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Haub vs. Caparros: "Testosteronkrieg" um Kaiser's Tengelmann

"Zerstörungswut", "Sonnenkönig": Tengelmann-Eigentümer Haub und Rewe-Chef Caparros ziehen seit Tagen öffentlich über einander her. Die Rettung der Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann gerät dabei in den Hintergrund.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Rewe-Chef Alain Caparro

Überziehen sich seit Tagen in Interviews mit Vorwürfen: Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub (l.) und Rewe-Chef Alain Caparro

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf einen Kompromiss in letzter Minute zur Rettung der Arbeitsplätze bei Kaiser's Tegelmann. Doch die Aussichten dafür scheinen schlecht. Auch deshalb, weil Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Rewe-Chef Alain Caparros nicht miteinander können.

Seit Tagen überziehen sich die Manager in Interviews gegenseitig mit Vorwürfen. Haub wirft dem Rewe-Chef "Zerstörungswut" vor und macht keinen Hehl daraus, dass er die Angebote des Managers zur Rettung von Kaiser's Tengelmann für schlichtweg "unseriös" hält. Seine Generalabrechnung mit Caparros in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" beendet Haub mit dem Fazit: "Mir fehlt einfach das Vertrauen."

Caparros wirft Haub seinerseits vor, "sich als Sonnenkönig aufzuführen" und die Suche nach einer Lösung zu torpedieren. Die Verhandlungen der vergangenen Wochen seien "eine Farce" gewesen. Dass er nun als Buhmann herhalten soll, sei "eine Schweinerei", meint der Manager. Und gibt den Schwarzen Peter zurück: "Tengelmann und Edeka haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann."

Der Ton, in dem die beiden Topmanager öffentlich übereinander herziehen, ist fast beispiellos in der deutschen Unternehmenspraxis. Der Eindruck drängt sich auf, dass es hier längst nicht mehr nur um Sachthemen geht, sondern dass hier große Egos aufeinanderprallen. Caparros selbst sprach vom "Testosteronkrieg der Häuptlinge".

Asket vs. Lebemann

Tatsächlich sind die beiden Manager denkbar gegensätzlich. Der 56-jährige Tengelmann-Chef stammt aus einer der reichsten deutschen Unternehmerfamilien. Das Vermögen der Haubs wird vom "Manager Magazin" auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Elite-Hochschule St. Gallen. Dem Familienunternehmen hat er seit der Jahrtausendwende seinen Stempel aufgedrückt. Wie wenige andere Händler setzt er dabei auf das Thema Internet. Der asketisch wirkende Unternehmer lebt zurückgezogen von der Öffentlichkeit, läuft Marathon und liebt das Bergsteigen.

Der vier Jahre ältere Caparros wurde 1956 im damaligen französischen Département Algerien geboren. Während des Unabhängigkeitskriegs 1962 musste seine Familie das Land verlassen und zog nach Lothringen. Er studierte Betriebswirtschaft in Saarbrücken und Metz und machte bei Yves Rocher und Aldi Nord Karriere, bevor er zu Rewe kam. Wo Haub die körperliche Herausforderung sucht, sammelt Caparros Kunst. "Wenn ich mal aufhöre, Mehl und Zucker zu verkaufen, dann kann ich mir gut vorstellen, Galerist zu werden und jungen Künstlern ein Forum zu geben, damit sie von ihrer Kunst leben können", bekannte er vor einigen Monaten in einem Interview.

"Da hilft nur noch ein Mediator"

"Der Faktor Mensch spielt in jeder Verhandlung eine große Rolle", sagt Renate Dendorfer-Ditges, Professorin an der Wirtschaftshochschule EBS und Expertin für Verhandlungsmanagement und Mediation. Das gelte umso mehr für Verhandlungen, die unter den Augen der Öffentlichkeit geführt würden. Gerade für Unternehmenschefs stehe viel auf dem Spiel in solchen Situationen, betont Lutz Kaufmann, der an der Wirtschaftshochschule WHU Verhandlungsmanagement lehrt. Es gehe nicht zuletzt darum, das Gesicht zu wahren - nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber dem eigenen Team, dem Aufsichtsrat und den Eigentümern, sagt der Professor. Das könne Verhandlungen in eine Sackgasse führen.

Gibt es noch einen Ausweg, wenn die Situation so verfahren ist? Ja, glauben beide Experten. "Da hilft dann nur noch eine dritte Partei - ein Mediator", sagt Kaufmann. Ein solcher Vermittler könne eine Brücke bauen zwischen den verfeindeten Parteien, betont Dendorfer-Ditges.

Wichtig sei aber auch, dass es gelinge, in den Einigungsbemühungen Vertraulichkeit zu gewährleisten, sind sich beide einig. Kaufmann empfiehlt: "In jedem Fall würde ich alle auf eine Nordseeinsel sperren und die Öffentlichkeit ausschließen."

DPA