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Zukunft des Möbelkonzerns: Was Ikea in Hamburg getestet hat, soll jetzt auch nach Berlin kommen

Der Möbelkauf steckt im Wandel - und Ikea reagiert darauf. Die großen Einrichtungshäuser auf der grünen Wiese scheinen zum Auslaufmodell zu werden. Aber die Schweden haben schon neue Ideen für die Zukunft.

Ikea in Hamburg-Altona

Ikea in Hamburg-Altona

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Jahrzehntelang ging es Ikea prächtig: Die riesigen Einrichtungsklötze vor den Toren der Stadt florierten, das Wachstum von Deutschlands Möbelmekka war beeindruckend. Doch seit einigen Jahren verändert sich der Markt rasant. Möbel und Wohnaccessoires werden zunehmend im Netz gekauft. Und die Einrichtungshäuser auf der grünen Wiese laufen zwar noch - doch einfach weitermachen wie bisher, das wird sich Ikea nicht leisten können.

Die Schweden haben den Trend des Internets zwar fast verschlafen, holen nun aber auf. Von dem im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielten Umsatz (September 2018 bis August 2019) von 5,3 Milliarden Euro sind 494 Millionen Euro aus dem Online-Geschäft. Damit stieg der Internet-Anteil um 33 Prozent. Insgesamt konnte Ikea um 5,5 Prozent zulegen.

Ein möglicher Hebel abseits der großen (und somit teuren) Einrichtungshäuser Geld zu verdienen, sind kleine Innenstadtfilialen. Vor gut fünf Jahren eröffnete Ikea in einer eher unattraktiven Fußgängerzone die erste Filiale in einer deutschen Innenstadt. In Hamburg-Altona unterscheidet sich der Aufbau, aber auch das Angebot deutlich von den bekannten Ikea-Geschäften. Nun nimmt der schwedische Möbelriese Berlin ins Visier. Wie die "F.AZ." berichtet, plane das Unternehmen möglichst schon im kommenden Jahr, spätestens aber 2021 in der Berliner Innenstadt eine Filiale zu eröffnen.

In diesen XS-Stores, wie sie von Ikea genannt werden, liegt der Verkaufsfläche bei 10.000 Quadratmetern - deutlich weniger als die üblichen 25.000 Quadratmeter. Und somit unterscheiden sich die neu geplanten Mini-Stores noch einmal von der Hamburger Ikea-Filiale, die über 18.000 Quadratmeter Fläche verfügt.

Altona liege zwar in Hamburg, aber sei nicht mittendrin, so Deutschland-Geschäftsführer Dennis Balslev zur "Wirtschaftswoche". "In Altona haben wir mehr oder weniger einen gewöhnlichen Ikea gebaut, nur in der Stadt." Die Idee der Schweden: Die Geschäfte werden zu Ausstellungsfläche. Wer große und sperrige Möbel kaufen will, kann sie sich online bestellen und liefern lassen. "Der Unterschied besteht darin, dass man in den neuen kleinen Geschäften kaum Möbel mitnehmen kann, nur einige wenige, kleine. Zudem eröffnen wir diese neuen Geschäfte auf den Hauptstraßen mitten im Zentrum", so Baslev weiter. 

Ikea will Innenstädte erobern

Ikea setzt voll auf den Innenstadt-Trend. In 30 Metropolen wollen die Schweden neue Märkte eröffnen. In Paris gibt es bereits ein Einrichtungshaus in der City, in Wien entsteht gerade die erste Filiale. In Berlin passiert aber noch mehr: drei bis sieben "Planungsstudios" seien in der Hauptstadt angedacht. Dort können sich Kunden ihre Küche, den Kleiderschrank oder das Badezimmer planen lassen und alle Artikel direkt vor Ort bestellen. " Diese Studios ähneln vom Prinzip den traditionellen Küchenstudios in Stadtzentren", so Balslev. 

Aktuell entsteht gerade in Karlsruhe die Ikea-Filiale Nummer 54. Klar ist, dass durch den Strategieschwenk zwar neue Geschäfte dazukommen, allerdings keine dicken Einrichtungsklötze auf der grünen Wiese. "Wir decken Deutschland jetzt ziemlich gut ab. Potential liegt nun eher in kleineren Geschäften in den Großstädten, wir brauchen nicht noch mehr große Häuser abseits der Zentren", so der Ikea-Chef zur "WiWo".