ILA 2004 "Schön, dass ich das mal sehe"


Erholung vom Alltagsstress: Kanzler Schröder besuchte die International Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) und lobte die positive Entwicklung der Branche.

Solche Termine mag der Kanzler: in einen neuen Hubschrauber klettern, Flugzeugmodelle schwenken und bei einer milliardenschweren Vertragsunterzeichnung Pate stehen. Abseits allen Regierungsknatsches bot Gerhard Schröder die Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin am Montag die Möglichkeit, sich im Lichte einer aufstrebenden Branche zu sonnen und deren Innovationsfähigkeit zu würdigen.

Erfolgreiche Branche

Immerhin, so lobte der Kanzler, liege die Quote für Forschung und Entwicklung in der Branche mit 17 Prozent des Umsatzes über dem Durchschnitt. Wie erfolgreiche Forschung zu barem Geld werden kann, bekam Schröder gleich zu Beginn seines Eröffnungsrundganges demonstriert, als EADS-Chef Rainer Hertrich mit der Betreibergesellschaft Arianespace einen Vertrag über den Kauf von 30 Ariane-5-Trägerraketen im Wert von drei Milliarden Euro unterzeichnete.

Am Airbus-Stand dagegen hoffen die Manager noch auf Verkaufserfolge für ihren neuen Riesenflieger A380. Erst vergangene Woche hat die Serienproduktion in Frankreich begonnen, für die Messebesucher hat das europäische Konsortium deshalb nur ein Kunststoffmodell aufgebaut.

Kritik an Kürzung von Fördergeldern

Schröder posierte neben dieser Hoffnung der europäischen Flugzeugindustrie und ließ sich anschließend von der EADS-Forschungsabteilung einen riesigen Nähroboter zur Fertigung von Kohlefasergewebe für den Airbus-Rumpf zeigen. Abseits des Kanzler-Rummels allerdings kritisierte Rolf Bütje vom EADS-Forschungszentrum, das staatliche Förderprogramm für die Werkstoffforschung sei gerade erst gekürzt worden. "Wir würden uns herzlich freuen, wenn bei der Innovationsinitiative der Bundesregierung für uns etwas herauskäme", sagte er.

In Ostdeutschland hoffen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen auf mehr Unterstützung für ihre Entwicklungsabteilungen. Die Jena Optronik etwa, ein Tochterunternehmen der Jenoptik. Mit ihren Sensoren und optischen Elementen für die Raumfahrt hat es das Thüringer Unternehmen bereits bis an Bord der europäischen Mars-Sonde gebracht.

"Die viel zitierten Wachstumskerne in Ostdeutschland gibt es tatsächlich", sagte Geschäftsführer Dietmar Ratzsch und drückte Schröder zur Illustration am Optronik-Stand ein riesiges Spezialobjektiv in die Hand. "Schön, dass ich das mal sehe. Ich habe vorhin von der Beteiligung an der Mars-Mission gesprochen, aber konnte mir darunter wenig vorstellen", räumte Schröder freimütig ein.

Ostdeutsche Wachstumskerne

Auch bei Rolls Royce bekam der Kanzler ein Stück ostdeutscher Erfolgsgeschichte zu Gesicht - ein riesiges Triebwerk für die Boeing 717, produziert im brandenburgischen Dahlewitz. "Das ist eine aufstrebende Luftfahrt-Region", lobte Rolls-Royce-Sprecher Norbert Burgner. Die Politik stehe hinter der Branche, und das britische Unternehmen habe bei seiner Ansiedlung auf gut ausgebildete ostdeutsche Fachleute zurückgreifen können.

Schröder war derweil längst zum Konkurrenten MTU geeilt und hatte dort das Flügelrad einer Turbine signiert. Auch bei dem jüngst an eine US-amerikanische Investmentgruppe verkauften Triebwerkshersteller sprach man offiziell von der positiven Entwicklung der Branche in der Region Berlin-Brandenburg, die nach Ansicht von EADS-Chef Hertrich zum dritten deutschen Zentrum der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland werden könnte. Vor wenigen Wochen erst wurden allerdings bei MTU in Ludwigsfelde bei Berlin Entlassungen und Kurzarbeit angekündigt - wegen Auftragsmangels.

Sven Kästner/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker