HOME

Krisenbank: HRE braucht noch mehr Milliarden

Seinem Spottnamen "Fass ohne Boden" wird der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate zunehmend gerecht. Nach einem Medienbericht benötigt die schon üppig mit Staatshilfen ausgestattete Bank weitere 20 Milliarden Euro. Dies könnte ein weiteres starkes Argument für eine Enteignung sein.

Die Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) braucht möglicherweise noch mehr staatliche Hilfen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, sollen in den kommenden Wochen weitere Garantien von bis zu 20 Milliarden Euro nötig sein. Ein Sprecher der Hypo Real Estate sagte dazu lediglich, man wolle Marktspekulationen nicht kommentieren. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte: "Es ist nicht an uns, so etwas zu beziffern."

Bisher musste die Hypo Real Estate mit staatlichen Garantien und Kapitalhilfen von 102 Milliarden Euro am Leben erhalten werden, 87 Milliarden Euro davon sind staatliche Garantien. Weil die Bank spätestens am 31. März ihren Jahresabschluss vorlegen müsse, werde in der Branche spekuliert, dass die HRE dann die Mindestquoten für das Eigenkapital aus eigener Kraft nicht mehr erfüllen könne und weitere Milliarden erforderlich seien, schreibt die "F.A.Z.".

Steinbrück: Zweiter Fall Lehman droht

Eine Verstaatlichung der wankenden Bank wird somit immer wahrscheinlicher. Ohne diesen Schritt könnte die HRE laut Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ein "zweiter Fall Lehman Brothers" werden. "Die Bank hat eine Bilanzsumme von ungefähr 400 Milliarden Euro. Die Größenordnung allein zeigt bereits, wie wichtig sie für den internationalen Finanzmarkt ist", sagte Steinbrück der «Passauer Neuen Presse». Er fügte hinzu: "Wir garantieren derzeit eine Riesensumme, besitzen aber nicht eine Aktie. Wenn der Bund Eigner ist, verbessern sich die Refinanzierungsmöglichkeiten der Bank und die Eigenkapitalanforderungen deutlich." Die Hypo Real Estate profitiere dann von der hohen Kreditwürdigkeit des Bundes.

Wie lange die HRE im Fall einer Verstaatlichung im Eigentum des Bundes bleiben könnte, sagte Steinbrück nicht. "Ich lege mich nicht fest, wann der Wiederverkauf sein wird. Ich weiß es schlicht nicht. Wenn die Bank wieder so aufgestellt ist, dass es Interessenten für die Bundesanteile gibt, wird man über Preise reden", so Steinbrück.

"Wir stolpern da nicht hinein"

Der Minister verteidigte das vom Kabinett beschlossene Enteignungsgesetz: "Wir stolpern da nicht einfach hinein", sagte er. Die Bedingungen für eine Enteignung in letzter Konsequenz seien klar definiert, auch die Entschädigung der Aktionäre. Das Gesetz "ist kein Sündenfall". Es gehe schlicht um ein Instrument, mit dem eine Bank von erheblicher Bedeutung stabilisiert werden solle. Die Kritik der FDP, das Enteignungsgesetz sei ein Marsch in den Sozialismus, wollte Steinbrück nicht gelten lassen: "Die Amerikaner, auch die Briten enteignen oder kaufen Banken staatlich auf. Die FDP kann sich ja dort erkundigen, warum so etwas nötig sein kann", sagte er.

AP/DPA / AP / DPA