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IW-Bildungsmonitor: Sachsens Schüler trumpfen auf

Erneut Platz eins im IW-Bildungsmonitor: Schüler werden in Sachsen am besten für die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgebildet. Schlusslicht ist erneut Berlin. Doch die Erhebung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft ist nicht unumstritten.

Sachsen und Thüringen bieten einer Studie zufolge die beste Bildung, um wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Die beiden ostdeutschen Bundesländer würden vor allem bei Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften punkten, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Sachsen, das einen Tick vor Thüringen liegt, schnitt damit bei dem gemeinsam mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft veranstalteten Bundesländer-Bildungsmonitor erneut am besten ab. Baden-Württemberg und Bayern folgen auf den Rängen drei und vier. Die süddeutschen Länder hätten im Vergleich zum Vorjahr die Qualität der Schulen weiter verbessert und würden Jugendlichen die besten Chancen für einen erfolgreichen Start in den Arbeitsmarkt bieten. Auf den letzten Rängen liegen Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Ingesamt habe sich die Bildung in den vergangenen Jahren in fast allen Bundesländern verbessert. So seien die Ausgaben je Schüler seit dem Jahr 2000 um 800 Euro gestiegen. Nur bei der Integration von Ausländern bilanzieren die Autoren einen Stillstand. "Die Lücke zwischen Migranten und Deutschen bleibt", sagte Studienautor Axel Plünnecke.

Demografischer Wandel als Chance

Die zum siebten Mal vorgelegte Länderrangliste vergleicht über 100 Indikatoren wie Bildungsausgaben pro Schüler, Ganztagsangebote, Ergebnisse verschiedener Schulleistungstests und Schulabbrecherquoten. Die Daten stammen meist von 2008, neuere statistische Angaben liegen den Autoren zufolge nicht vor. Neuere Bildungsstudien, wie der Schultest der Bundesländer, wurden jedoch berücksichtigt. Das IW-Länderranking ist in der Kultusministerkonferenz und auch bei Bildungsgewerkschaften nicht unumstritten. Kritisiert wird unter anderem, dass soziale Durchlässigkeit und Chancengerechtigkeit zu wenig gewichtet würden.

Die Autoren des IW-Bildungsmonitors sehen im demografischen Wandel eine Chance. Der Rückgang der Bevölkerung könnte vor allem in Westdeutschland helfen, die Bildungsausgaben pro Kopf zu steigern. Selbst bei Einsparungen in den Länderhaushalten könnte jeder Schüler im Durchschnitt mit mehr Geld gefördert werden. Die frei werdenden Gelder dürften jedoch nicht dem Bildungssystem entzogen werden, sondern müssten komplett im Ressort bleiben. Ostdeutsche Länder hätten dies bereits zum Teil gemacht. Bei der Bildung könne der Westen vom Osten lernen, so die Autoren.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) verwies darauf, dass der Bund seine Aufwendungen für Bildung und Forschung weiter steigere. "Im Bildungsmonitor wird gleich mehrfach betont, dass Investitionen in Bildung eine hohe volkswirtschaftliche Rendite schaffen. Das heißt: Von dem Geld, das wir heute in Bildung stecken, profitieren wir später alle."

Schlusslicht Berlin

Wie der kürzlich von der Kultusministerkonferenz vorgelegte Bundesländer-Schultest diagnostiziert auch die IW-Studie schlechte Sprachkenntnisse der Schüler im Osten. Allerdings gleicht Sachsen diese Schwäche mit der Uni-Bildung teilweise wieder aus. Seit 2000 hätten rund 20.000 mehr Akademiker die Hochschulen verlassen, als unter damaligen Bedingungen zu erwarten gewesen wären. Bei der Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten schneiden Thüringen und Sachsen ebenfalls am besten ab. In Sachsen würden zudem kaum Kinder in der Schule zurückfallen. Neben den beiden Spitzenreitern hätten besonders Sachsen-Anhalt und Bremen die Qualität der Schulen verbessert und den Akademikeranteil erhöht.

Beim Schlusslicht Berlin lesen dagegen auffällig viele Schüler schlecht. Besonders unter ausländischen Jugendlichen sei auch die Schulabbrecherquote überdurchschnittlich hoch. Zudem beklagt die Studie zu wenig Ausbildungsplätze in Betrieben und eine der schlechtesten Erfolgsquoten bei den dazugehörigen Abschlussprüfungen.

joe/DPA/Reuters / DPA / Reuters