Koreas Autobauer Europa im Visier


Sie heißen Getz, Tucson und Sonata. Oder auch Picanto, Rio und Sorento. Die koreanischen Automodelle mögen noch nicht jedem geläufig sein, doch die europäischen Märkte haben sie bereits im Sturm erobert.

In Deutschland verfügen die koreanischen Autobauer Hyundai und Kia inzwischen zusammen über einen Marktanteil von immerhin drei Prozent. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum: In der Rhein-Main-Region bauen die Unternehmen, die beide zum Hyundai-Konzern gehören, gerade neue Europa-Zentralen. Hyundai will als offizieller Sponsor der Fußball-WM seine Bekanntheit hier zu Lande kräftig steigern. Doch während andere Autokonzerne ihr Heil in Synergien suchen, gehen Hyundai und Kia völlig getrennte Wege - bisher mit Erfolg.

Rund um Frankfurt, der Hochburg der Koreaner in Europa, fühlen sich die asiatischen Autobauer wohl. Eine gemeinsame Europa-Zentrale wird es jedoch nicht geben: Hyundai zieht pünktlich zur WM-Eröffnung aus der Opel-Stadt Rüsselsheim nach Offenbach; Kia residiert künftig mitten in Frankfurt. In Rüsselsheim arbeiten beide auch in Zukunft in der Entwicklung zusammen - danach hört die Kooperation jedoch auf. Während Kia demnächst in der Slowakei einen eigenen Produktionsstandort in Europa eröffnet, hat sich Hyundai für das benachbarte Tschechien entschieden. Selbst die Händler dürfen nur eine der beiden Marken führen.

Autos für unterschiedliche Einsatzzwecke und Geldbeutel

"Wir sind zwei unterschiedliche Unternehmen, die im Wettbewerb miteinander stehen", erklärt Jean-Charles Lievens, Vize-Präsident von Kia Motors in Europa. Während Kia eher die jüngeren, sportlichen Käufer anspricht, setzt Hyundai auf eine etwas etabliertere, anspruchsvolle Zielgruppe. Dennoch wollen sich beide nicht auf ein bestimmtes Segment konzentrieren, sondern Autos für unterschiedliche Einsatzzwecke und Geldbeutel anbieten. Gerade bei den Geländewagen machen Hyundai und Kia der einheimischen Konkurrenz in Europa ganz schön zu schaffen.

Europa und Deutschland spielen in der Strategie der Koreaner eine außerordentlich wichtige Rolle. "Wir wollen noch europäischer werden", sagt Gerry Dorizas, Vize-Präsident von Hyundai Motor Europe. Dem deutschen Markt kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: "Hier werden die Trends früher gesetzt, und das Qualitätsbewusstsein ist noch ausgeprägter als anderswo." Das neue europäische Werk soll Hyundais Schwäche in der Mittelklasse ausbügeln. Mit Kombi-Versionen und anderen Modellvarianten will man den europäischen Geschmack treffen. Der jährliche Absatz soll 2006 europaweit von 360.000 auf 400.000 Fahrzeuge klettern und dann bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppelt werden. In Deutschland legte Hyundai in diesem Jahr bei den Zulassungen bis einschließlich November um fast zwölf Prozent zu.

"Unsere Modelle sind auf die europäischen Bedürfnisse ausgerichtet"

Bei Kia betrug der Zuwachs in den ersten elf Monaten sogar 59 Prozent - das größte Plus in Deutschland überhaupt bei den wichtigeren Herstellern. Europaweit liegt das Wachstum zum dritten Mal in Folge in der gleichen Größenordnung. Der Kontinent ist inzwischen der wichtigste Markt für Kia, rund 330.000 Autos sollen in diesem Jahr verkauft werden. "Unsere Modelle sind auf die europäischen Bedürfnisse ausgerichtet", findet Manager Lievens: In allen Klassen sei man vertreten und biete auch Diesel-Varianten an. Das Ziel seien 500.000 verkaufte Fahrzeuge im Jahr bis 2010.

Gefährlich werden könnte den Koreanern eigentlich nur noch die Konkurrenz aus China. Doch bis die in Europa wirklich Fuß fasst, wollen Hyundai und Kia schon so etabliert sein wie das große Vorbild Toyota heute.

Alexander Missal/DPA


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