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IKB-Krise: Gegenwind für die radelnde Bankerin

Ingrid Matthäus-Maier steht durch die Krise der IKB mächtig unter Druck: Die ehemalige SPD-Finanzexpertin ist auch nach jahrelanger Vorstandsarbeit beim IKB-Großaktionär KfW umstritten - die Milliardenlöcher der Mittelstandsbank kommt den Kritikern deshalb gerade recht.

Von André Schmidt-Carré

Über die Schuh-Vorlieben deutscher Top-Banker weiß man gemeinhin wenig. Bei der Vorstandssprecherin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Ingrid Matthäus-Maier ist das anders: Sie trägt auch bei der Arbeit am liebsten ökologisch einwandfreie Gesundheitsschuhe – und schlüpft erst kurz vor offiziellen Terminen in standesgemäße Pumps.

Solche Geschichten erzählen jedenfalls KfW-Mitarbeiter über ihre Chefin. Und diese Tatsache spricht Bände darüber, wie Matthäus-Maier bei ihren Untergebenen gelitten ist. Viele empfinden die Frau an der Spitze der Bank immer noch als einen Fremdkörper. Sie ist eben ganz anders als ihr Vorgänger Hans Reich. Der war Banker durch und durch, ein KfW-Eigengewächs mit Nadelstreifen-Weste und besten Kontakten zur weltweiten Hochfinanz, der die KfW zur siebtgrößten deutschen Bank machte.

Kritiker kommen aus den Startlöchern

Die gelernte Juristin mit 23 Jahren Bundestags-Erfahrung hingegen wird intern wie extern vor allem als Vollblut-Politikerin mit SPD-Parteibuch wahrgenommen. Zudem kümmert sie sich lieber um die Förderung von Kleinunternehmen als um die Hochfinanz. Dass sie vor ihrer Beförderung auf den Chefposten schon jahrelang im Vorstand der KfW gesessen hat und das Geschäft der Bank in und auswendig kennt, weiß außerhalb der KfW kaum jemand. Und auch dort hat es ihr keine Hausmacht verschafft.

Seit die IKB in Schieflage geraten ist, wittern Matthäus-Maiers Kritiker Morgenluft. Auch die in Berlin: CDU-Mittelstandsexperte Michael Fuchs forderte offen den Rücktritt der Bank-Managerin, CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer schlug in die gleiche Kerbe. Denn die KfW ist mit 38 Prozent Hauptaktionär der Industriebank und hat in den vergangenen Monaten fünf Milliarden Euro in die kriselnde Tochter gepumpt. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg, derzeit diskutiert der Bund über weitere Milliardehilfen und die Aufspaltung der Bank.

Matthäus-Maier ist hart im Nehmen

Matthäus-Maier macht bisher den Eindruck, als würde die öffentliche Kritik an ihr abperlen. Immerhin hat sie sich während ihrer Politik-Karriere schon daran gewöhnen müssen, auch hartem Gegenwind standzuhalten. Nach ihrem Jura-Studium in Gießen und Münster und einigen Jahren als Verwaltungsrichterin ließ sie sich 1976 für die FDP in den Bundestag wählen – seit 1969 war sie Partei-Mitglied. Schon drei Jahre später sichert sie sich den Vorsitz des Finanzausschusses.

Nach dem Bruch der Sozial-Liberalen Koalition überwarf sich Matthäus-Maier mit der FDP. Aus Protest legte sie alle Ämter nieder und trat in die SPD ein. In den folgenden Jahren profilierte sie sich weiter als Expertin für Finanz- und Steuerfragen, gehörte zu den schärfsten Kritikern von Finanzminister Theo Waigel und war später unter Gerhard Schröder selbst als mögliche Finanzministerin im Gespräch. Nebenbei kümmerte sich die bekennende Fahrradfahrerin um Umweltthemen, engagierte sich gegen Atomkraft und kämpfte für Frauenrechte.

Der neue Stil begeistert nicht alle

Vielen KfW-Mitarbeitern war MM, wie Matthäus-Maier bankintern genannt wird, wegen der Begeisterung für solche Themen von vornherein suspekt. So gehörte zu ihren ersten Amtshandlungen bei der KfW die Anweisung, vor der Zentrale am Frankfurter Palmengarten neue Fahrrad-Ständer zu installieren. Denn Matthäus-Maier fahrt am liebsten mit dem Rad zur Arbeit.

Ihre Inthronisierung als Nachfolgerin von Hans Reich verlief denn auch alles andere als harmonisch. Der Bankmanager verließ das Haus zerknirscht, nachdem die Union die Verlängerung seines Vertrages nicht durchsetzen konnte. Auf einer Pressekonferenz brüskierte er Matthäus-Maier noch vor versammelten Reportern, indem er sie in Nebensächlichkeiten korrigierte. Sie zeigte Großmut und lobte den Vorgänger für seine Verdienste.

Noch steht die Regierung hinter ihr

Ihr dickes Fell braucht Matthäus-Maier heute angesichts der IKB-Probleme wieder. Immerhin werfen ihr Bundespolitiker schlechtes Krisenmanagement vor. Die KfW-Chefin übt derweil selbstbewusst Kritik an der Entscheidung, die IKB zu retten: "Mit dem Wissen von heute über die eingetretenen Marktverwerfungen hätten wir die Rettungsaktion nicht gemacht", sagte sie in einem Zeitungsinterview.

Bei den jüngsten Verhandlungen über die Zukunft der IKB soll auf Anweisung von Finanzminister Peer Steinbrück erstmals auch ein Experte des Finanzministeriums beteiligt gewesen sein – alles andere als ein Vertrauensbeweis für Matthäus-Maier. Die Bundesregierung soll sich zunächst dagegen entschieden haben, sie abzulösen. Doch trotz aller Solidaritätsbekundungen: Die Luft für Ingrid Matthäus-Maier bleibt dünn.