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KONJUNKTUR: Sparzwang beim Firmen-Weihnachtsmann

Die Kostenbremse der Unternehmen trifft besonders die traditionellen Geschenke für Kunden und Geschäftsfreunde - und damit die gesamte Werbebranche.

Weihnachten 2001 sind viele Unternehmen auf Sparkurs. Und die Kostenbremse macht auch vor den traditionellen Präsenten für Kunden und Geschäftsfreunde nicht Halt. Besonders betroffen ist davon die Werbeartikelbranche. »Das Weihnachtsgeschäft verläuft sehr unerfreulich, wir spüren die Konjunkturflaute überdeutlich«, sagt Martin Leipold vom Gesamtverband der Deutschen-Werbeartikelwirtschaft (GWW) in Neuss. »Kleine Geschenke erhalten zwar die Freundschaft, aber viele Firmen hoffen, dass es auch ohne geht.«

Fataler Sparkurs

Für die Branche, die bundesweit rund 4.000 Unternehmen zählt, ist der Sparkurs zum Fest fatal, immerhin macht das Weihnachtsgeschäft bei vielen bis zu 50 Prozent des Umsatzes aus. Nur mit Glück wird man 2001 also den Vorjahresumsatz von 6,2 Milliarden Mark (rund 3,1 Milliarden Euro) halten können, sagt Leipold. Schon im Sommer liefen die Geschäfte schleppend, aber seit den Ereignissen des 11. September geht es steil bergab. Zudem verzichten nicht nur US-Unternehmen ganz auf Präsente und spenden lieber.

Ende der Großzügigkeit

»Das Geschäft ist sehr schwierig«, klagt August Beyer, Marketingvorstand der Hach AG, dem größten deutschen Werbeartikelversender. »Die Unternehmen drehen die Mark inzwischen drei Mal um.« Das gelte auch für Firmen, die sich in den vergangenen Jahren besonders großzügig gezeigt hatten.

75 Mark pro Geschenk

»Bei denen, die dennoch schenken, steht Exklusives hoch im Kurs«, sagt Leipold. Das Motto »Fällt mir nichts ein, verschenk ich Wein«, gilt längst nicht mehr. Edle Schreibgeräte sind ebenso begehrt wie Terminplaner, hochwertige Textilien mit dezentem Logo und Elektronik. Der 149 Mark teure Sprach-Lügendetektor von Hach, mit dem man laut Weihnachtskatalog »Geschäftspartnern und Kollegen auf den Zahn fühlen« soll, dürfte als Geschenk jedoch die Ausnahme bleiben. Mehr als 75 Mark pro Präsent können die Unternehmen nämlich steuerlich nicht absetzen.

Reicht ein Kugelschreiber?

Und so werden die größten Umsätze weiterhin mit billigen Streuartikeln gemacht. Rund 60 Prozent der Firmen wollen mit Kugelschreibern die Freundschaft erhalten, jedes dritte Unternehmen versucht es mit Lederwaren oder Lebensmitteln. Einen echten Boom erleben Euro-Produkte. »Viele haben ihn lange ignoriert und legen jetzt nach«, sagt Beyer. Vom Schokoladen-Cent bis zum Euro-Rechner mit integrierten Einkaufswagen-Chip ist plötzlich alles rund um die Einheitswährung gefragt.

Hoffnung auf Zugaben und Rabattsysteme

Für das nächste Jahr hofft die Branche, dass sich endlich der Wegfall der so genannten Zugabenverordnung bemerkbar macht, die im Sommer abgeschafft wurde. »Die bietet den Firmen enorme Möglichkeiten, die bislang aber erst spärlich genutzt werden«, sagt Leipold. Das Spektrum reicht von der Mini-Bonbontüte in der Tageszeitung bis zum kostenlosen Koffer-Set zum neuen Auto. Auch Bonus- und Rabatt-Systeme, wie sie beispielsweise die großen Mineralölkonzerne praktizieren, sollen breiter eingesetzt werden. So plant Hach bereits Komplettlösungen für kleine Einzelhändler. »Friseurbesuche oder Einkäufe beim Metzger könnten künftig durch eine Kaffeemaschine oder ein verbilligtes Fahrrad belohnt werden«, sagt Beyer.

Manfred Rolfsmeier