Banker klagt Millionen ein Richter nimmt Ex-HRE-Chef Funke in Schutz


Die Hypo Real Estate gilt als Musterbeispiel dafür, wie zu hohe Risiken eine Bank in die Pleite treiben können. So wunderte es niemanden, dass Georg Funke, der frühere Chef der letztlich verstaatlichten Bank, entlassen wurde. Doch das war möglicherweise voreilig.

Die vorzeitige Entlassung des ehemaligen Chefs der Krisenbank Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, könnte den Steuerzahler Millionen Euro kosten. Das Landgericht München I verhandelte am Donnerstag erstmals die Klage des Managers und zweier seiner ehemaligen Vorstandskollegen gegen ihre Kündigung nach dem Milliardendebakel der Bank in der Finanzmarktkrise. Die HRE überlebte damals nur mit massiven Hilfen und wurde verstaatlicht.

Sollten die klagenden Manager recht bekommen, könnten Gehaltsforderungen von rund 7,5 Millionen Euro auf die Bank und damit den Steuerzahler zukommen. Rund 3,5 Millionen Euro entfielen dabei alleine auf Funke. Zudem geht es in dem Verfahren um Rentenforderungen der Manager von Zehntausenden Euro im Monat. Die Bank wirft Funke und seinen Kollegen massive Pflichtverletzungen vor. Diese seien so schwerwiegend, dass eine fristlose Kündigung gerechtfertigt gewesen sei. Die Anwälte der klagenden Manager halten dagegen.

Wurde die Depfa ausreichend geprüft?

Unter anderem steht zur Diskussion, ob die Vorstände die irische Depfa ausreichend prüften, bevor sie sie kauften, und ob sie ausreichend auf Risiken in der Bank achteten. Ein anderer Vorwurf ist, dass die Vorstände die Refinanzierungsstrategie nicht änderten. Das Geschäftsmodell, langfristige Kredite nur kurzfristig zu refinanzieren, wurde der HRE auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise zum Verhängnis und machte die beispiellose Rettungsaktion für die Bank durch den Staat nötig.

Bei der Frage, ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind und ob sie am Ende als Gründe für den Rauswurf Funkes und seiner Kollegen ausreichend waren, wird das Gericht voraussichtlich in großem Maße auf Sachverständige zurückgreifen müssen, wie der Vorsitzende Richter Helmut Krenek ankündigte. Bis es zu einer endgültigen Entscheidung kommt, kann es insofern noch lange dauern.

Kündigung möglicherweise unwirksam

Für die Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate kann Funke aus Sicht Kreneks jedenfalls nicht verantwortlich gemacht werden. Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und das völlige Austrocknen des Interbanken-Marktes sei in dieser Form für niemanden absehbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter während des ersten Verhandlungstages.

In einem Punkt des Verfahrens kann sich Funke Hoffnungen auf Gehaltsnachzahlungen machen. Krenek sagte, in einem Seitenstrang des Verfahrens zu den formalen urkundenrechtlichen Fragen deute vieles darauf hin, dass die Kündigung gegen Funke unwirksam sei. Eine Entscheidung soll hier Mitte Oktober fallen. Es geht dabei aber nur um zwei Monatsgehälter in Höhe von zusammen 150.000 Euro.

APN/DPA DPA

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