KIRCH-KRISE Aktienpaket unterm Hammer


Mit Spannung blickt die Medienbranche auf die von der Deutschen Bank angekündigte Versteigerung von Leo Kirchs Beteiligung am Springer-Konzern. Branchenkreise erwarteten bis zuletzt Störfeuer Kirchs.

Mit Spannung blickt die Medienbranche auf die heutige von der Deutschen Bank angekündigte Versteigerung von Leo Kirchs 40-prozentiger Beteiligung am Springer-Konzern. Der 75-jährige Filmrechte-Händler wird den Verkauf seines Aktienpakets nach Informationen aus Branchenkreisen nicht behindern. Kirch werde keinen Insolvenzantrag für seine Gesellschaft PrintBeteiligungen stellen, in der das Paket liegt, sagte ein Kirch-Vertrauter in München.

Kirch hatte den Antrag in Erwägung gezogen, um die Versteigerung seines Springer-Anteils durch die Deutsche Bank zu verhindern und selbst weiter nach einem Käufer zu suchen.

Beobachter gehen davon aus, dass die Deutsche Bank selbst als einziger ernsthafter Bieter für die Beteilung am größten Zeitungsverlag Europas auftreten wird. Damit wolle sich die Bank eine freie und von Kirch unabhängige Verfügungsgewalt über die Springer-Aktien sichern, die der Bank als Sicherheit für einen Kredit von rund 720 Millionen Euro dienen. Nach einem Rechtsstreit erhielt die Deutsche Bank Ende September grünes Licht, das Aktienpaket zu verwerten, nachdem Kirch den fälligen Kredit nicht zurückzahlen konnte.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank erklärte, das Unternehmen gehe davon aus, dass die Versteigerung wie geplant stattfinden werde. Auch in Justizkreisen hatte es geheißen, Kirch habe mit Rechtsmitteln praktische keine Chance mehr, die Auktion zu verhindern. Allenfalls könnten sich für Kirch möglicherweise Ansprüche auf Schadensersatz ergeben. Die Kirch-Anwälte hatten in den vergangenen Wochen mehrfach offen mit Schadensersatzklagen gegen die Deutsche Bank und den Springer-Verlag gedroht.

Eine Sprecherin des Münchner Oberlandesgerichts bestätigte, dass Kirch erneut Einspruch gegen eine in zweiter Instanz weitgehend bestätigte einstweilige Verfügung eingelegt habe. Das Landgericht hatte darin entschieden, dass der Münchner Medienunternehmer seine Verlags-Beteiligung nur mit Zustimmung des Springer-Aufsichtsrates veräußern dürfe. Auf die geplante Aktien-Versteigerung hat Kirchs neuerliche Berufung keine Auswirkungen.

Im Verfahren um eine einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Bank haben Anwälte Kirchs dem Gericht zufolge zwar angekündigt in Berufung zu gehen, ein entsprechender Antrag sei aber am Montag nicht eingegangen. Kirch hatte zuvor vor Gericht einen weiteren Aufschub erreichen wollen, um das Aktienpaket selbst verkaufen zu können. Er scheiterte jedoch auch hiermit in zweiter Instanz. Kirchs Firma und seine Rechtsanwälte wollten sich nicht äußern.

Die bislang einmalige Versteigerung eines Unternehmenspaketes ist mit dem Springer Verlag abgesprochen. Dessen Verhandlungen mit dem Schweizer Großverlag Ringier über einen Einstieg dauern an. »Wir sprechen weiter miteinander«, sagte eine Springer-Sprecherin, ohne Details zu nennen. Es »gibt keinen neuen Sachstand.«


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