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Transfermarkt: Spieler als Goldesel

Dass Bundesligavereine gewinnorientierte Unternehmen sind, wird bei einem Blick auf die wachsenden Transferumsätze deutlich. Spieler wie Alexander Hleb, Martin Petrow und Ailton waren ihren Vereinen lieb, aber vor allem teuer.

Erstmals seit Jahren sind die Umsätze an der Transferbörse wieder gestiegen. Trotz aller Sparzwänge bewiesen die Vereine der Fußball-Bundesliga vor der 43. Spielzeit wieder mehr Mut zu Investitionen. Bis zehn Tage vor dem Start der Saison 2005/2006 gaben die 18 Elite-Clubs insgesamt 71,13 Millionen Euro für 136 neue Spieler aus. Dem stehen Gesamt-Einnahmen von 75,54 Millionen Euro für 156 abgegebene Akteure gegenüber: Unter dem Strich ergibt sich damit eine positive Transferbilanz mit einem Ertrag von 4,41 Millionen Euro.

Der bereits im Vorjahr eingeleitete Trend mit wieder steigenden Ausgaben für Neuzugänge hat sich fortgesetzt. Nachdem vielen Clubs durch die Kirch-Krise und TV-Mindereinnahmen der Geldhahn zugedreht worden war, waren die Investitionen vom Rekordjahr 2001/2002 (150 Millionen Euro) bis zur Saison 2003/2004 (32,5 Millionen Euro) völlig eingebrochen. Es gab kaum Umsätze an der Wechselbörse. Nun haben die Bundesligisten erstmals seit Jahren nicht nur mehr ausgegeben, sondern auch hohe Einnahmen durch Spielerverkäufe erzielt. Das meiste Geld wurde sogleich reinvestiert. 2003 waren lediglich 8,1 Millionen Euro in die Kassen geflossen, diesmal sind die Einnahmen fast zehn Mal so hoch.

Rekordverkäufe von Hleb und Kuranyi

Von den 136 neu verpflichteten Spielern waren "nur" noch rund zwei Drittel ablösefrei. Den teuersten Spieler in diesem Sommer leistete sich wieder einmal der FC Bayern München, der für Valérien Ismael 8,0 Millionen Euro an den SV Werder Bremen überwies. Für angeblich dieselbe Summe sicherte sich der VfB Stuttgart die Dienste des dänischen Nationalstürmers Jon Dahl Tomasson. Damit reinvestierten die Schwaben bisher aber nur einen Teil der durch die Rekordverkäufe von Alexander Hleb (für 15,0 Mio. zu Arsenal London) und Kevin Kuranyi (für 7,0 Mio. zu Schalke 04) erzielten Einnahmen.

Der VfB weist (8,5 Mio. Euro Ausgaben/23,5 Mio. Euro Einnahmen) ein Plus von 15,0 Millionen Euro aus. Das ist die mit Abstand beste Transferbilanz aller Elite-Clubs. Dem VfL Wolfsburg brachte der Verkauf von Martin Petrow (Atletico Madrid) 10 Millionen Euro und die zweitbeste Bilanz, aber auch sportlichen Substanzverlust. Immerhin ein Drittel aller Clubs hat mehr Geld eingenommen als ausgegeben.

Weniger Spieler, mehr Qualität

Der Trend, die aufgeblähten Kader zu verkleinern und mehr auf Qualität zu setzen, hielt an. Nur der 1. FC Nürnberg (7 Zugänge/6 Abgänge) sowie die Aufsteiger MSV Duisburg (10/9) und Eintracht Frankfurt (11/6) holten mehr Spieler als sie abgaben. Die Hessen haben durch die für den angestrebten Klassenverbleib notwendigen Investitionen auch die negativste Transferbilanz (- 4,0 Millionen Euro) neben Hannover 96 (- 3,95) und Werder Bremen (-3,60).

Die Bremer holten in Torsten Frings (6,0), Patrick Owomoyela (2,0), Leon Andreasen (1,8) und dem bisher ausgeliehenen Mohamed Zidan (3,0) gleich vier ablösepflichtige Kräfte. Vizemeister Schalke 04 ließ sich Kuranyi zwar 7,0 Millionen Euro kosten, verpflichtete Stars wie Fabian Ernst und Zlatan Bajramovic aber ablösefrei. Im Gegenzug spülten Ailton (Istanbul), Mike Hanke (Wolfsburg), Sven Vermant (Brügge) und Michael Delura (nach Hannover ausgeliehen) etwa 6,5 Millionen in die Knappen-Kasse.

Der 1. FC Kaiserslautern hat hingegen sechs seiner sieben neuen Spieler zum Nulltarif geholt. Nur für den 22 Jahre alten Stürmer Boubacar Sanogo von der Elfenbeinküste war eine unbekannte Ablösesumme fällig. Keinerlei Einnahmen durch Spielerverkäufe verbuchten Hertha BSC, Duisburg und Frankfurt.

Ulli Brünger und Morten Ritter/DPA / DPA

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