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Konjunktur: Glos erwartet weniger Wachstum

Die Bundesregierung rechnet für 2008 mit weniger Wachstum. Das größte Risiko geht nach Ansicht von Wirtschaftsminister Michael Glos von der US-Immobilienkrise aus. "Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken", sagte er.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat seine Vorhersage für das Wirtschaftswachstum im neuen Jahr auf unter zwei Prozent korrigiert. Für eine genaue Prognose sei es zwar noch zu früh, sagte der CSU-Politiker "Bild"-Zeitung. "In der Tendenz rechne ich aber mit einem Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent im Jahr 2008", sagte er. Bislang war die Regierung von mindestens zwei Prozent ausgegangen.

Die Risiken für die Konjunktur seien größer geworden, sagte Glos. Die Finanzkrise in den USA sei noch nicht überstanden. "Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken", fügte der Minister hinzu. Eine große Gefahr sei, dass die Weltwirtschaft und der Export litten "und sich hierzulande die Kredite für mittelständische Unternehmen verteuern".

Glos verwies darauf, dass die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen mehrfach gesenkt hätten. Dies könne auch die Bundesregierung nicht übersehen. Erfreulich dürften sich seiner Einschätzung zufolge die Arbeitslosenzahlen entwickeln. "Wir erwarten einen Rückgang auf 3,5 Millionen im Jahresdurchschnitt."

Experten etwas optimistischer

Auch nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird sich die Konjunktur im neuen Jahr leicht abschwächen. Das Wachstum werde aber noch "ein bisschen" über zwei Prozent liegen, sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann im ZDF. Insgesamt seien die Risiken in der Welt größer geworden. Die Bankenkrise sei noch immer nicht ausgestanden. Zimmermann rechnet aber nicht damit, dass die Inflationsrate weiter ansteigen wird. Vergangenes Jahr habe durch einmalige Effekte wie die Mehrwertsteuererhöhung, die Verteuerung von Lebensmitteln und Energie sowie die generelle weltwirtschaftliche Nachfrage eine besondere Situation vorgelegen. "Das Ganze wird aber in diesem Jahr sich nicht weiter fortsetzen", sagte der DIW-Chef.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet 2008 ebenfalls eine leichte Abschwächung des Wachstums. Ein Plus von zwei Prozent und 300.000 zusätzliche Arbeitsplätze seien aber möglich, sagte Präsident Ludwig Georg Braun der "Berliner Zeitung".

Glos mahnte mit Blick auf die bevorstehenden Tarifverhandlungen, die Kaufkraft der Bürger müsse gestärkt werden. Es sei Aufgabe der Tarifpartner, dass die gute Gewinnentwicklung sich auch bei den Arbeitnehmern niederschlage.

Reuters / Reuters