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Turbulenzen an der Börse: So sichern Sie Ihr Geld

Die Furcht vor einem Comeback der Wirtschaftskrise führt zu Panik an den Börsen. Was bedeuten die Kursstürze für mein Erspartes? stern.de erklärt, worauf Sparer und Anleger achten müssen.

Von Peter Neitzsch und Tanja Vedder

An der Börse ist Panik ausgebrochen: Sorgen über die Schuldenkrise in Europa und die schwache Konjunktur in den USA haben die Aktienmärkte weiter abstürzen lassen. Am Freitag erfasste die Panik den deutschen Markt: Nach einem Ausverkauf an der Wall Street und steilen Talfahrten an den asiatischen Börsen brach der Dax kurz nach Handelsstart um mehr als 3 Prozent Punkte ein. Damit dauert seine Talfahrt nun bereits acht Handelstage an.

Am Samstag stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der USA herunter. Was bedeutet es für die Sparkonten kleiner Anleger, wenn Volkswirtschaften in die Krise schlittern und Staaten vor der Pleite stehen? Wie dramatisch ist die Lage an der Börse wirklich? Kann der deutsche Sparer noch ruhig schlafen? stern.de erklärt die Auswirkungen der Schulden-Krise auf die Märkte und sagt, worauf Sie jetzt achten müssen.

Ich habe Geld in Aktien investiert - was soll ich tun?

Die rasante Talfahrt an den weltweiten Börsen setzt sich fort. Der Dax verlor in acht Handelstagen 1100 Punkte und damit seinen kompletten Jahresgewinn. Europaweit geht es ähnlich schnell abwärts. Dennoch kein Grund zur Panik, findet Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH: "Die Kurse bewegen sich jetzt wieder auf dem Niveau von vor einem Jahr." Nur wer vor wenigen Wochen Aktien gekauft habe, hätte große Verluste zu verzeichnen. Herbst rät dazu erstmal abzuwarten: "Niemand würde bei fallenden Kursen Aktien kaufen." Besser sei es zuzugreifen, wenn die Preise unten sind. Kleinsparer sollten ohnehin nicht auf einzelne Aktien setzen und nur einen Teil ihres Ersparten in Fonds anlegen.

Welche Geldanlagen sollte man derzeit besser meiden?

Thomas Mai, Finanzfachmann der Verbraucherzentrale Bremen rät Sparern generell davon ab, in Produkte zu investieren, die sie nicht verstehen: "Das Zocken mit Griechenbonds sollte man den Spekulanten überlassen." Daneben sei es wichtig, dass man das Risiko streut, also sein Geld auf verschiedene Anlagearten verteilt. Laut Finanzfachmann Herbst könnte die Euro-Krise vor allem die Aktienkurse von Bankentiteln weiter unter Druck setzen. Die Banken hätten Milliardenbeträge in den Krisenstaaten investiert: "Wer weiß, welche Leichen da noch im Keller liegen." Experten schätzen allein den Wert griechischer Staatsanleihen im Depot deutscher Banken auf rund zehn Milliarden Euro. Auch Wirtschaftswissenschaftler Burghof sagt: "Banktitel sind gegenwärtig nur etwas für den, der viel Freude an großem Gewinn und großem Verlust hat."

Muss ich Angst um mein Erspartes haben?

Trotz Euro-Krise und Talfahrten an den Börsen sind Sparguthaben auch weiterhin sicher. Einlagen auf deutschen Konten sind über die Sicherungssysteme von Banken und Sparkassen geschützt. Die Bundesregierung hat im Zuge der weltweiten Finanzkrise vor zwei Jahren außerdem eine unbegrenzte politische Garantie für alle Spareinlagen gegeben: "Spareinlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro sind definitiv sicher", sagt Verbraucherschützer Mai. Allerdings hat bereits die Pleite der Lehman-Bank die Einlagensicherung deutscher Privatbanken an ihre Grenzen gebracht. Hundertprozentige Sicherheit kann es also nie geben.

Gilt die Garantie für Spareinlagen auch im Ausland?

Die Einlagensicherung von 100.000 Euro je Kunde gilt für alle Banken innerhalb der Europäischen Union. Wer sein Geld auf Konten außerhalb der EU hat, tut möglicherweise gut daran, das Institut zu wechseln und in Deutschland ein neues Konto zu eröffnen. Schwieriger wird es, wenn Geld mit bestimmten Bindungsfristen bei Banken der Schuldenländer angelegt wurde. Dann steigt die Gefahr, Geld zu verlieren: In Griechenland ziehen die Anleger derzeit scharenweise das Geld ab, was die griechischen Banken ins Wanken bringt.

Welche Risiken stecken in meiner Altersvorsorge?

Gesetzliche Garantien bestehen lediglich für Banksparverträge und Riester-Bausparverträge, sagt Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Riskanter seien Fondsparpläne und Rentenversicherungen: Schließlich habe der Verbraucher hier keinen Einfluss darauf, wo sein Geld angelegt würde. Versicherungsunternehmen erwirtschaften Überschüsse, indem sie das eingezahlte Geld am Kapitalmarkt anlegen. In der Finanzkrise hatten viele Versicherer Schwierigkeiten, sich entsprechend einzudecken. Versicherte müssen sich daher auf weiter sinkende Überschussbeteiligungen einstellen. Das Risiko durch griechische Staatsanleihen ist bei Versicherungen zwar etwas geringer als bei den Banken, aber auch deutsche Versicherer halten noch Papiere im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Außerdem haben viele wiederum in Banken investiert. Mai sagt daher auch: "Die größte Gefahr ist die einer Kettenreaktion."

Ist Gold wirklich ein "sicherer Hafen"?

Gold gilt gerade in Krisenzeiten als beliebte Anlage. Kein Wunder also, dass angesichts der Turbulenzen an den Börsen und der Schuldenkrise der USA der Goldpreis derzeit von einem Rekordhoch zum nächsten springt. Die Feinunze (etwa 31 Gramm) notiert derzeit dauerhaft bei über 1500 US-Dollar. Auch immer mehr private Anleger haben Gold in ihrem Depot. Die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte zeigt jedoch: Gold neigt zu großen Sprüngen. Bessern sich die Zeiten, kann das Edelmetall auch wieder deutlich an Wert verlieren. Anfang des neuen Jahrtausends pendelte Gold beispielsweise gerade einmal um die 300-Dollar-Marke. Nicht ratsam ist es daher, Gold zu kaufen, wenn es am teuersten ist. Grundsätzlich sollten Sie Gold Ihrem Depot deshalb nur beimischen. Schließlich gilt auch hier die Devise: Das Risiko möglichst breit streuen. Mehr zum Thema Gold als Geldanlage in unserem Ratgeber.

Welche Auswirkungen hat die Euro-Krise auf die Zinsen für Sparer?

In den Ländern der Euro-Zone nimmt derzeit die Inflation zu: Waren - vor allem Lebensmittel und Energie - werden teurer, der Euro verliert an Kaufkraft. Um diese Entwicklung abzumildern, hat die Europäische Zentralbank (EZB) vor kurzem den Leitzins auf 1,5 Prozent angehoben. Das Ziel: Geld soll sich wieder verteuern. Das bedeutet auch für Sparer mehr Zinsen auf der Bank. So haben vor allem Direktbanken ihren Zinssatz für Tagesgeldkonten erhöht. Dennoch bieten auch die im Vergleich zum Girokonto besser verzinsten Tagesgeldkonten selten Zinsen, die über der Teuerungsrate von derzeit 2,3 Prozent in Deutschland liegen. Die Rendite reicht meist kaum aus, die Inflation auszugleichen.

Wie stabil ist der Euro?

Trotz Inflation ist der Außenwert des Euro außerordentlich stabil. Die Angst um den Euro ist nach Einschätzung von Finanzberater Herbst überzogen: "Der Euro ist zur Einführung mit 1,18 Dollar gestartet. Als er unter einen Dollar fiel, galt er als Schrottwährung. Nun verliert er ein paar US-Cent auf immer noch über 1,40 Dollar - und wir bekommen gleich Angst." Nach Einschätzung von Herbst sieht die Gemeinschaftswährung im internationalen Vergleich gut aus. Ein Beleg dafür sei, dass Länder wie China nach wie vor in die Währung investieren. "Wäre der Euro so schlecht, wie er gemacht wird, müsste die Währung deutlich niedriger notieren." Ohnehin hätte ein Wertverfall des Euro für die Exportnation Deutschland kaum Nachteile: "Sinkt der Euro, können die Deutschen mehr ins Ausland verkaufen."

Muss ich für Kredite künftig höhere Zinsen zahlen?

Ob sich Kredite verteuern oder nicht, hängt davon ab, ob die Banken die Leitzinserhöhung der EZB an die Kunden weitergeben. Einige Verbraucher müssen sich wohl darauf einstellen, künftig mehr Dispozinsen zu zahlen, wenn sie ihr Konto überziehen. "Nicht alle Banken geben die Option weiter, obwohl sie könnten", sagt Herbst von FMH: Auch Raten- und Konsumentenkredite könnten teurer werden. Anders verhält es sich dagegen mit Hypothekenzinsen. Sie orientieren sich nicht am Leitzins, sondern an den Zinsen für Bundesanleihen und Pfandbriefe. Nach einer Erhöhung des Leitzinses sinken Hypothekenzinsen meist kurzfristig, da sich die Inflationsbekämpfung positiv auf die Rendite von Anleihen- und Pfandbriefen auswirkt. Wer jetzt eine Immobilie finanzieren will, kommt also etwas günstiger an einen Kredit. Auf Dauer aber werden auch die Hypothekenzinsen steigen, sollte die EZB ihren Leitzins weiter anheben.

Ich habe in Staatsanleihen investiert, muss ich jetzt um mein Geld fürchten?

Wer deutsche Staatsanleihen hat, geht kaum ein Risiko ein. Die deutsche Wirtschaft brummt, Deutschland hat bei den Rating-Agenturen ein Top-Ranking, und das Ausfallrisiko - also das Risiko, dass Deutschland seine Schulden nicht zahlen kann - ist minimal. Dafür gibt es aber auch nur eine geringe Verzinsung. Ganz anders steht es um die Anleihen der in die Krise geratenen Staaten wie Griechenland und Portugal. Diese Papiere wurden zuletzt mit enormen Verzinsungen angeboten. Am Kapitalmarkt gilt: Je höher die Verzinsung, desto größer das Risiko. "Man muss damit rechnen, dass es am Ende doch noch zu einem Schuldenschnitt kommt", sagt Verbraucherschützer Mai. Dann könne es sein, dass Anleger große Verluste einfahren. Aber: "Der durchschnittliche deutsche Anleger hat solche Papiere ohnehin nicht im Depot", beruhigt FMH-Finanzexperte Herbst.

Von Peter Neitzsch und Tanja Vedder

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Tanja Vedder und Peter Neitzsch