Lebensmittel Parmesan-Plagiate schädigen Italiens Wirtschaft


Der «König der Käse» steht wegen seiner sprichwörtlichen Einzigartigkeit immer wieder im Mittelpunkt aufwendiger Gerichtsverfahren und angeregter Diskussionen.

«Käse ist der Sprung der Milch in Richtung Unsterblichkeit», hat der amerikanische Schriftsteller Clifton Fadiman einmal gesagt. Für kaum eine Käsesorte trifft dieser Satz so zu, wie für den italienischen Parmigiano Reggiano. Nicht umsonst wird das Produkt häufig auch als «König der Käse» bezeichnet - und steht wegen seiner sprichwörtlichen Einzigartigkeit immer wieder im Mittelpunkt aufwendiger Gerichtsverfahren und angeregter Diskussionen.

Im Juni 2002

entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg, dass ein Käse mit der Aufschrift Parmesan EU-weit unbedingt auch Parmigiano Reggiano enthalten muss. «Falscher» Parmesan in Pulverform, der verschiedene Käsesorten enthält, ist demnach ein Plagiat, das innerhalb der Union nicht unter diesem Namen vertrieben werden darf. Jetzt klagt die Verbraucherschutzorganisation Coldiretti, dass diesem Grundsatz außerhalb Europas jedoch kaum gefolgt wird.

Der Parmigiano

Reggiano ist einer der härtesten Käsearten der Welt und ist nach der Stadt Parma in der Emilia Romagna benannt. Im 13. Jahrhundert wurde der Name erstmals urkundlich erwähnt, seit 1996 ist er laut EU-Verordnung als Ursprungsbezeichnung geschützt. «Für uns Italiener ist der Parmigiano so wichtig, wie für die Briten der Tee», erklärte ein 35-jähriger Römer. Der Hartkäse gilt von Padua bis Palermo als Grundnahrungsmittel, das genauso wichtig ist, wie Pasta, Pizza und Olivenöl.

Allein in Italien verzeichnet das Geschäft mit dem Parmigiano Reggiano alljährlich einen Umsatz von rund 870 Millionen Euro. Etwa 270 000 Kühe produzieren die Milch für die Käse-Spezialität. Streng nach dem traditionellen Produktionsverfahren dürfen diese Kühe ausschließlich mit Gras und einer bestimmten Klee-Sorte (Luzerne) gefüttert werden. Für ein Kilogramm Parmigiano werden stolze 16 Liter Milch verarbeitet. Insgesamt werden pro Jahr in fast 600 landesweiten Betrieben über 2,5 Millionen «geschützte» Käselaiber gefertigt, die durchschnittlich 38 Kilo wiegen.

Nach dem

Luxemburger Urteil, das zumindest in Europa endlich Klarheit im jahrelangen Streit um Parmesan-Plagiate brachte, beschwert sich jetzt die Coldiretti über die Handhabung in außereuropäischen Staaten. Das Geschäft mit den Käse-Mischungen, die so phantasievolle Namen wie «Parmesao» (Brasilien) oder «Regianito» (Argentinien) tragen, boomt heute vor allem über das Internet. Der Vertrieb von angeblich echtem Parmigiano Reggiano, der bei näherer Betrachtung jedoch in den USA oder in Australien produziert wurde, verursacht dem italienischen Export Schäden in Millionenhöhe, kritisiert die Coldiretti.

Statt «königlichem Endprodukt» aus Parma eine stinkende Käsemischung aus Wisconsin - und das alles unter dem Namen Parmesan? Da hört der Spaß nicht nur für Verbraucherschützer, sondern auch für die italienischen Käsereien auf. «Dieses trockene Käsemehl aus dem Tütchen kann man ja nun wirklich nicht mit dem echten Parmesan gleichsetzen», meint auch eine Bonnerin, die seit sechs Jahren in Italien lebt. Als sie in Rom das erste Mal original Parmigiano Reggiano probiert habe, sei dies für sie «eine Geschmacksoffenbarung» gewesen.

Und während

der Käse, der teilweise bis zu drei Jahre reift und dabei kontinuierlich mit Salzwasser eingerieben wird, in Italien gleichermaßen zur Pasta oder pur mit einem Gläschen Chianti verzehrt wird, haben Amerikaner da ganz andere Rezepte parat. Im Internet werben sie für «Lemon-Parmesan-Crackers» oder einen «Scharfen Knoblauch-Parmesan-Dip». Italienische Kommentatoren meinen, für so einen Käse sei der Weg zur Unsterblichkeit aber noch ziemlich weit.

Carola Frentzen DPA

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