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Kommentar: Das Sündenregister des Leo Kirch

Leo Kirch hat es offenbar geschafft: Ihm ist das Comeback geglückt, er ist zurück im großen Geschäft mit den Fernsehrechten. Dabei ist Kirch im Guten wie im Schlechten kein unbeschriebenes Blatt. Sein Sündenregister ist beträchtlich. stern.de-Autor Johannes Röhrig erinnert an einige davon.

Leo Kirch, der frühere Strippenzieher des deutschen Privat-Fernsehens, ist wieder im Geschäft. Im Alter von 80 Jahren, nur fünf Jahre nach seiner fulminanten Firmenpleite, feiert er ein Comeback und hat erneut bei den TV-Fußballrechten das Sagen. Man kann sich nur die Augen reiben: War da was?

Nicht alles am Rand der Legalität

"Nicht alles, was Kirch getan hat, war am Rand der Legalität", sagte ein früherer langjähriger Wegbegleiter einmal im vertrauten Kreis. Man darf ihm nicht unterstellen, was man nicht beweisen kann. Aber daran erinnern, wie Kirch agierte, das gebietet so ein Tag.

Milliardenschwere Filmpakete verschob Kirch einst über wilde Konstruktionen steuergünstig in Richtung Schweiz und Liechtenstein. Die Staatsanwaltschaft ermittelte viele Jahre gegen ihn - erfolglos.

Auf Nummernkonten seiner Frau im Ausland bewegte er Summen in dreistelliger Millionenhöhe. Seine Steuerschulden gegenüber dem bayerischen Fiskus beglich er später im Zuge des Amnestiegesetzes.

Im Strudel der Pleite ließ er Geschäftsunterlagen fälschen, um persönliche Zahlungsverpflichtungen zu umgehen. Damit flog er auf und wurde per Strafbefehl zu 90.000 Euro Strafe verurteilt.

Heimliche Beraterhonorare

Unangenehm wurde der Konkurs der Kirch-Firmen auch für eine Reihe von Politikern und Sportfunktionären, als bekannt wurde, dass seine Unternehmen über Jahre heimlich vorgebliche Beraterhonorare gezahlt hatten.

Vor allem CDU- und CSU-Politikern versüßte er so den Abschied aus der aktiven Regierungstätigkeit. Aber auch der FDP-Mann und damalige Schalke-04-Aufsichtsrat Jürgen W. Möllemann genoss die diskreten Zuwendungen. So wurde schließlich offenbar, dass Möllemann sich für eine verdeckte Firmenbeteiligung an einer Schalke-Tochter eingesetzt hatte.

Noch weiter reichten die geheimen Vereinbarungen zwischen Kirch und dem wichtigsten Verein in Deutschland, dem FC Bayern. Auf gut 190 Millionen Mark war ein Vertrag taxiert worden: Dafür sollten sich die Bayern innerhalb der Klubgemeinschaft für Kirchs Interessen stark machten. 43 Millionen Mark überwies Kirch tatsächlich an die Bayern - dann war er pleite.

Kirch und der FC Bayern

Jetzt ist der alte Mann offenbar wieder flüssig, und die Deutsche Fußball-Liga fühlt sich angesichts der Milliarden-Verheißungen zu seinem Bewährungshelfer berufen. Geld hat die Fußball-Manager schon immer blind gemacht. Wie hieß es damals noch in dem Geheimpakt mit den Managern vom FC Bayern? Die Münchner wollten sich darum kümmern, dass die Fußball-Rechte "... im Wege der zentralen Vermarktung insgesamt exklusiv an Unternehmen vergeben werden, an welchen ein Unternehmen der Kirch-Gruppe zumindest in Höhe von 50 Prozent beteiligt sind." Wie gut, dass Kirch sich auf alte Freunde verlassen kann.

Übrigens: 350 Millionen Euro schuldeten die Kirch-Firmen der Liga bis vor kurzem noch. Aber das ist Vergangenheit, die offene Rechnung anderweitig beglichen: Für 42 Millionen Euro verkaufte die DFL-Spitze die Forderungen an eine frühere Hausbank Kirchs. So also können Geschäfte mit Kirch aussehen.