HOME

KONJUNKTUR: Deutsches Wachstum stagniert im zweiten Quartal

Finanzministerium sieht weiter Risiken für die Konjunkturentwicklung, hofft aber im Jahresverlauf auf eine Belebung, denn die privaten Konsumausgaben steigen wieder.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal vor allem wegen gesunkener Ausrüstungs- und Bauinvestitionen zum Vorquartal erwartungsgemäß nicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert der erwirtschafteten Leistung, blieb zum Vorquartal unverändert, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im ersten Quartal wurde noch ein Plus von 0,4 Prozent verzeichnet. Im Jahresvergleich wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal um real 0,6 (Vorquartal: revidiert 1,4 von 1,6) Prozent, was die niedrigste Zunahme seit dem ersten Quartal 1997 war. Das Bundesfinanzministerium (BMF) sieht nach eigenen Angaben trotz anhaltender Risiken im Jahresverlauf 2001 Chancen für eine Konjunkturbelebung.

Analysten erleichtert

Analysten hatten mit einem Wachstumsstillstand oder sogar einem Minus im Quartal gerechnet. Den Anstieg des privaten Konsums bewerteten sie positiv und prognostizieren für das vierte Quartal eine Aufwärtsbewegung. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Experten nach wie vor eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent im Schlüsselzins entweder auf der nächsten Ratssitzung am 30. August oder im September.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal stiegen die privaten Konsumausgaben und die Konsumausgaben des Staates real um jeweils 1,2 Prozent, teilte das Amt weiter mit. Dagegen fielen die Bruttoinvestitionen (minus 5,8 Prozent) wegen rückläufiger Bauinvestitionen (minus 5,7 Prozent), eines Abbaus der Vorräte sowie eines nur mäßigen Anstiegs der Ausrüstungsinvestitionen (plus 0,5 Prozent). Im ersten Halbjahr betrug das Wachstum den Angaben zufolge zum Vorjahreszeitraum real 1,0 Prozent.

Finanzministerium leicht besorgt

Die Zahlen über die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts belegen nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums die weiter bestehenden Gefahren für die Konjunktur. Dazu sagte der Sprecher des Ministeriums Jörg Müller, die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes »zeigen ohne Zweifel, dass die Risiken für die Konjunkturentwicklung nicht kleiner geworden sind. Gleichwohl bestehen durchaus Chancen, dass die wirtschaftlichen Auftriebskräfte im weiteren Verlaufe dieses Jahres die Oberhand gewinnen.«

Das Ministerium erwartet, dass die Wirtschaftsentwicklung bei weiter nachlassendem Inflationsdruck wieder allmählich an Fahrt gewinnt. Dazu dürften auch die »massiven Steuerentlastungen« beitragen, die ihre »volle Wirkung auf Wachstum und Beschäftigung gewöhnlich erst mit zeitlicher Verzögerung entfalten«.