Hypo Real Estate Bank-Chef Funke muss gehen


Es war nur eine Frage der Zeit: Nach massivem Druck aus der Politik ist Georg Funke als Vorstandsvorsitzender des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate zurückgetreten. Nachfolger wird der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt.

Der Chef der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Als seinen Nachfolger präsentierte die Münchner Bank am Abend den Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt.

Der 42 Jahre alte Wieandt war bereits während des Tages als neuer HRE-Chef gehandelt worden. Er wird das Amt bereits am kommenden Montag übernehmen, hieß es. Wieandt war bisher bei der Deutschen Bank Chef des Konzernbereichs "Corporate Investments". Den Bereich Finanzen wird der Mitteilung zufolge künftig Kai Wilhelm Franzmeyer leiten. Der 44-Jährige kommt von der Commerzbank und wird sein Amt gleichzeitig mit Wieandt antreten. "Der Aufsichtsrat begrüßt, dass es gelungen ist, mit den Herren Dr. Wieandt und Dr. Franzmeyer zwei kompetente und international erfahrene Führungskräfte für die Hypo Real Estate Group zu gewinnen", ließ die Bank am Dienstagabend verlauten.

Der bisherige Chef Funke war stark in die Kritik geraten, nachdem die Bank am Wochenende zum zweiten Mal mit Krediten in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro vor dem Aus gerettet werden musste. Finanzkreisen zufolge dürfte auch der Aufsichtsratschef Kurt Viermetz das Unternehmen bald verlassen.

Massiver Druck auf den Vorstandschef kam unter anderem von der Bundesregierung, die zusammen mit der Bankenbranche die HRE mit Milliardenhilfen vor dem Kollaps bewahrte. Funke wird vorgeworfen, die Lage der unter Liquiditätsnöten leidenden Immobilienbank zu optimistisch eingeschätzt zu haben.

Es sei undenkbar, dass das Management weitermache, hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) nach den nächtlichen Krisengesprächen mit den Aufsichtsbehörden und Bankchefs in Berlin gesagt. "Das Management hat mich einigermaßen zum Entsetzen gebracht", so Steinbrück. Ähnlich hatte sich auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geäußert.

Bereits Anfang des Jahres war der 53-jährige Topmanager wegen seiner Informationspolitik massiv in die Kritik geraten. Funke hatte zunächst betont, die Bank sei von der Finanzkrise in den USA kaum betroffen. Im Januar 2008 hatte das Institut dann einen massiven Gewinneinbruch und Millionenabschreibungen bekannt geben müssen. Analysten und Aktionärsschützer hatten bereits damals den Rücktritt Funkes gefordert.

Der Betriebswirt stand seit der Gründung der Hypo Real Estate im Jahr 2003 an der Spitze des Instituts, das aus eine Ausgliederung des Geschäfts mit gewerblichen Immobilienkredite der HypoVereinsbank entstanden war. Die Hypo Real Estate war im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise durch massive Probleme bei der irischen Tochter Depfa ins Trudeln geraten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bekam die Depfa Probleme, sich kurzfristig am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Schon in der vergangenen Woche hatte das für Depfa zuständige Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen sein Mandat niedergelegt. Auch der Depfa-Manager Paul Leatherdale kündigte seinen Abschied an.

joe/Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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