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Fernsehen: Bauer zieht sich aus Kirch-Bieterverfahren zurück

Der Hamburger Bauer-Verlag zieht sich aus dem Bieterverfahren um die insolvente KirchMedia zurück. Der Sieger scheint Medienmilliardär Haim Saban zu sein.

Das Konsortium unter Führung des Bauer-Verlages hat sich aus dem milliardenschweren Bieterverfahren um die insolvente KirchMedia vorläufig zurückgezogen. KirchMedia kündigte an, nun in Abschlussverhandlungen mit dem Konsortium des US-Medienunternehmers Haim Saban zu treten, das Bauer-Angebot aber weiter als „Alternative“ zu betrachten.

Keine Beteiligung an Bieterwettstreit

"Wir ziehen uns zurück", bestätigte der Sprecher des Hamburger Verlagshauses, Andreas Fritzenkötter. "Wir haben immer gesagt, dass wir uns nicht an einem Bieterwettstreit beteiligen werden", sagte er zu Begründung. Das Interesse an einer Übernahme von Deutschlands größtem Filmrechtehändler und seiner TV-Tochter ProSiebenSat.1 bestehe aber noch immer. Sollten neue Entwicklungen eintreten, sei man grundsätzlich gesprächsbereit.

Die Rückkehr des Aussteigers

Bauer hatte gemeinsam mit der HypoVereinsbank (HVB) für KirchMedia geboten und mit der Offerte von Saban und dem französischen Fernsehsender TF1 konkurriert. Saban hatte sich eigentlich aus dem Rennen um KirchMedia bereits zurückgezogen, war dann jedoch vor wenigen Wochen mit einer aufgefrischten Offerte wieder eingestiegen. Beide Konsortien bieten rund zwei Milliarden Euro für die Übernahme eines Anteils an ProSiebenSat.1 und die Filmrechtebibliothek des früheren Kirch-Imperiums.

Nun ist Saban an der Reihe

KirchMedia teilte mit, nach dem Ausstieg des Bauer-Konsortiums nun in Abschlussverhandlungen mit Saban treten zu wollen. Der "konzeptionelle Ansatz des Bauer-Angebots" sei zwar "schlüssig und stimmig", die Offerte Sabans aber "sowohl im materiellen Bereich als auch in der zeitlichen Umsetzung attraktiver". Die Gesellschaft habe deshalb abschließende Verhandlungen mit Saban aufgenommen, um das bessere Angebot "vertraglich wasserdicht zu machen".

Kein Abbruch der Beziehung zu Bauer

Die Verbindung zum Bauer-Konsortium bleibe aber bestehen. "Wir halten die Verbindungen mit Bauer weiterhin aufrecht und sehen im Falle eines Scheiterns (der Verhandlungen mit Saban) die von Bauer ausgestreckte Hand als Alternative", sagte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems "Wir haben Verständnis für diese Maßnahme", fügte er mit Blick auf den Rückzug Bauers hinzu. Er begrüße, dass der Hamburger Verlag weiterhin offen für einen Vertragsabschluss sei.

Das Angebot von Bauer sei seriös kalkuliert, hatte Verlagssprecher Fritzenkötter erklärt. Auch die kartellrechtlichen Fragen seien aus der Sicht Bauers kein grundsätzliches Hindernis für einen Einstieg bei ProSiebenSat.1. Der Bauer-Verlag, Marktführer bei TV-Zeitschriften in Deutschland, ist auch am TV-Sender RTL II beteiligt, weshalb das Bundeskartellamt bereits Bedenken gegen eine Übernahme angemeldet hatte.

Eingung bis zum Wochenende

Ob nun wie ursprünglich geplant eine endgültige Entscheidung über den Verkauf von KirchMedia bis zum kommenden Wochenende fällt, blieb unklar. KirchMedia verwies aber darauf, dass der Gläubigerausschuss die Geschäftsführung dazu aufgefordert hatte, bis Ende dieser Woche über eine der beiden Offerten zu entscheiden. Vor knapp einem Jahr hatte die Insolvenz der Kirch-Kerngesellschaft KirchMedia den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch eingeleitet.

Bereits am Montag hatte es nach der Sitzung des Gläubigerausschusses aus verhandlungsnahen Kreisen geheißen, Saban habe im Bieterwettstreit um KirchMedia die Nase vorn. "Aus einem Abstand im kleinen zweistelligen Bereich ist ein kleiner dreistelliger Millionen-Betrag geworden", hatte es in den Kreisen geheißen. Vor allem mit dem gebotenen Kaufpreis für ProSiebenSat.1 soll Saban die Gegenseite geschlagen haben, während die Offerten für die Filmrechtebibliothek nahe bei aneinander lägen. "Die Stellschraube ist das Angebot für den 36-prozentigen ProSiebenSat.1-Anteil. Dafür bietet Saban mittlerweile gut 500 Millionen Euro", hieß es.