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Irlands Rettung aus der Euro-Krise Milliardengrab für deutsche Steuerzahler


Irland kommt langsam auf die Beine: Als erster Kristenstaat verlässt die Insel am Sonntag den Euro-Rettungsschirm. Die Last trugen die Iren - und die deutschen Steuerzahler: mit 170 Milliarden Euro.
Von Andreas Hoffmann und Nikola Sellmair

Eine Flasche Champagner will Ciaran Kelly am Sonntag nicht öffnen. Dazu ist der 37-jährige Grundschullehrer aus Dublin zu vorsichtig, aber er freut sich. "Der 15. Dezember ist ein großartiger Tag", sagt er. An diesem Tag wird Irland wieder geboren, die Insel verlässt das Euro-Hilfsprogramm, als erstes der Krisenländer. 85 Milliarden Euro an Krediten spendierten die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF), damit die grüne Insel nicht in einem Pleite-Meer unterging. Die Schulden der Banken hatten den Staat beinahe erdrückt.

Irlands Rettung teurer als die von Griechenland

Sechs harte Jahre liegen hinter den Iren. Sechs Jahre mit sieben Notstandsprogrammen, mit fallenden Gehältern, steigender Arbeitslosigkeit und explodierenden Staatsschulden. Für die Iren war es eine teure Zeit - aber auch für Deutschland. Die dortige Krise erhöhte unseren Schuldenberg um mehr als 170 Milliarden Euro. Für den deutschen Steuerzahler ist Irland damit dreimal so teuer wie die Hilfen für alle anderen Krisenländer zusammen. Wie das kam?

Die Zockerei, die Irlands Finanzfirmen über Jahre betrieben und der Staat förderte, lockte auch deutsche Banken. Sie wollten schnelle Gewinne machen. Die Depfa, eine Tochter des Immobilienfinanzierers #link; http://www.stern.de/wirtschaft/news/bad-bank-hypo-real-estate-drohen-weitere-milliardenverluste-1798475.html;Hypo Real Estate (HRE)#, trieb mit ihren Geschäften in Dublin die hiesige Mutter in die Pleite. Der deutsche Staat musste sie retten, allein dadurch wuchs unser Schuldenberg um 163 Milliarden Euro. Weitere Verluste mit irischen Geschäften steuerten Landesbanken bei - der Milliardenfriedhof für deutsche Geldhäuser heißt Irland.

Große Lasten für irische Bürger

Für die Deutschen stiegen nur die Staatsschulden, für die Iren fraß sich die Krise in den Alltag. Ciaran Kellys Gehalt wurde zweimal gekürzt, um insgesamt ein Zehntel. In den Klassen, die er unterrichtet, sitzen mehr Schüler, weil weniger Lehrer eingestellt werden. Behinderte und lernschwache Schüler werden nun schlechter gefördert. Kelly, den der stern schon vor zwei Jahren traf, zahlt dafür immer mehr: eine neue Grundstücksteuer, bald eine Wassersteuer, im Januar steigt die Krankenversicherung um 15 Prozent, und ihn plagen die Schulden für die Eigentumswohnung. "Sie überschatten alles", sagt er. Über die Runden kommt die Familie nur, weil Kellys Frau mitarbeitet. Doch er fürchtet, dass sie ihren Job als Buchhalterin verliert, in den letzten Monaten hatte ihre Firma 15 Prozent der Angestellten entlassen.

Sparpolitik allein führte Irland nicht aus der Krise. Die Regierung hielt an dem Geschäftsmodell fest, das da lautet: "Locke Konzerne mit niedrigen Steuern." Die Ableger von Apple, Facebook, Google, Pfizer und Co. sorgten für Exporte, die Arbeitslosigkeit sank, die Finanzmärkte fassten Vertrauen. "Irland litt nicht wie Griechenland oder Portugal unter verschleppten Strukturreformen", sagt der Ökonomie-Professor Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance. So arm wie die Griechen waren die Iren nie, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf lag zuletzt mit 32.800 Euro rund 2200 Euro über dem deutschen, Krise hin oder her.

Hohe Wirtschaftsleistung, gigantische Schulden

Naht nun das Ende der Euro-Krise? In den Südländern, wie Portugal, Spanien und Irland bessert sich die Lage. Langsam. Doch ein Job fehlt weiterhin vielen Menschen, neue Risiken drohen. Zeitbomben schlummern in Irlands Banken, die private Verschuldung liegt bei 234 Prozent des BIP - nur wenige Länder stecken tiefer in der Kreide. Hoffnung gibt es aber auch: Ciaran Kelly sieht sie an seiner Eigentumswohnung. Er kaufte sie vor der Krise für 450.000 Euro, dann war sie nur noch 100.000 Euro wert, jetzt steht sie wieder bei 200.000 Euro. Immerhin.


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