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Kommentar Kurssturz mit gebrochenem Rückgrat

Die Börsenkurse fallen nicht, sie stürzen - und das keineswegs überraschend - zum Leidwesen aller, auch der Kleinanleger. Die Gier von Bankern und Börsianern hat jede Vernunft gekillt.
Ein Kommentar von Frank Donovitz

Jetzt fallen sie, die Börsenkurse. Man möchte beinahe sagen: endlich! Denn was sich die höchst gebildete, top bezahlte und ultracoole Finanzindustrie geleistet hat, musste - nach scheibchenweisem Bekanntwerden des Ausmaßes - schief gehen. Und zwar gewaltig. Denn erstmals in ihrer neuzeitlichen Geschichte zockten Banker rund um den Globus auf ihrem Rückgrat herum: dem Kreditmarkt.

Kreditkrise wird auch uns treffen

Zuerst vergaben Banken Kredite an Menschen, von denen sie wussten, dass sie das Geld nicht zurückzahlen können. Dann spekulierten dieselben Institute und viele andere Großanleger mit diesen faulen Darlehen. Schließlich wollte und konnte niemand mehr zahlen, die Risiken übernehmen. Die Beteiligten schreiben seither Milliarden-Riesenverluste. Und was nun?

Lange Zeit sah es so aus, als müssten nur Vorstände und Aktionäre von Banken für ihre Harakiri-Geschäfte mit und um Kredite bluten. Sei's drum, könnte man sagen. Es ist nun mal deren Geschäftsrisiko. Aber angesichts des Ausmaßes und der Verbreitung der Verluste ist mittlerweile klar: Diese Krise wird uns alle treffen, nicht nur die armen Teufel in Amerika, die einst das ach so billige Geld aufgeschwatzt bekamen. Jetzt wird das gesamte Kreditgeschäft rund um den Globus gedämpfter, Finanzierungen heikler, Wachstum in allen Regionen der Welt gefährdet - zumindest aber gebremst. Auch in Deutschland.

Bankmanager ohne Verantwortung

Zocker in Banken, die sich selbst mitunter "Risikomanager" nennen, haben Konjunktur- und Beschäftigungsperspektiven versaut. Denn so wie das Kreditgeschäft ihr Rückgrat ist, so ist es auch das der gesamten Volkswirtschaft. Analysefirmen, so genannte Rating-Agenturen, haben beim Versauen zugeschaut, es abgenickt, also erbärmlich versagt. Und die aufgeschreckte internationale Finanzpolitik hat zwar viel geredet, aber nichts beschlossen, was die Kreditvergaben ihrer Banken und Spekulationen darauf auf ein bankkaufmännisch normales Maß reduziert hätte. Man hat sich auf die wenigen bestehenden Regularieren und den Geschäfts- und Verantwortungssinn der Bankmanager verlassen. Zu Unrecht, wie sich nun zeigt.

Wenn sich kleinere Privatinstitute selbst ausschießen - so what. Wenn sich aber die WestLB schon seit Jahren (!) Milliarden-Verluste erspekuliert, oder sich manche, öffentlich getragene, Sparkasse am Kredit-Zock beteiligt, ist die Schwelle zum Skandal deutlich überschritten. Und warum das alles?

Gier killt Vernunft

Ohne echte Not. Allein die Gier hat jede Vernunft von Bankern und Börsianern gekillt. Die Banker wollten mehr als das, was der magere Zinsmarkt, initiiert von der US-Notenbank, über viele Jahre hergab. Und die Börsianer verlangten mehr denn je Gewinnwachstum - statt einfach nur soliden Gewinn. Jetzt droht ein Kurs-Massaker. Und die Trauer darüber wäre wohl gering - wenn wir nicht alle davon betroffen wären. Statt dessen dürfen wir wütend sein - und uns als gute Mit-Kapitalisten fragen, wann die Kurse wohl "Einstiegsniveau" erreicht haben.


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