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Angela Merkel goes Hollywood: Frühstück mit dem Terminator

Nicole Kidman kam nicht, Bruce Willis auch nicht - aber Heidi und Schwarzenegger natürlich. Hollywood und Merkel - das passt wie Lametta zur Aktentasche.

Von Andreas Hoidn-Borchers, Los Angeles

Man soll sich nichts vormachen: Es gibt Paarungen, die passen einfach nicht zueinander, beim besten Willen und in der größtmöglichen Fantasie nicht. Tiger Woods und eheliche Treue. Hertha BSC und attraktiver Angriffsfußball. Dieter Bohlen und niveauvolle Unterhaltung. Oder auch: Angela Merkel und Hollywood.

Aber man kann es ja mal probieren. Angela Merkel, die Inkarnation der Illusionslosigkeit, also im großen Filmtheater der Illusionen: Mittwochnachmittag in Los Angeles, auf dem Gelände von Warner Brothers. Casablanca ist hier gedreht worden. Denn sie wissen nicht was sie tun. Indiana Jones und Jurassic Park. Die Kanzlerin ist kurz durch die Kulissen gelotst worden, hat zu ihrer fast kindlichen Freude die Arbeit in einem Geräuschstudio vorgeführt bekommen, und jetzt steht sie zusammen mit Simon Baker auf dem Set und talkt small. Simon Baker, ein 40jähriger australischer Lockenkopf, hat schon in "Der Teufel trägt Prada" mitgewirkt und spielt nun die Hauptrolle in der Polizeidramaserie "Mentalist", die auch in Deutschland läuft, auf Sat 1. Opernfan Merkel kennt die Serie nicht, Baker kennt dafür das Filmstudio Babelsberg nicht, nach dem die Kanzlerin ihn fragt. Man sollte sich auch nicht allzu sicher sein, dass er mit dem Namen Angela Merkel vor diesem Tag etwas anfangen konnte. Und vice versa.

Zwei Welten, so fern

Die Namen Nicole Kidman, Ashton Kutcher und Bruce Willis dürften der Kanzlerin eher geläufig sein. Sie standen auch auf der Liste der Prominenten, die zu einem Essen geladen waren, das der Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, im Getty Center Restaurant hoch in den Hügeln über der Stadt wenige Stunden zuvor zu Ehren Merkels gegeben hatte. Die Stars hatten auch zugesagt, waren aber nicht erschienen. Lapidarer Kommentar einer Mitarbeiterin des Getty Centers: "Hey Baby, it´s Hollywood!"

Dafür erscheint der Wahlkalifornier und in Deutschland weltberühmte Showmaster Thomas Gottschalk in einem gefährlich großkarierten Anzug und wird sofort von den deutschen Journalisten in die Mangel genommen, welche Tipps er denn für die Kanzlerin parat habe. "Unserer Kanzlerin Tipps geben... Sie gibt mir ja auch keine", windet sich Gottschalk professionell aus der Schlinge. Er hat aber erkennbar auch keine rechte Ahnung, was das alles hier soll und welche Rolle er dabei spielt.

Im Plausch mit Heidi

Es erscheint ferner Seal, der seine Gattin Heidi Klum mitgebracht hat (kann aber auch umgekehrt sein). Das Model stöckelt souverän auf zehn Zentimeter hohen High Heels durch die Gegend und sagt, es interessiere sie "natürlich auch, warum die Kanzlerin uns eingeladen hat". Tja, vielleicht, damit ihr Wirtschaftsberater Jens Weidmann auch mal was anderes in den Kopf kriegt als Finanzkatastrophen; beim Essen war Weidmann jedenfalls ziemlich intensiv in den Dialog mit seiner Tischdame Klum vertieft. Merkel hingegen soll mit Klum vor allem über Schul- und Sprachausbildung geplauscht haben. Hollywood?

Viel wichtiger waren ohnehin ein paar nicht mehr ganz frische Herren, die ebenfalls geladen und sogar gekommen waren - und die Filme nicht drehen, sondern finanzieren. Arthur Cohen zum Beispiel oder Haim Saban, der Merkel galant-nonchalant mit Küsschen rechts und links gegrüßt. "I`m sad that you left Germany", umsäuselt ihn die Kanzlerin. Deutschland sei ein perfekter Standort zum Investieren, schmeichelt Saban zurück. Das erzähle er jedem, den er treffe. Der Mann spricht aus einschlägiger Erfahrung. Er hatte mal die Sat1-Gruppe gekauft und ein paar Jahre später wieder verkauft, mit einem Gewinn deutlich über der Milliardengrenze.

Drei grimmige Herren

Das interessiert Merkel an diesem Tag in Los Angeles ohnehin weit mehr als Stars und Glamour, die sie aber, soweit vorhanden, für die schönen Bilder gerne mitnimmt: der Faktor Filmwirtschaft und wie man ihn in daheim stärken kann. Sie ahnt, dass Deutschland auf Dauer mit der Produktion von Autos, Maschinen und Schrauben allein nicht über die Runden kommt - und die Filmwirtschaft eine Chance bietet, neue Arbeitsplätze zu schaffen und neue Technologien zu entwickeln.

Ein paar Statisten hätte sie gleich mit nach Babelsberg nehmen können: Die drei sehr breiten, sehr breitschultrigen und sehr grimmig dreinblickenden Herren, die am Morgen in ihrem Hotel vor den Fahrstühlen saßen und standen, hätten jeden zweitklassigen Mafiafilm geschmückt. Es waren aber nur die Bodyguards von Arnold Schwarzenegger, dem einstigen Schauspieler und jetzigen Gouverneur von Kalifornien, mit dem Merkel gerade frühstückte. Es muss ein recht lebhaftes Gespräch gewesen sein, das Arnie mit der von ihm gerühmten "mächtigsten Frau der Welt" führte. Dabei ging es gar nicht oder nur kaum um Filme und Sternchen, sondern viel mehr um grünes Wirtschaften, erneuerbare Energien und Obamas Gesundheitsreform. Am Ende war Merkel nicht nur um ein I-Pad reicher, das sie von Schwarzenegger geschenkt bekam, sondern auch um die Erkenntnis, dass es in der großen weiten Welt der Politik doch einige Überraschungen wie einen grünen Republikaner geben kann.

Woodinis Eisenwarenladen

Bei ihrer kurzen Begegnung auf dem "Mentalist"-Set entdeckte Angela Merkel am Nachmittag dann übrigens auch noch einen kleinen Eisenwarenladen mit gut ausgestatteten Schaufensterauslagen und dem Türschild "Cash only. No Checks. No exceptions". Was sich denn da drinnen verberge, fragte sie den Mimen Baker. Kommen Sie, ich zeig es Ihnen, antwortete der und ging mit der Kanzlerin zu dem Haus, öffnete die Ladentür und Merkel schaute verdutzt - ins Nichts. Tja, sagte Baker. "It´s Hollywood."

Yes, it's Hollywood. But it's not Merkel.