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Berlin vertraulich!: Glos' Zorn auf Edmund Stoiber

Parteifreunde werden mitunter Feinde fürs Leben. Eine kleine Einführung in die Geschichte von Glos und Stoiber, Koppelin und van Essen - und wie das so ist, mit Herrn Dobrindt Aufzug zu fahren.

Von Hans Peter Schütz

Parteifreunde, Teil 1: Bundesminister, die ihr Amt verloren haben, tun sich in aller Regel nicht leicht damit, ohne Dienstwagen und Bodyguards durchs politische Berlin zu eilen. Gut ein Jahr benötigte etwa Otto Schily, ehe er als Ex-Innenminister zu sich selbst und zurück ins Privatleben fand. Inzwischen pendelt er wieder frohen Gemüts zwischen seiner Landvilla in der Toskana und Berlin hin und her.

Nur Michael Glos, von November 2005 bis Februar 2009 CSU-Wirtschaftsminister, fand von einem Tag zum nächsten fröhlich ins normale Berliner Politik-Leben zurück. Dass er sich vom machtvollen Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe zum relativ machtlosen Bundeswirtschaftsminister befördern ließ, das sei ein Fehler gewesen, sagt er heute frank und frei. Nur eines darf man nicht, wenn man seine gute Laune nicht stören mag: Ihn nach seiner Beziehung zum früheren CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber fragen. Dann verdunkelt sich sein Gesicht vor Zorn. Denn Glos bekommt, Stoiber zum Undank, keine Pension als Bundesminister, weil der durchgesetzt hat, dass die nur kassieren darf, wer volle vier Jahre Minister war. Dazu fehlten Glos sieben Monate. Davor hatten schon zwei Jahre Amtszeit für rund 2000 Euro Ministerpension genügt. Glos' bissiger Kommentar: "Man braucht in der CSU eben einfach einflussreiche Parteifreunde zu seinem Glück." Darben muss Glos natürlich trotzdem nicht: Er hat ja noch seine Abgeordnetenpension.

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Parteifreunde, Teil 2: Immer wieder eine fröhlich sprudelnde Quelle bissiger Bemerkungen ist eine von der FDP-Bundestagsfraktion - auf Kosten der Steuerzahler - herausgegebene Broschüre, in der ihre 93 Abgeordneten illustrativ farbig vorgestellt werden und in einigen Fällen auch die Frage beantworten, wen sie als ihren "treuesten Begleiter" betrachten.

Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Ernst Burgbacher: meine "little Lady". Nein, nicht seine Frau, sondern seine kleine Mundharmonika. Die FDP-Abgeordnete Miriam Gruß sagt: "Mein Handy natürlich!" Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Jürgen Koppelin überrascht, er nennt den Namen Jörg van Essen, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion. Die Wahrheit ist: Koppelin und van Essen können sich, obwohl Parteifreunde, nicht riechen. Deshalb antwortet von Essen auf die gleiche Frage: "Wäre ein Hund." Leider habe er keine Zeit, sich ausreichend um ihn zu kümmern. Weil er ständig auf den notorischen Quertreiber Koppelin aufpassen muss?

Der machte auch bei der Fertigung der Abgeordneten-Broschüre mächtig Ärger. Denn Koppelin bestand sehr energisch darauf, dass er darin unbedingt als Doktor honoris causa genannt werden müsse. Der Titel ist ihm von einer Universität im vietnamesischen Hanoi verliehen worden. Genaueres wisse man nicht, spötteln seine Parteifreunde, aber der Doktorhut könne teuer gewesen sein - für die Bundesrepublik. Wir tragen es nach: Koppelin wurde mit dem Doktorhut im Februar 2009 geschmückt. Für die Förderung der wirtschaftlichen Kontakte zwischen Deutschland und Vietnam "im Allgemeinen", wie bei der Zeremonie gesagt wurde. Später erfuhr man, dass er die Finanzierung der "U-Bahn in Ho Chi Minh City", früher Saigon genannt, politisch befördert hat.

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Ex-Parteifreunde: Rainer Ortleb, zwischen 1990 und 1994 FDP-Bundesminister, erst für besondere Aufgaben, dann für Bildung und Wissenschaft und 2001 zornig aus der Partei ausgetreten, erzählt gerne eine Geschichte, in dem der schwierige Umgang zwischen Ex-Parteifreunden geschildert wird. Dieses Jahr kaufte er für eine Nachbarin ein Hochzeitsgeschenk, eine Eier-Guillotine. Die Verkäuferin will wissen, welche Farbe das Einpackpapier haben solle. Er antwortet: Passend zum Gerät, bitte Gelb. Welche Farbe solle das Band haben? Ortleb: blau. Darauf die Verkäuferin, die ihn nur vom Sehen kennt: Sie sind doch nicht etwa für Westerwelle? "Nein", antwortet Ortleb, "mit dem war ich im Kindergarten. Das reicht fürs Leben."

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Koalitionsfreunde: Unlängst stand zu lesen, CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt habe im Fahrstuhl des Reichstags bei einer Fahrt mit FDP-Bundestagsabgeordneten abwertende Scherze getrieben. Die liberalen Kollegen wollten nach oben, der Fahrstuhl fuhr jedoch nach unten. Da soll Dobrindt angeblich gespottet haben: "Mit der FDP geht es eben nur noch nach unten." Beim Blick auf die Umfragen hat er zwar Recht. Aber auf Nachfrage von stern.de übte er brav Koalitionstreue mit Blick auf die Liberalen. "Wenn wir als CSU dabei sind, kann es doch nur aufwärts gehen."