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Medien: KEK lehnt Übernahme ab

Die Medienkontrollbehörde KEK hat den Plan des Springer Verlags abgelehnt, ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Springer-Chef Döpfner wetterte, im Vergleich zu den KEK-Auflagen sei die DDR ein "liberales Wirschaftsparadies" gewesen.

Im Poker um Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 ist der US-Milliardär Haim Saban derzeit zum Abwarten verdammt. Sollte der Verkauf an den Springer-Konzern tatsächlich am Widerstand der Kartellwächter scheitern, müsste sich die Investorengruppe um Saban nach einem neuen Käufer umsehen. "Ein Saban hat immer noch ein Ass im Ärmel", sagt ein Branchenkenner. Allerdings wäre dies für Saban ein herber Rückschlag. Bei einem Verkauf an Springer kann er seinen Einsatz in etwa verdreifachen. Ob ein anderes Unternehmen aber wie Springer insgesamt mehr als vier Milliarden Euro für ProSiebenSat.1 hinlegen würde, gilt in der Branche als zweifelhaft.

Hürden imemr größer

Die Potsdamer Medienkontrollkommission KEK hat am Dienstag bereits entschieden: Sie lehnt die Übernahme der Sender durch den Springer Verlag ab. Durch den Kauf würde der Verlag eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen. Nun muss noch das Bundeskartellamt Stellung beziehen. Sollte auch dieser Bescheid negativ ausfallen, könnte die geplante Fusion endgültig scheitern.

Den satten Gewinn bei einem Verkauf an den Springer-Verlag hätte sich Saban nach eigener Einschätzung durchaus verdient. "Ich war der letzte Aufrechte, als alle anderen davon liefen", sagte der US-Unternehmer einmal. Als Saban und seine Finanzinvestoren im Sommer 2003 den TV-Konzern übernahmen, war die Fernsehwerbe-Branche auf dem Tiefpunkt. Der Bauer-Verlag hatte die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 in letzter Minute doch lieber abgesagt, auch Springer wagte die Großakquisition damals nicht. Mit dem Kauf bewies Saban wieder einmal ein gutes Gespür für das richtige Timing. Die Werbebranche hat sich inzwischen erholt, der ProSiebenSat.1-Aktienkurs sich verdreifacht.

Möglicher Käufer: Frankreichs TF1

Ob ein anderer Käufer den Springer-Preis zahlen wird, bleibt dennoch abzuwarten. "Mit mehr als vier Milliarden Euro hatte damals niemand gerechnet", sagte ein ProSiebenSat.1-Manager. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Saban den Markt bereits sondiert. "Er redet mit den Großen in Frankreich und den USA", sagt ein Experte. In erster Linie wird dabei der französische Sender TF1 genannt, bei dem Saban im Aufsichtsrat sitzt. Die Franzosen wollten schon im Juni 2003 zehn Prozent an der deutschen Senderkette übernehmen. Damals wollte TF1 angeblich 100 bis 150 Millionen Euro dafür bezahlen. Mit einer solchen Bewertung würde sich Saban heute keinesfalls mehr zufrieden geben.

Noch aber hat Springer nicht zurückgezogen. Am Freitag treffen sich die Direktoren der Landesmedienanstalten, die das KEK-Veto mit Drei-Viertel-Mehrheit überstimmen könnten. Am 20. Januar will dann das Bundeskartellamt entscheiden, das bereits schwere Bedenken signalisiert hat. Wenn Springer nicht noch tief greifende Zugeständnisse macht, einen Partner findet oder eine Ministererlaubnis bekommt, würde ProSiebenSat.1 bei einem Kartell-Veto an die US-Investoren zurückfallen. Dann wäre Saban wieder am Zug. "Ich bin gespannt, welches weiße Kaninchen er dann aus dem Hut zaubert", meint ein Branchenexperte.

Noch ist alles offen

Springer-Chef Mathias Döpfner baute angesichts der ablehnenden Haltung bei KEK und Kartellamt schon einmal vor und kritisierte die verlangten Auflagen scharf. "Ich habe den Eindruck, wenn wir jetzt vorschlagen würden, den gesamten Springer-Verlag zu verkaufen, würde man uns trotzdem nicht erlauben, die Fernsehgesellschaft zu übernehmen", sagte er beim Springer-Neujahrsempfang am Dienstag in Berlin. Döpfner hielt bei dem Empfang eine teilweise launige Rede rund um das Thema "Optimismus". Er scherzte, die Lage sei "zwar fast hoffnungslos, aber auf keinen Fall ernst". Mit Humor müsse man auch so manche Nachricht nehmen, die sein Haus von den Kartellbehörden zu hören bekam. Zu dem von der KEK vorgeschlagenen Kontrollgremium sagte Döpfner beispielsweise, dies lasse die DDR "wie ein liberales Wirtschaftsparadies erscheinen".

Bei dem Widerstand gegen die Fusion werden laut Döpfner "die globalen Verschiebungen des Medienwettbewerbs in die digitalen Vertriebsmärkte" übersehen. Man tue so, als sei dies eine "Art Fieberwahn wild gewordener New-Economy-Fantasten." Diese Einschätzung sei nicht nur falsch, sie sei fahrlässig. Der Verlagsgründer Axel Springer habe seit den 60er Jahren versucht, sich im TV zu engagieren, weil er die Verbindung von Print und elektronischen Medien zu Recht als zukunftsweisend angesehen habe. "Aber wenn uns trotzdem am Ende dieser Schritt verwehrt bleiben sollte, dann werden wir auch das sportlich nehmen - und unser Glück in digitalen Märkten und im Ausland suchen", so Döpfner.

Ausnahmegenehmigung gilt als unwahrscheinlich

Den im August 2005 geschlossenen Vertrag zwischen Springer und der Gruppe um den US-Investor Haim Saban lobte er als "runden Deal". Döpfner erwähnte nicht, ob bei einem endgültigen Veto von KEK und Kartellamt eine Ausnahmegenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos in Betracht komme. Nach Medienberichten ist dies aber unwahrscheinlich.

Die Wettbewerbshüter fordern, dass sich Springer entweder von der "Bild"-Zeitung trennt oder auf einen der beiden großen Sender der Gruppe - ProSieben oder Sat.1 - verzichtet. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag) ist Springer offenbar auf der Suche nach einem Partner für den geplanten Kauf der Sendergruppe, um die Bedenken auszuräumen. Am Wochenende habe der Verlag mit der Fernsehgruppe SBS verhandelt. Dazu wurde am Dienstag bei Springer offiziell nichts bekannt. Die KEK beharrt auf ihrem Vorschlag, einen Fernsehbeirat zu installieren, der die alleinige Programmverwaltung und -kontrolle für einen der zwei großen Sender der Münchener Senderkette - ProSieben oder Sat.1 - übernimmt. Die KEK hatte sich kürzlich verwundert darüber geäußert, dass dem Springer-Konzern unterbreitete Vorschläge trotz der vereinbarten Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt waren. Auftrag der KEK ist es, die Meinungsvielfalt zu sichern.

AP, DPA, Reuters / AP / DPA / Reuters