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Konjunktur: Der Aufschwung kommt

Die guten Konjunkturdaten häufen sich: Die Deutschen haben wieder Lust am Konsum, und auch die Wirtschaftsforscher sind optimistisch wie lange nicht mehr. Das schlägt sich mittlerweile auch positiv auf dem Arbeitsmarkt nieder.

Die sechs führenden Forschungsinstitute werden am Donnerstag ihr Frühjahrsgutachten vorlegen und ein kräftiges Wirtschaftswachstum voraussagen. Laut der Nachrichtenagentur DPA rechnen die Experten für 2006 nun mit einem Anziehen der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent. Noch im Herbst waren die Institute von nur 1,2 Prozent ausgegangen.

Beim EU-Defizitkriterium könnte Deutschland laut Gutachten zudem die Drei-Prozent-Hürde überraschend einhalten. Das Staatsdefizit werde bei 2,9 Prozent liegen, im kommenden Jahr bei nur noch 2,0 Prozent. Die für Januar von der Regierung geplante Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent beurteilen die Wirtschaftsforscher größtenteils negativ. Der erwartete Konsumrückgang werde im kommenden Jahr zu einer Abschwächung des Wachstums auf 1,2 Prozent führen.

Ebenfalls am Donnerstag gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) die neuesten Daten vom Arbeitsmarkt bekannt. Experten rechnen für April mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 200.000 auf 4,78 Millionen. Dies wären rund 270.000 weniger als im Vorjahresmonat.

Der überdurchschnittlich hohe Rückgang der Erwerbslosigkeit ist nach Ansicht von Analysten deutscher Großbanken auf den verspäteten Frühjahrsaufschwung zurückzuführen. Anders als sonst habe der lang anhaltende Winter im März die Arbeitsaufnahme in den Außenberufen noch nicht zugelassen.

Analysten aber glauben, dass die Entwicklung im April nur deshalb so gut ausgefallen sei, weil der lang anhaltende Winter im März anders als sonst die Arbeitsaufnahme in den Außenberufen noch nicht zugelassen hatte. "Wenn sich dieser bremsende Effekt im April nun mit einem Mal auflöst, führt das natürlich zu positiven Effekten", sagte Volkswirt Wolfgang Leim von der Dresdner Bank. Allerdings wirke sich inzwischen auch der positive Konjunkturverlauf auf dem Arbeitsmarkt aus.

Wirtschaft wehrt sich gegen "Reichensteuer"

Unterdessen versucht sich die deutsche Wirtschaft mit Händen und Füßen gegen die mögliche Ausdehnung der "Reichensteuer" auf mittelständische Unternehmen zu wehren. "Das ist Gift für Wachstum und Beschäftigung", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der Berliner Zeitung. "Wir raten deshalb dringend, den unseligen Plan aufzugeben. Es ist gut, dass die Union dies offenbar erkannt hat und die Notbremse ziehen will."

Die Koalition streitet nach wie vor um die für 2007 geplante "Reichensteuer". Die Union lehnte neue Überlegungen innerhalb der SPD ab, die dreiprozentige Zusatzsteuer für Topverdiener zunächst auch auf Personenunternehmen mit hohen Einkommen auszudehnen und so verfassungsrechtliche Probleme auszuschließen. "Es gilt weiter der Koalitionsvertrag", hieß es. CDU und CSU schlagen vor, die "Reichensteuer" erst 2008 zeitgleich mit der Unternehmensteuerreform in Kraft treten zu lassen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters