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Anzeige gegen Ex-Ärzte-Chef: Ärzteverband geht gegen früheren Chef vor

Der langjährige Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, gerät immer mehr in Bedrängnis. Sein früherer Arbeitgeber will ihn jetzt in drei Fällen verklagen. Es geht um überhöhte Pensionszusagen, übertriebene Abfindungen und dubiose Zahlungen.

Andreas Köhler: Klage gegen Ex-Ärzte Chef

Andreas Köhler, Ex-Ärzte-Chef, wird vom früheren Arbeitgeber verklagt.

Neun Jahre hatte Andreas Köhler die Kassenärztliche Bundesvereinigung geleitet. Neun Jahre war er einer der einflussreichsten Lobbyisten des Landes, handelte Milliarden an zusätzliche Honoraren für die Ärzte aus und ging bei den Mächtigen ein und aus. Zu seinem Abschied 2014 sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Köhler habe „Herausragendes geleistet“. Inzwischen beurteilen der Minister und die Ärzteverbände das Wirken Köhlers ganz anders. Aus seiner Amtszeit kommen immer mehr Vorfälle ans Licht, und es zeigt sich: Der Mann dachte besonders an sich und ging mit Geld ziemlich lässig um.

Köhler sichert sich üppige Altersversorgung

Köhler hatte sich etwa eine üppige Altersversorgung gesichert. Nach Informationen des stern sollte sie bei 98,9 Prozent des früheren Gehalts liegen, normal sind 75 Prozent. Der 55-jährige Köhler würde so im Alter von 63 Jahren 327.000 Euro erhalten. Gegen die Zusagen für das Alter will die KBV nun zivilrechtlich vorgehen, das hat ihr oberstes Gremium, die Vertreterversammlung, am Montag nachmittag in Hamburg beschlossen.

Vorwürfe gegen Andreas Köhler

Zugleich wollen sich die Ärzte von Köhler in zwei Fällen Geld zurückholen. Im ersten Fall geht es um eine Abfindung von 1,4 Millionen Euro, die Köhler der ehemaligen Mitarbeiterin Ulrike W. zukommen ließ und über die der stern berichtete. Im zweiten Fall geht es um 92.000 Euro, die Köhler der Ex-Frau des früheren Hauptgeschäftsführers der KBV, Rainer Hess, zusicherte, um mögliche Versorgungsansprüche abzudecken.

Die Vorwürfe gegen Köhler sind seit längerem bekannt, doch bislang hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung wenig aufgeklärt. Die neuen Beschlüsse kamen auch erst auf Druck von Gröhe zustande. Vor einer Woche drohte er den Verband zu entmachten und einen Staatskommissar einzusetzen. In einem dem stern vorliegenden Schreiben verweist das Ministerium darauf, sollten die "erforderlichen Beschlüsse" nicht vorliegen, würde das Ministerium „selbst die Geschäfte führen oder einen Beauftragten bestellen, der alle notwendigen Maßnahmen ergreift“.

Einer ungewissen Zukunft sieht der ehemals mächtige Ärztefunktionär Andreas Köhler entgegen. Nicht nur der Ärzteverband will ihn verklagen. Auch Gesundheitsminister Gröhe hat inzwischen drei Strafanzeigen gegen ihn eingereicht, etwa wegen Betrug und Untreue.