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Neue Milliardengarantien für HRE: Wie aus der Hypo Real Estate eine Krisenbank wurde

Ein Fass ohne Boden? Der marode Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate braucht noch einmal bis zu 40 Milliarden Euro an Garantien vom Staat. Wie es überhaupt dazu kommen konnte, zeigt ein kurzer Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre.

Der marode Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) braucht weitere Staatsgarantien über 40 Milliarden Euro. Damit steht der Steuerzahler nun für bis zu 142 Milliarden Euro bei der verstaatlichten Bank gerade. Die Chronologie des Niedergangs:

28. September 2008:

Die Notlage des Konzerns wird erstmals bekannt. Um den Kollaps zu verhindern, schnüren Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket über 35 Milliarden Euro.

5. Oktober:

Das Geld reicht nicht aus. Bundesregierung und Finanzindustrie vereinbaren ein aufgestocktes Rettungspaket von 50 Milliarden Euro.

7. Oktober:

Der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt wird zum Vorstandschef der HRE berufen und damit Nachfolger des zuvor zurückgetretenen Chefs Georg Funke.

29. Oktober:

Als erste Privatbank in Deutschland greift die Hypo Real Estate auf das Rettungspaket der Bundesregierung zu.

23. Januar 2009:

Es wird bekannt, dass der Bund eine Aktienmehrheit von mehr als 50 Prozent bei der HRE anstrebt, um sich die Kontrolle zu sichern.

11. Februar:

Der Bankenrettungsfonds Soffin hat der HRE inzwischen Garantien von 52 Milliarden Euro zugesagt.

18. Februar:

Die Bundesregierung billigt ein Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Das "Rettungsübernahmegesetz" ist auf die HRE zugeschnitten. Die Hilfen an die HRE belaufen sich inzwischen auf 102 Milliarden Euro.

20. März:

Der Bundestag billigt das umstrittene Gesetz.

28. März:

Der Bund steigt bei der HRE ein. Über eine Kapitalerhöhung erwirbt er zunächst 8,7 Prozent der Anteile.

3. April:

Der Bundesrat stimmt dem Gesetz zu. Damit kann in Deutschland erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine marode Bank zwangsverstaatlicht werden.

7. Mai:

Der Bund sichert sich durch ein Übernahmeangebot an die Aktionäre 47,31 der Anteile an der Hypo Real Estate.

2. Juni:

Auf der Hauptversammlung in München beschließt der Bund mit seiner Stimmenmehrheit eine Kapitalerhöhung, durch die er seinen Anteil auf mehr als 90 Prozent erhöht.

28. August:

Es wird bekannt, dass die HRE noch im Jahr 2009 weitere sieben Milliarden Euro benötigt.

5. Oktober:

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschließt der Bund mit seiner Stimmenmehrheit den Zwangsausschluss ("Squeeze Out") der letzten Aktionäre, um sich 100 Prozent an der HRE zu sichern.

21. Januar 2010:

Die HRE beantragt eine riesige "Bad Bank", in die hochriskante Vermögenswerte im Volumen von 180 bis 185 Milliarden Euro ausgelagert werden sollen.

25. März:

Wieandt tritt überraschend zurück. Vorstandsmitglied Manuela Better übernimmt bis auf weiteres Wieandts Aufgabe.

23. Juli:

Die HRE fällt als einzige deutsche Bank beim europaweiten Stresstest durch. Das Urteil der Aufseher: Bei ungünstigen Marktbedingungen hätte die Bank nicht genügend Eigenkapital.

13. August:

Die Bank legt Zahlen für das zweite Quartal vor. Vor Steuern wird ein Verlust von 395 Euro ausgewiesen. Auch für das Gesamtjahr werden rote Zahlen erwartet.

10. September:

Der Soffin erhöht sein Garantievolumen angesichts drohender massiver Liquiditätsprobleme der HRE um 40 Milliarden auf nun 142 Milliarden Euro.

DPA/Reuters/DPA/Reuters

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