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Konflikte: Irak-Krieg kein Allheilmittel für US-Rüstungsbranche

Ein möglicher Irak-Krieg sowie riesige Ausgaben für Rüstung und Heimatverteidigung sind für die amerikanische Luft- und Raumfahrt und die Rüstungsbranche kein Allheilmittel.

Ein möglicher Irak-Krieg sowie die riesigen Ausgaben für Rüstung und Heimatverteidigung sind für die amerikanische Luft- und Raumfahrt sowie die Rüstungsbranche kein Allheilmittel. Sie leiden sehr unter dem äußerst schlechten Geschäft mit Zivilflugzeugen. Die direkten Neuaufträge an die Rüstungsfirmen für den Irak- Konflikt sind gemessen am riesigen Pentagon-Haushalt relativ gering. Ein Krieg würde weitgehend mit dem existierenden und bereits bezahlten Waffenarsenal der weltgrößten Militärmacht geführt werden.

Futuristischer Blitzkrieg

Die US-Medien zeichnen ein futuristisches Irak-Blitzkriegsbild mit dem Einsatz von E-Bomben zur Zerstörung von Computern und Telekommunikationsanlagen. Satelliten, Flugzeugträger, U-Boote, viele unbemannte Aufklärungsflugzeuge, 800 Kampfflugzeuge und Bomber, tausende lasergesteuerte Präzisionsbomben, hunderte Marschflugkörper und 250.000 Soldaten sollen eingesetzt werden. Panzerstreitkräfte und Eliteeinheiten könnten sich 48 bis 72 Stunden nach Invasionsbeginn in Bagdad befinden, schrieb «USA Today».

Mehr Budget für die Rüstung

Die US-Ausgaben für unbemannte Aufklärungsflugzeuge wie den Global Hawk und den Predator von Northrop Grumman und General Atomic werden im kommenden Haushaltsjahr auf 1,4 (1,2) Milliarden Dollar erhöht. Sie haben sich in Afghanistan sehr gut bewährt und dürften auch in einem Irak-Krieg eine wichtige Rolle spielen. Lockheed und Raytheon haben gerade einen neuen Großauftrag im Wert von zwei Milliarden Dollar für lasergesteuerte «Paveway II»-Bombenausrüstungen erhalten.

Abwehrraketen wurden "aufgebessert"

Die bereits im Golfkrieg von 1991 eingesetzten Patriot-Abwehrraketen von Raytheon, mit denen irakische Scud-Raketen nur teilweise abgefangen werden konnten, sind inzwischen mit Hilfe eines Modernisierungsprogramms von drei Milliarden Dollar verbessert worden. Lockheed Martin hat die Produktion neuer Patriot-PAC-3- Raketen verdoppelt.

Kriegskosten nicht im Rüstungsetat enthalten

Der US-Rüstungsetat für das Fiskaljahr 2003/2004 (30. September) wird um 4,4 Prozent auf 380 Milliarden Dollar aufgestockt. Die Ausgaben für einen Irak-Krieg, die mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen könnten, sind darin noch nicht enthalten. Die USA geben damit fast 40 Prozent der globalen Rüstungsausgaben aus. Im neuen Pentagon-Haushalt sind 72,2 (Vorjahr: 70) Milliarden Dollar für Rüstungseinkäufe vorgesehen.

Rüstungsaktien fallen

Boeing, der zweitgrößte US-Rüstungskonzern, leidet unter seinem extrem schwachen Verkehrsflugzeuggeschäft und unter Problemen im Raumfahrtsektor. Der Rüstungsbranchenführer Lockheed Martin kämpft mit finanziellen Problemen bei seiner Pensionskasse und Raytheon mit schlechten Telekom- und Energiegeschäften. Die Aktien der führenden US-Rüstungsunternehmen, zu denen auch Northrop Grumman und General Dynamics gehören, sind seit dem Frühjahr 2002 um mehr als ein Drittel gefallen.

Schwaches Geschäft mit Verkehrsflugzeugen

Die amerikanischen Luft- und Raumfahrtfirmen verbuchten nach Angaben ihres Dachverbands AIA im Jahr 2002 einen Umsatz von 148 Milliarden Dollar, minus 3,5 Prozent. Sie rechnen für 2003 mit einem weiteren deutlichen Umsatzrückgang auf 138 Milliarden Dollar. Höhere Rüstungsumsätze könnten das schwache Verkehrsflugzeuggeschäft nicht wettmachen, hieß es. Die Firmen haben im vergangenen Jahr insgesamt 93.000 Mitarbeiter nach Hause geschickt und beschäftigen noch 702.000 Menschen.