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Konjunktur: Ökonomen verbreiten Zuversicht

Die Kater-Stimmung ist passé: Nach überraschend positiven Meldungen aus der deutschen Wirtschaft heben Experten ihre Wachstumsprognosen deutlich an. Auf dem Arbeitsmarkt steht das dicke Ende noch bevor.

Die Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft stimmen Ökonomen immer zuversichtlicher. Als gigantisch bezeichnete der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, den siebenprozentigen Exportzuwachs im Juni. "Betroffen sind auch die Branchen, die traditionell am Anfang eines Aufschwungs stehen wie die Investitionsgüterindustrie", sagte er den "Ruhr Nachrichten".

Hüther erklärte, der Tiefpunkt der Rezession habe im Januar und Februar gelegen. "Möglicherweise hat es schon im zweiten Quartal eine Überraschung gegeben und das Bruttoinlandsprodukt ist nicht mehr geschrumpft", sagte er. Die Auswirkungen der positiven Entwicklung auf den Arbeitsmarkt erwartet Hüther allerdings erst mit Verzögerung: "Das dicke Ende einer Rezession kommt immer am Arbeitsmarkt. Wir werden ansteigende Arbeitslosenzahlen sehen." Für das Jahr 2010 gehe das IW von einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 4,3 Millionen aus.

"Deutschland wird gut dabei sein"

Auch die Chefvolkswirte mehrerer großer Banken hoben ihre Wachstumsprognosen für das Jahr 2010 deutlich an: "Die weltweite Industrieproduktion kommt in Fahrt, und Deutschland wird gut dabei sein", sagte der Europa-Chefökonom von Merrill Lynch, Holger Schmieding. Er erwartet, dass sich die positive Entwicklung auch im kommenden Jahr fortsetzen wird: Seine Wachstumsprognose für 2010 hob er von 1,2 auf 2,0 Prozent an.

UniCredit-Ökonom Andreas Rees revidierte seine Wachstumserwartung für 2010 noch deutlicher nach oben, und zwar um 1,1 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. "Ein Teil des Wachstums, das wir kriegen, beruht auf Einmaleffekten, aber die Wirkung der Fiskalprogramme könnten länger tragen als gedacht", sagte er.

Bofinger sieht "eher eine Stagnation"

In der deutschen Bankenbranche stehen wahrscheinlich ebenfalls keine schweren Rückschläge mehr an. Für Deutschland sei "die Zeit der großen Überraschungen vorüber", sagte Verbandspräsident Lutz Raettig der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Lediglich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger will in die allgemeine Euphorie nicht recht einstimmen. "Für mich ist noch längst nicht ausgemacht, dass wir in naher Zukunft einen weltweiten Aufschwung erleben werden. Ich gehe für das zweite Halbjahr in Deutschland eher von einer Stagnation aus", sagte Bofinger dem "Münchner Merkur". In Deutschland sei der Abwärtstrend aber zumindest vorerst gestoppt. "Das ist zwar erfreulich, wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass der Auftragseingang noch immer etwa 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt. Dass wir uns jetzt über einen Anstieg der Zahlen freuen, zeigt, wie bescheiden wir geworden sind", so Bofinger.

AP/Reuters / AP / Reuters