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Medien: Duell der Giganten um KirchMedia

Das Drama um den Verkauf der KirchMedia ist kurz vor dem Schlussakt noch einmal spannend geworden. US-Milliardär Haim Saban und der deutsche Bauer Verlag kämpfen um den Zuschlag.

«Wir sind auf der Zielgeraden», hieß es am Donnerstag in Verhandlungskreisen. Der US-Milliardär Haim Saban hat sich in den vergangenen Tagen mit seinem prall gefüllten Konto und intensiven Verhandlungen in München wieder ins Spiel gebracht. Der Hamburger Bauer-Verlag, offiziell Favorit für eine Übernahme der KirchMedia mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 Media, muss noch einmal zittern. Nach monatelangen Verhandlungen könnte an diesem Montag (10. März) in einer Sitzung des Gläubigerausschusses eine Entscheidung im Duell der Giganten fallen.

Saban wendete das Blatt

Bis vor wenigen Wochen sah es so aus, als sei das Ende absehbar: Das Herzstück des einstigen Kirch-Imperiums sollte für alles in allem mehr als eine Milliarde Euro an den Bauer-Verlag verkauft werden. Die Unterzeichnung der Verträge schien nur noch eine Frage der Zeit. Doch Saban legte in letzter Minute noch einmal ein attraktives Angebot vor. Das Angebot sei finanziell und inhaltlich besser als das des Bauer-Verlages, heißt es in den Verhandlungskreisen.

Finanzierung ist kein Problem

Als Partner holte Saban den französischen Sender TF1 ins Boot. Die Finanzierung dürfte für Saban kein Problem sein. Aus eigener Kraft hat sich der gebürtige Ägypter als Filmproduzent zu den reichsten Männern der USA empor gearbeitet. «Notfalls stelle ich einen Scheck von meinem Bankkonto aus», ließ er vor wenigen Tagen bei einem Deutschland-Besuch wissen.

Vorteil: Lebt in Hollywood

Auch seine guten Kontakte in der US-Filmszene machen ihn siegesgewiss. Er lebt in Beverly Hills und kennt nach eigenen Worten schon deshalb alle wichtigen Ansprechpartner in Hollywood. «Stellen Sie sich bloß mal vor, eine Bauer-Delegation würde in Hollywood über Filmrechte verhandeln», höhnte er in einem Interview mit dem «Spiegel.» «Vergessen Sie's.»

Standortgarantie für München

Durch den Kauf der KirchMedia mit ihren Fernsehsendern ProSieben, Sat.1, N24 und Kabel 1 würde der Manager über Nacht zu den wichtigsten Medienmanagern in Deutschland aufsteigen. Bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Saban schon angerufen und ihm seine Pläne für Deutschland erklärt. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) versprach er eine Standortgarantie für München und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter.

Bauer drängt angeblich auf Entlassungen

Bauer hingegen soll nach Angaben der Gewerkschaft ver.di bereits vor dem Abschluss der Verträge auf Entlassungen bei der KirchMedia gedrängt haben. Probleme drohen außerdem mit dem Kartellamt, das wegen der Beteiligung des Bauer-Verlages an dem Sender RTL 2 eine zu große Medienmacht befürchtet. Um die Genehmigung zu erleichtern, will Bauer dem Partner HypoVereinsbank einen größeren Anteil als die bislang vorgesehenen zehn Prozent überlassen und das überarbeitete Angebot Informationen aus Branchenkreisen zufolge am Montag präsentieren. Die Kartell-Schwierigkeiten sind nach Informationen aus Verhandlungskreisen aber nicht der Grund für die Verzögerungen in den vergangenen Monaten. «Die Materie ist einfach sehr komplex», heißt es dort. Allein der Anhang der Verkaufsverträge habe mehrere Hundert Seiten und beschäftige zahlreiche Juristen.

Für Bauer wäre der Kauf der KirchMedia der große Einstieg in den Fernsehmarkt. Bei Fernsehprogrammzeitschriften («TV Movie») ist der Verlag in Deutschland Marktführer und könnte nach Einschätzung von Medienexperten vor allem den wechselseitigen Werbeeffekt zwischen Sendern und Zeitschriften nutzen.