Konjunktur Auch der Sport spürt die Wirtschaftskrise


Zwischen Meisterschaft und Milliarden: Jahrelang kannte der "Boom" im Profi-Sport scheinbar keine Grenzen, nun hat auch hier die Wirtschaftskrise deutliche Spuren hinterlassen.

Von der schönsten Nebensache der Welt zum Milliarden-Geschäft: Jahrelang kannte der "Boom" im Profi-Sport scheinbar keine Grenzen, doch nun hat die Wirtschaftskrise deutliche Spuren hinterlassen. Statt Rekordumsätzen und Riesengewinnen gibt es in der Branche Zahlungsschwierigkeiten und Zwangsverkäufe. Doch ganz so trostlos wie in anderen Bereichen ist die Lage nicht. "Im Gegensatz zur New Economy verfügt der Sport über bekannte Namen, gewachsene Nachfrage und zahlende Kunden", sagte Dan Jones, Direktor bei der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche Sport, vor einiger Zeit bei einer Fachkonferenz. Ein Lichtblick ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Und auch von der Olympia-Bewerbung Leipzigs für das Jahr 2012 werden Impulse erwartet.

Kirch-Krise brachte Ball ins Rollen

Wie stark der Sport an der Nadel der Wirtschaft hängt, verdeutlichte der Zusammenbruch des Medien-Imperiums von Leo Kirch im vergangenen Jahr. Die Fußball-Bundesligisten gerieten wegen ihrer Abhängigkeit von den TV-Geldern in große Schwierigkeiten und mussten zum Teil ihre Kreditrahmen bis aufs Äußerte ausreizen, denn das teure kickende Personal musste bezahlt werden. Trotz des Zuschauerbooms - in der vergangenen Saison sahen knapp zehn Millionen Besucher die 306 Bundesliga-Spiele - sind die Clubs und ihre in Kapitalgesellschaften umgewandelten Fußball-Abteilungen wegen der gesunkenen Fernseherlöse zum Sparen gezwungen.

Gehaltsforderungen zurückschrauben

Ähnlich schwierig gestaltet sich für manche Fußball-Unternehmen die Suche nach einem Trikotsponsor. Rund drei Wochen vor dem Saisonstart war die Brust beim Hamburger SV und beim 1. FC Köln noch blank. Und Profis, die bisher scheinbar mühelos jede Gehaltsforderung durchsetzen konnten, machen auf einmal Bekanntschaft mit einem Schreckgespenst, dass bis dato zumeist nur ihre Fans kannten: Arbeitslosigkeit. Rund 200 Bundesliga-Profis waren zum 1. Juli ohne Vertrag.

Auch Formel 1 gebeutelt

Auch die Formel 1, dank der Brüder Michael und Ralf Schumacher sowie BMW und Mercedes die zweite bedeutende TV-Sportart in Deutschland, bekam die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren. Zahlreiche deutsche Unternehmen wie beispielsweise T-Online, Veltins oder Ratiopharm beendeten zu Beginn der laufenden WM-Saison ihre millionenschweren Sponsoring-Aktivitäten in der Vollgas-Branche. Und Rennställe ohne die Unterstützung eines großen Autokonzerns kämpfen in der Formel 1 um ihr Überleben.

Stagnierende Erlöse

Nach einer im Februar veröffentlichen Umfrage von Deloitte & Touche Sport und dem Fachmagazin «Horizont Sport Business» herrschte ein Jahr nach der Kirch-Krise Skepsis unter 400 befragten Entscheidern aus der Sportbranche. Nach Ansicht der Experten sinken oder stagnieren kurz- und mittelfristig die Erlöse aus dem Verkauf der Sportrechte. Ähnliches gelte für den Verkauf von Sponsoringrechten. Verlierer seien in erster Linie die kleinen Vereine und Verbände.

Trotzdem Markt mit Potenzial

Trotz der schwachen Konjunktur bleibt der Sport in Deutschland aber ein Markt mit Potenzial. Die Branche trägt mit rund 27 Milliarden Euro etwa 1,4 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt bei. Private Haushalte geben etwa 21 Milliarden Euro pro Jahr für Sport aus, 75 Prozent der Deutschen schauen sich regelmäßig TV- Übertragungen von Sportereignissen an und 40 Prozent der Bevölkerung sind selbst aktiv. Schätzungsweise 780.000 Menschen verdienen ihren Lohn durch und mit dem Sport, zum Teil als Übungsleiter oder Trainer in den 87.000 Sportvereinen mit ihren 27 Millionen Mitgliedern. Und trotz Rezession steht der Sport auch bei den Unternehmen noch hoch im Kurs: Über die Hälfte der 100 umsatzstärksten Firmen Deutschlands nutzen ihn als Marketingplattform, wobei der Fußball mit weitem Abstand vor dem Motorsport und Tennis als am besten für das Sponsoring geeignet gilt.

Hoffnungsträger WM 2006

Wie sehr auch andere Branchen mit ergänzenden Dienstleistungen oder Produkten vom Sport profitieren, zeigt die Fußball-WM 2006. Nach dem Zuschlag für Deutschland vor drei Jahren jubelten nicht nur Fans, Funktionäre und Fußballer. Auch Hoteliers, Gastronomen und Bauunternehmer hoffen in drei Jahren auf Umsatzsteigerungen und satte Gewinne dank des Fußball-Weltfestes. Nach Expertenschätzungen wird die deutsche Volkswirtschaft von der Ausrichtung mit bis zu fünf Milliarden Euro profitieren.

Außenseiterchance für Olympiade

Einen Schub wünscht sich auch Leipzig durch eine erfolgreiche Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012. Zwar werden der sächsischen Großstadt bestenfalls Außenseiterchancen gegen namhafte Konkurrenz wie Paris, London oder New York eingeräumt. Doch das Kandidatenrennen bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Juli 2005 soll sich lohnen - für das Image und die Wirtschaft. "Wir wollen auf die Weltlandkarte kommen", sagt Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee. Schon jetzt werden in der Messestadt Millionen in den Sportstättenbau und die Infrastruktur investiert und sorgen wenigstens für einen kleinen Lichtblick bei der darbenden Bauindustrie.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker