HOME

Insolvenz der Warenhauskette: Köln gefährdet Karstadt-Rettung

Die Rettung von Karstadt hängt am seidenen Faden. Wenn die Stadt Köln dem Konzern nicht die Gewerbesteuer erlässt, könnte der Insolvenzplan scheitern. Angebote möglicher Käufer wie Highstreet oder Triton wären dann wohl hinfällig.

Kurz vor Ablauf der Bieterfrist für Karstadt ist ein neues Hindernis für den Verkauf der insolventen Kaufhaus-Kette aufgetaucht. Der Insolvenzplan könnte noch an der Stadt Köln scheitern, sagte der Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Als letzte von 94 Kommunen mit Karstadt-Standort müsse Köln bis Dienstagvormittag mitteilen, ob die Stadt dem Kaufhaus die Gewerbesteuer erlässt - und diese Entscheidung stehe noch aus. "Wenn sie nicht kommt, kann der Insolvenzplan nicht rechtskräftig werden". Die Gebote für Karstadt würden dann wahrscheinlich "hinfällig".

Gläubiger wie Mitarbeiter oder Lieferanten haben Karstadt Millionen an Forderungen erlassen, um das Überleben der Kette zu ermöglichen. Damit kommt Karstadt wieder in die schwarzen Zahlen und wird gewerbesteuerpflichtig. Es gehe um hypothetische Forderungen in Höhe von 120 bis 140 Millionen Euro, sagte der Sprecher Görgs. 93 der 94 Kommunen mit Karstadt-Standort hätten dem Unternehmen diese "Phantomsteuer" bereits erlassen. Nur Köln fehle. Zuständig für die Entscheidung ist in aller Regel der Stadtrat oder der Finanzausschuss.

Neuer Kauf-Interessent von Karstadt

Nach Informationen von "Bild am Sonntag" gibt es einen weiteren Interessenten für den Kauf der Warenhaus-Kette. Demnach will das Immobilien-Konsortium Highstreet, an dem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Mehrheit der Anteile hält, die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten.

Den Informationen aus Verhandlungskreisen zufolge will Highstreet, denen die Immobilien von 86 Karstadt-Filialen gehören, noch diese Woche dem Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg ein entsprechendes Angebot machen. Vermieter Highstreet wolle einen Sanierungsbeitrag für die Karstadt-Zukunft leisten und die Mieten reduzieren. Als Kaufpreis seien 40 Millionen Euro im Gespräch.

In dem Zeitungsbericht heißt es, dass sich das Konsortium bereits in Geheimverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf die Details einer Übernahme geeinigt habe. Es solle keine Entlassungen in größerem Umfang geben. Außerdem sollen die Mitarbeiter künftig für individuelle Leistungen einen Bonus erhalten. Allerdings solle die Wochenarbeitszeit der Karstadt-Mitarbeiter von jetzt 37,5 auf 39,5 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht werden. Die Mitarbeiter sollen diesen Plänen zufolge am Unternehmen beteiligt werden, wie es weiter hieß. So sollten die Arbeitnehmer künftig rund 15 Prozent am Karstadt-Konzern halten.

Die Gewerkschaft Verdi hat den Bericht über die Verhandlungen dementiert. Der Bericht der "Bild am Sonntag" sei "nicht korrekt", sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß am Sonntag der Deutschen Presseagentur. Zwar habe man im Zuge des Insolvenzverfahrens immer wieder mit Highstreet gesprochen, weil es sich als Eigentümer von zahlreichen Karstadt-Immobilien um einen "großen Gläubiger" handele. Konkrete Gespräche oder gar "Geheimverhandlungen" über Details einer Übernahme und die Zukunft für die Beschäftigten habe es aber nicht gegeben, sagte Haß. "Es gibt keinen wie immer gearteten Abschluss, der irgendwelche Details vorsieht." Gleichwohl würde die Gewerkschaft ein Übernahme-Angebot von Highstreet "nicht für die schlechteste Lösung für die Beschäftigten" halten, ergänzte Haß.

Metro-Konzern und Privatinvestor noch im Rennen

Der Metro-Konzern (Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof) bekundet weiterhin Interesse an den Karstadthäusern. Vorstandschef Eckhard Cordes habe in einem Brief an Insolvenzverwalter Görg erneut Interesse an der Übernahme einer größeren Anzahl von Karstadt-Häusern signalisiert, "um diese Standorte in einem Gesamtkonzept mit unserer Kaufhof Warenhaus-Kette zusammenführen".

Ein weiterer Kaufinteressent ist die Berggruen Holdings Ltd. Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Investmentgesellschaft will sämtliche Geschäftsaktivitäten übernehmen. Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und von Berggruen bestätigten einen entsprechenden Bericht des Handelsblattes.

Die Investorengruppe Triton hatte sich als Käufer für Karstadt ebenfalls ins Gespräch gebracht. Sie drohte jedoch jüngst mit Rückzug, nachdem sie vergeblich Zugeständnisse der Arbeitnehmer verlangt hatte. Bis 27. Mai muss ein Investor gefunden sein, sonst kann der Insolvenzplan nicht in Kraft treten.

DPA/AFP / DPA