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Medien: Saban hat wieder gute Karten im Kirch-Poker

Der US-Milliardär weilt bereits in München um endlich die Übernahme von ProSiebenSat.1 perfekt zu machen. Der Gläubigerausschuss könnte die Entscheidung möglicherweise bereits Dienstag fällen.

Mit einem überraschenden neuen Angebot für die ProSiebenSat.1 Media AG hat der US-Milliardär Haim Saban wieder gute Karten im Poker um das Erbe des gescheiterten Medienzars Leo Kirch. Ein Sprecher von Kirch-Media bestätigte am Montag, dass Saban am Sonntag eine neue Offerte zur Übernahme von Kirchs einstigem Fernsehimperium vorgelegt habe, eine Entscheidung könne bereits bei der Gläubigerausschuss-Sitzung am Dienstag fallen. Angeblich befindet sich Saban bereits in München, um den Deal perfekt zu machen.

Geld müsste sofort fließen

Laut Finanzkreisen will Saban zusammen mit fünf weiteren Investmentpartnern in mehreren Schritten insgesamt über eine Milliarde Euro für die Fernsehkette bieten, inklusive einer Kapitalerhöhung für die unter der Werbeflaute leidenden Sender. Zuvor hatte bereits der Vorstandschef der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, erklärt, dass die fast eineinhalbjährige Zitterpartie um das zusammengebrochene Medienimperium doch noch ein schnelles Ende finden könne: "Wenn Saban uns eine solide Finanzierung nachweist und das Geld sofort fließt, dann läuft der Deal, sonst läuft er nicht", sagte Schmidt der "Süddeutschen Zeitung".

Bankkreise angeblich sehr zufrieden

Kirch-Media Sprecher Rudolf Wallraf wollte sich zu Inhalt und Höhe des neuen Angebot von Saban nicht äußern. Er sagte aber, dass der Gläubigerausschuss darüber beraten werde. Dass dabei bereits eine endgültige Entscheidung fallen könne, sei "durchaus möglich", betonte der Sprecher. Auch Saban-Sprecherin Lisa Ramelsberger hüllte sich über das neue Angebot in Schweigen: "Wir kommentieren das nicht." In Bankenkreisen hieß es dagegen, man sei mit dem Angebot von Saban "sehr zufrieden" und guten Willens die Sache zu einem guten Ende zu bringen.

500 Mio Euro als erste Tranche

Finanzkreise bestätigten im Wesentlichen Informationen der "Süddeutschen Zeitung", wonach Saban im ersten Schritt mehr als 500 Millionen Euro für die 36 Prozent Stammaktien an ProSiebenSat.1 bezahlen wolle, die Kirch Media besitzt. Mit dem Aktienpaket sind zugleich 72 Prozent der Stimmrechte über den TV-Konzern verbunden. In einem zweiten Schritt wollen Saban und seine Partner demnach für 200 Millionen Euro weitere 14,2 Prozent der Stammaktien kaufen, die derzeit bei der Kirch-Media-Tochter Taurus TV liegen. Hinzu kämen 280 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung bei der ProSiebenSat.1-Gruppe. Außerdem seien mögliche Rückzahlungsverpflichtungen einer Hochzinsanleihe von ProSiebenSat.1 in Höhe von 200 Millionen Euro abgesichert, hieß es weiter.

"Geld liegt auf dem Tisch"

Saban konnte damit verschiedene Streitpunkte, an denen die Übernahmeverhandlungen Anfang Juni in letzter Minute gescheitert waren, ausräumen. "Das Geld liegt jetzt auf dem Tisch - das ist das entscheidende", betonte ein Banker. Laut "SZ" soll die Summe auf einem Konto der internationalen Großbank JP Morgan Chase bereitliegen und von dort sofort nach Vertragsunterzeichnung überwiesen werden.

Verkauf könnte binnen einer Woche klappen

Wenn das Geschäft klappen solle, müsse es jetzt schnell gehen, sagte Landesbankchef Schmidt der Zeitung. "Binnen einer Woche könnte der Verkauf perfekt sein, wir lassen uns nicht mehr auf ein monatelanges Gefeilsche ein. Wir sind andererseits aber nicht in Not und stimmen nur dann einem Verkauf der ProSieben-Aktien durch die Kirch Media zu, wenn die Voraussetzungen stimmen." Sonst würden die Banken "Plan B" umsetzen und mit einer Kapitalerhöhung von 300 Millionen Euro die Senderfamilie selbst stabilisieren.