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Michael Schumacher und Mercedes: Goldesel im Schaufenster

Fit und bereit für "seine" Formel 1 präsentierte sich Michael Schumacher bei der Vorstellung im Mercedes-Museum. Es wurde schnell klar: Die Geldmaschine rund um Schumi läuft längst heiß.

Von Jens Fischer, Stuttgart

Für ihn ist es ein Wochenstart nach Maß. Mercedes-Sportchef Norbert Haug genießt mit einem breiten Grinsen seinen großen Tag und gibt Auskunft über seine momentane Gefühlswelt. Mercedes ab sofort mit dem "verlorenen Sohn" Michael Schumacher im Cockpit, "wie Weihnachten" sei das für ihn, radebrecht er in seinem urtypisch schwäbischen Englisch.

Kurz zuvor hatte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche noch einmal versucht, die Dimension des Schumi-Megadeals herauszustreichen. "Weltmeister" wolle man werden, aber noch viel wichtiger sei die hintergründige Wirkung, die die "deutsche Nationalmannschaft der Formel 1" ausstrahle. "Wir betreiben Image- und Markenpflege, Schumacher gibt einen Schub für das ganze Unternehmen", meinte Zetsche und ließ glücklich den Schnurrbart wackeln. Dabei nähme der Formel-1-Etat nur einen "Bruchteil" des gesamten Unternehmens Daimler ein. Wobei man an diesem Montagmittag schnell beim Kern des Ganzen angelangt war: Es geht ums Geld. Sieben Millionen Euro verdient Schumacher im Jahr, das Budget für das Team Mercedes Grand Prix Petronas soll bei rund 50 Millionen Euro im Jahr liegen, wird kolporiert.

Proteste von der Basis

Nur wenige Meter abseits des standesgemäß herausgeputzten Mercedes-Benz-Museums wäre es nur zu verständlich, wenn angesichts solcher Zahlen in diesem Moment eine etwas andere Stimmung herrschte. In den vielen Mercedes-Fabrikhallen sind in Zeiten von Kurzarbeit und Lohnverzicht nicht alle Arbeiter begeistert von dem teuren Formel-1-Engagement ihres Arbeitgebers. Noch vor kurzem sprach der Daimler-Betriebsrat über die "schwer vermittelbare" Verpflichtung Schumachers. Das durfte aber heute, an diesem großen Tag in der Geschichte des Mercedes-Motorsports, keine Rolle spielen.

Zu groß ist die silberne Euphorie rund um die rasende Seifenoper mit dem Protagonisten Schumacher. Die personifizierte Geldmaschine ist längst schon angelaufen, und Haug hatte in den letzten Wochen wirklich alles getan, um die finanzielle Brisanz aus dem Schumacher-Geschäft zu nehmen. Er sprach von "medialen Gegenwerten", von unzähligen "TV-Kontakten" und von der "Einmaligkeit in der Geschichte des Sports". Dabei muss die Marke Schumacher als doppelter Retter für gleich zwei Unternehmen fungieren: für Mercedes, aber auch für die gesamte Formel 1.

Ecclestone jubelt auf

Der "große Zampano" Bernie Ecclestone braucht nach dem Ausstieg von BMW, Honda und Toyota sowie nach diversen Image schädigenden Skandalen dringend ein neues Zugpferd für seinen PS-Zirkus, da kommt die Rückkehr Schumachers dem umtriebigen Briten gerade recht. Denn eine bessere Publicity gibt es nicht für den kriselnden Motorwahnsinn.

Schumacher selbst wird es ums Geld nicht mehr gehen. "Diese Saison ist wie ein Neustart für mich", sagte er in Stuttgart und wirkte happy dabei. Zweifel an dem wahren Leistungsvermögen des mittlerweile 41-Jährigen aber bleiben - und werden von seinen künftigen Jägern süffisant geschürt. "Schumacher wird Überraschungen erleben, die Formel 1 ist anders als vor drei Jahren", warnte beispielsweise der neue McLaren-Pilot und aktuelle Weltmeister Jenson Button. Und dass die nach seinem Weggang erzürnten "Ferraristi" ihren einstigen Helden hetzen werden, steht ebenso außer jeder Frage.

Ist Schumacher wirklich fit?

Nun gilt es abzuwarten, wie der im vergangenen Jahr noch an einer Schädelfraktur (!) leidende Schumacher auf die ersten Testfahrten Anfang Februar in Valencia reagiert. Spielt sein Körper wirklich mit? Hält er den Belastungen stand? Hinzu kommt, dass der in Stuttgart extrem selbstbewusst auftretende Teamkollege Nico Rosberg keinen Bückling vor Schumacher machen wird. Da warten heiße Duelle, auch intern im Mercedes-Team. Schwer vorstellbar, was passieren wird, wenn der siebenmalige Champion zu Saisonstart nur den Auspuff Rosbergs sieht.

Am Ende der Stuttgarter Veranstaltung ließ Schumacher allerdings eindrucksvoll erkennen, wie ausgeprägt sein Kampfeswille noch ist. Angesprochen auf seine Karrierefehler und die Art, wie er so manches Rennen gewonnen hat, verlor er kurz die Contenance: "Sie sollten ihre Fragen sensibler stellen", herrschte er den Fragesteller an. Spätestens jetzt wusste jeder: Dieser Mann braucht keine Ruhe mehr. Er sucht den Zweikampf - auf und neben der Strecke.

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