsfonds zurückgreifen mussten, auf 500.000 Euro begrenzt werden. Auch Bonuszahlungen sollen künftig an langfristige Ziele geknüpft werden. Doch gegen die Klagen der Ex-Vorstände könne der Gesetzgeber freilich nichts unternehmen, so der hörbar enttäuschte Meyer weiter.

Die Beinahe-Pleite der HRE beschäftigt die Bundespolitik seit Monaten. Um sicherzustellen, dass die bislang geleisteten Finanzhilfen nicht verpuffen, bereitet die Bundesregierung inzwischen eine Verstaatlichung vor, sollten die Verhandlungen mit Finanzinvestor Christopher Flowers, der derzeit 24 Prozent der Unternehmensanteile hält, scheitern. Vor allem die CDU tut sich mit einer möglichen Verstaatlichung, ein Novum in der deutschen Nachkriegsgeschichte, schwer.

Ermittlungen gegen HRE-Vorstände

Die Forderungen von Funke und Lamby nehmen sich im Vergleich zu ihren bisherigen Gehältern gering aus. Ein Vorstandsmitglied der HRE verdiente im Jahr 2007 durchschnittlich 1,66 Millionen Euro, Vorstandschef Funke verdiente sogar 1,88 Millionen Euro. Der Anklagevertreter von Funke war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Vorstandschef Georg Funke ist Anfang Oktober 2008 zurücktreten, nachdem das Unternehmen mit einem Milliardenkredit des Bundes vor dem Kollaps gerettet werden musste. Die Vorstände Lamby und Fell wurden kurz vor Weihnachten entlassen. Seitdem, so verlautet es aus Unternehmenskreisen, wurde an die drei Ex-Vorstände "nichts mehr gezahlt".

Dem Vorstand der Hypo Real Estate wird vorgeworfen, die Anteilseigener und die Öffentlichkeit lange über die wahre Situation des Immobilienfinanzierers im Unklaren gelassen zu haben. Zu Beginn der Finanzkrise ließ Funke sogar verlauten, sein Unternehmen werde gestärkt aus ihr hervorgehen. In den darauf folgenden Monaten musste das Unternehmen dann einen Rekordverlust nach dem anderen bekannt geben. Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt sogar wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung und der Marktmanipulation gegen alle Ex-Vorstände der Bank, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren. Mit einer großangelegten Razzia gingen die Ermittler im Dezember gegen die HRE-Verantwortlichen vor.

Sebastian Huld