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KIRCHMEDIA: »Im Kern gesund, aber missbraucht«

Die neue Führungsriege sieht für den Medienkonzern gute Sanierungschancen. Es gibt mittlerweile sogar Gerüchte über einen Rückzug des Insolvenzantrags.

Die Chancen für eine Sanierung der zahlungsunfähigen KirchMedia stehen nach Ansicht der neuen Geschäftsführung gut. »Das ist ein im Kern gesundes Unternehmen«, sagte Sanierer Hans-Joachim Ziems der »Wirtschaftswoche«. KirchMedia hat »nur ein Liquiditätsproblem, das in erster Linie durch Schwesterfirmen verursacht wurde«. Auch Kirchs Insolvenzverwalter Michael Jaffe erwartet dem Blatt zufolge einen positiven Ausgang des Insolvenz.

Als Finanzpool missbraucht

KirchMedia ist »im Konzern als Finanzpool missbraucht worden, der die gesamte Kirch-Gruppe finanzierte«, sagte Ziems. Bei der Sanierung verfolgt er vor allem ein Ziel: die Unabhängigkeit von KirchMedia wiederherzustellen. Der Kölner Unternehmensberater zeigte sich zuversichtlich, das Kerngeschäft des Medienkonzerns noch retten zu können. Einen Verkauf der profitablen ProSiebenSat 1 AG, die zu KirchMedia gehört, schloss Ziems aus.

Guten Mitarbeiter noch an Bord

Ob ein Unternehmen noch zu sanieren ist, erkennt man daran, »dass die guten Mitarbeiter noch da sind«, sagte Ziems. »Und das ist bei KirchMedia nach meiner Überzeugung der Fall.« Nach dem Insolvenzantrag vom Montag vergangener Woche übernahm Ziems gemeinsam mit dem Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt Wolfgang van Betteray das Steuer bei KirchMedia.

Fast freie Hand für die Geschäftsführung

Kirchs vorläufiger Insolvenzverwalter Michael Jaffe lässt den beiden neuen Geschäftsführern weitgehend freie Hand, wie die »Wirtschaftswoche« weiter berichtet. Bis zu einer Größenordnung von zwei Millionen Euro könnten van Betteray und Ziems bei gewöhnlichen Geschäften selbstständig handeln. »Erst wenn es darüber geht oder wesentliche Teile der KirchMedia veräußert werden, muss ich meine Zustimmung geben«, wurde der Münchner Anwalt zitiert.

US-Filmstudios an Lösung interessiert

Wie Ziems zeigte sich auch Jaffe zuversichtlich, dass KirchMedia gerettet werden kann. Die amerikanischen Film-Studios sind an einer konstruktiven Lösung interessiert, weil sie auch in Zukunft Filme in den deutschen Markt verkaufen wollten, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. »Da wird KirchMedia weiter eine wichtige Rolle spielen.«

Rückzug des Insolvenzantrags möglich

Unterdessen berichtete die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ), dass bei den Verhandlungen über die Zukunft der KirchMedia auch diskutiert wird, den Insolvenzantrag wieder zurückzuziehen. »Das steht als Idee im Raum«, wurde ein Vertreter einer Gläubigerbank zitiert. Voraussetzung ist, dass sich die Investoren mit rund 700 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung beteiligten.

Banken entscheiden

Die Möglichkeit, den Insolvenzantrag zurück zu nehmen, besteht dem Münchner Amtsgericht zufolge, bis das Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgelehnt wird. Im Fall Kirch kann es vermutlich Monate dauern, bis ein Insolvenzgutachten als Grundlage für das weitere Verfahren vorliegt. Über einen Rückzug des Insolvenzantrags müssten laut FAZ zunächst die vier Poolbanken, Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank, mit den Investoren verhandeln. In Bankenkreisen hieß es allerdings, dass diese Möglichkeit nicht von jedem Geldinstitut erwogen wird. »Das ist ziemlicher Quatsch und derzeit kein Thema«, sagte ein Vertreter der Gläubigerbanken. Nach den Spekulationen über eine mögliche Rücknahme des KirchMedia-Insolvenzantrages profitierten aber die Aktien der TV-Senderkette ProSiebenSat.1 und stiegen am Mittwoch auf den höchsten Stand seit Ende August 2001.

Neue Option: Mehr Kapital

Derzeit wird über einen Rücknahme des Insolvbenzantrags auch nicht verhandelt. Der FAZ zufolge erwägen die Investoren um den australischen Medientycoon Rupert Murdoch und den italienischen Ministerpräsidenten und Medienunternehmer Silvio Berlusconi nun doch, zusätzliches Kapital in den Kirch-Konzern zu stecken.