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KARIBIK: Trinidads Wirtschaft boomt dank üppiger Erdgasreserven

Der Karibikstaat Trinidad und Tobago ist im Ausland vor allem als exotisches Urlaubsziel bekannt. Jetzt wird das Land auch bei ausländischen Investoren ein Renner.

Dank üppiger Erdgasreserven lockt die dicht vor der Küste Venezuelas gelegene Hauptinsel Trinidad nun auch ausländische Investoren in Scharen an. Unternehmen aus Nordamerika und Europa, unter ihnen auch mehrere deutsche, haben in den vergangenen Jahren in Point Lisas an der Westküste Trinidads Milliardenbeträge in petrochemische Anlagen investiert und das Land in einen der weltgrößten Produzenten von Methanol und Ammoniak verwandelt. Erinnerungen an den Ölboom der 70er Jahre werden wach, als Trinidad schon einmal für kurze Zeit im Reichtum schwelgte.

Weitere Steigerung geplant

Jüngsten Angaben des Finanzministerium zufolge soll die Erdgasförderung in den Küstengewässern Trinidads und Tobagos von derzeit rund 46 Millionen Kubikmetern pro Tag in den kommenden drei Jahren um jährlich 20 Prozent steigen. Knapp ein Drittel dieses Rohstoffes wird zu Flüssiggas für den Export verarbeitet, der Rest geht vor allem in die petrochemische Industrie.

Standortvorteil: Nähe zum US-Markt

Zu den deutschen Firmen vor Ort gehört die Ferrostaal AG (Essen), die als Co-Investor an vier Methanol- und an einer Ammoniak-Anlage in Point Lisas beteiligt ist. Nach Angaben ihres Repräsentanten vor Ort, Andreas Saddey, hat Ferrostaal in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Milliarde US-Dollar investiert, welche über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert wurden. Über Clico Energy, ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem lokalen Versicherungskonzern, ist auch die Proman AG an diesen Anlagen beteiligt. Clico-Geschäftsführer Claus Cronberger sieht gleich mehrere Standortvorteile Trinidads und Tobagos: die Rohstoffvorkommen, die Nähe zum US-Markt, die politische Stabilität und eine investorenfreundliche Politik.

Die Methanol-Jahresproduktion lag für den Zeitraum Oktober 2001 bis September 2002 nach offiziellen Angaben bei rund 2,75 Millionen Tonnen. Nach Aussage Cronbergers beginnt jetzt der Bau der größten Methanol-Anlage der Welt, die bei Fertigstellung Anfang 2005 eine Kapazität von alleine rund 2,0 Millionen Tonnen erreichen soll. Die Regierung in Port of Spain sei aber darüber hinaus daran interessiert, Investoren für die Weiterverarbeitung von Methanol und Ammoniak vor Ort zu gewinnen. Beide Produkte wurden bisher zum größten Teil exportiert. Nach Einschätzung der deutschen Botschaft in Port of Spain gibt es aber auch beim Ausbau der gesamten Infrastruktur des Landes Geschäftschancen für deutsche Firmen.

Kanpp drei Pozent Wachstum

Trotz der schwachen Weltkonjunktur kommt Trinidad und Tobago nach Schätzungen der Zentralbank in diesem Jahr noch auf ein Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent. Für die kommenden Jahre werden wieder Werte um fünf Prozent erwartet. Die Zwei-Insel-Republik mit nur 1,3 Millionen Einwohnern hat inzwischen das gut doppelt so viele Bewohner zählende Jamaika als größte Volkswirtschaft der englischsprachigen Karibik überrundet - und sieht sich jetzt verpflichtet, ärmeren karibischen Nachbarn wie Guyana oder Dominica unter die Arme zu greifen. Für die Zukunft verfolgt die Regierung in Port of Spain ehrgeizige Ziele: Bis 2020 soll der Status eines Entwicklungslandes überwunden werden.