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Geldprobleme: Ausgerechnet Johns-Hopkins-Universität muss wegen Corona-Krise Mitarbeiter entlassen

Die Johns-Hopkins-Universität aus Baltimore gilt als weltweit führend bei der Erfassung von Daten zum Coronavirus. Trotzdem muss die US-Uni nun Gehälter kürzen und Mitarbeiter entlassen.

Johns Hopkins University

Die Johns Hopkins University liegt in Baltimore, nahe Washington D.C.

In der Corona-Pandemie ist die Johns-Hopkins-Universität omnipräsent. Die US-Uni aus Baltimore liefert laufend neue Zahlen zum Infektionsgeschehen rund um den Globus. Da die zusammengetragenen Daten aktueller sind als die des Berliner Robert-Koch-Instituts, werden sie täglich von zahlreichen deutschen Medien zitiert, auch vom stern.

Von den finanziellen Auswirkungen der Coronakrise bleibt aber auch die US-Institution nicht verschont. Obwohl die Expertise der Hochschule aktuell weltweit gefragt ist wie nie, rechnet sie allein bis Juni 2020 mit Verlusten von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Im kommenden Geschäftsjahr, das im Juli beginnt, könnte sie sogar 375 Millionen Dollar verlieren, wie Uni-Präsident Ronald Daniels in einem aktuellen Schreiben vorrechnet. Das Budget der Uni war für das laufende Jahr mit 6,5 Milliarden Dollar geplant und ursprünglich ein Gewinn von 72 Millionen erwartet worden.

Entlassungen und Gehaltsverzicht

In dem Brief an seine Mitarbeiter verkündet Daniels nun schweren Herzens harte Sparmaßnahmen. Allein bei den betrieblichen Rentenbeiträgen für die Mitarbeiter will Daniels im kommenden Geschäftsjahr 100 Millionen Dollar sparen. Teure neue Projekte liegen ebenso auf Eis wie Gehaltserhöhungen, Neueinstellungen sind nur sehr restriktiv möglich. Die Führungskräfte der Universität verzichten auf zehn Prozent ihres Gehalts, schreibt Daniels, er selbst und sein Stellvertreter auf 20 Prozent. Trotz aller Sparmaßnahmen werde die Universität auch um Zwangsurlaub und Entlassungen nicht herumkommen. Sie seien eine "unvermeidliche Konsequenz der Verluste, die wir erleben".

Finanziell am schwersten trifft die Universität derzeit der Rückgang an Einnahmen bei den klinischen Behandlungen. Die Gesundheitsversorgung sei komplett auf die Behandlung schwerer Fälle von Covid-19 umgestellt worden, schreibt Daniels. Andere lukrative Behandlungen müssen dafür ausfallen. Weitere millionenschwere Einnahmeausfälle erwartet die Uni bei den Studiengebühren, Spenden und privaten Forschungsgeldern. Zudem muss die Uni massive Abschreibungen auf ihre Anlagen am Kapitalmarkt vornehmen.

Die private Johns-Hopkins-Universität wurde 1873 gegründet und sollte nach dem Vorbild der Uni Heidelberg in Deutschland Spitzenforschung und Lehre vereinen. Sie hat bislang 39 Nobelpreisträger hervorgebracht und aktuell mehr als 26.000 Studenten. In der Corona-Pandemie recherchiert sie weltweit Fall- und Todeszahlen und bereitet diese in Echtzeit für die Öffentlichkeit auf.

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