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Konjunktur: Exportschwäche stoppt Aufschwung

Schwerer Rückschlag für die deutschen Exporteure: Die Ausfuhren sind im Januar entgegen den Erwartungen so stark eingebrochen wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Wirtschaft dürfte auch deshalb im ersten Quartal schrumpfen. Einen Rückfall in die Rezession befürchten Experten aber nicht.

Die deutschen Exporte sind im Januar um 6,3 Prozent im Vergleich zum Dezember gesunken. Das gab das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt. Einen kräftigeren Rückgang gab es genau ein Jahr zuvor mit einem Minus von 7,2 Prozent. Experten hatten diesmal allerdings ein leichtes Plus erwartet. Sie machten für den Einbruch die schleppende Erholung in Europa verantwortlich, wohin rund zwei Drittel der deutschen Exporte gehen. "Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich insbesondere in Südeuropa, wo die Investitionszurückhaltung negativ auf die Nachfrage nach deutschen Produkten durchschlug", sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner.

Auch der harte Winter dürfte gebremst haben: Schnee und Frost haben europaweit viele Baustellen lahmgelegt. "Stahl und andere Vorprodukte für den Bau wurden deshalb weniger nachgefragt", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke.

Schnee und Frost hemmen Bau

Weil neben dem Export auch Konsum und Bau schwächeln, droht die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn erstmals seit einem Jahr wieder zu schrumpfen. "Das erste Quartal wird sehr schwach werden", sagte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide. "Im Moment sieht es nach einem Minus aus - auch weil Schnee und Frost die Bauproduktion erheblich behindert haben." Der Bau war im Januar mit 14,3 Prozent so stark eingebrochen wie seit 1997 nicht mehr.

Bereits am Jahresende hatte das Bruttoinlandsprodukt stagniert. Ein Rückfall in die Rezession befürchtet Scheide allerdings nicht: "Im Frühjahr kann die Belebung umso stärker ausfallen, wenn die Produktionsausfälle am Bau aufgeholt werden." Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt sagt einen holprigen Konjunkturverlauf voraus: "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es rauf und runter geht." Er rechnet für 2010 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, nachdem die weltweite Wirtschaftskrise im Vorjahr für einen Rekordeinbruch von 5 Prozent gesorgt hatte. Dennoch könne die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten steigen.

Hoffen auf den Frühling

Auch der Export wird sich nach dem schwachen Auftakt wieder fangen und zur Konjunkturlok werden, sind sich Experten einig. "Das ist nur eine kurzfristige Winterflaute", sagte Nitschke. "Besserung ist in Sicht." Die exportabhängige Industrie sammelte im Januar 1,9 Prozent mehr Auslandsaufträge ein. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Februar so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima verbesserte sich in der Industrie ebenfalls - auch weil der schwächere Euro die Exporte stützt. Der BGA sagt für 2010 ein Plus von bis zu zehn Prozent voraus, der DIHK von 8,5 Prozent. "Zugpferde sind China und Brasilien", sagte Nitschke.

Chinas Importe legten im Februar um 44,7 Prozent gemessen am Vorjahresmonat zu. Die Ausfuhren des neuen Exportweltmeisters kletterten sogar um 45,7 Prozent, während Deutschland im Januar nur auf plus 0,2 Prozent im Jahresvergleich kam. Allerdings waren Chinas Ausfuhren vor einem Jahr auf dem Höhepunkt der weltweiten Krise auch besonders stark eingebrochen. Im Vergleich zum Vormonat gab es der Industrial Bank in Shanghai zufolge ein leichtes Minus von 2,2 Prozent. Deutschland wurde 2009 von China als führende Exportnation abgelöst, nachdem die Ausfuhren mit 18,4 Prozent so stark eingebrochen waren wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik. Das vor der Krise erreichte Niveau wird Prognosen zufolge nicht vor 2012 wieder erreicht werden.

Reuters / Reuters