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Lokführer-Streik: Steht die Bahn, wird es teuer

27 Millionen Euro kostet die Bahn ein Streiktag. Doch neben dem Unternehmen und den Reisenden gibt es noch einen Verlierer: die deutsche Volkswirtschaft. Experten des Instituts für Wirtschaftsforschund haben jetzt ausgerechnet, wie groß das Finanzloch wäre.

Bahnchef Hartmut Mehdorn versucht mit einer Mischung aus Gesprächsbereitschaft und Härte gegenüber der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL den in der Urlaubszeit drohenden Streik abzuwenden. Auch Kanzlerin Angela Merkel appellierte in der "Passauer Neuen Presse" an Lokomotivführer und Zugbegleiter: "Jetzt in der Ferienzeit wäre es natürlich wünschenswert, dass die Menschen ihren Urlaubsort auch mit der Bahn möglichst unbeschwert und gut erreichen können." Ein Streik der Lokführer könnte nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Schäden für die Volkswirtschaft von einer halben Milliarde Euro am Tag verursachen. Auch die Wirtschaftsverbände DIHK und BDI warnten vor Riesen-Schäden für die Wirtschaft.

Unabhängige Experten sollen Bedarf prüfen

Auch Mehdorn erklärte, Millionen von Bahn-Kunden, die sich auf den Urlaub freuten, dürften nicht unter den "Machtspielen einer kleinen Gewerkschaft" leiden. "Im Interesse unserer Kunden wird die DB nicht müde, weiter die Hand auszustrecken", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Er werde aber nicht zulassen, dass wenige Gewerkschaftsfunktionäre die Sanierungsleistung von 230.000 Bahnmitarbeitern kaputt machten. Die Bahn sei bereit, die finanzielle Lage der Lokomotivführer von einem unabhängigen Experten bewerteten zu lassen. Sehe der Änderungsbedarf, sei man zu Korrekturen bereit.

Die Kritik des Bahn-Vorstands an den GDL-Forderungen nach Lohnerhöhungen von bis zu 31 Prozent wies GDL-Chef Manfred Schell zurück. "Wenn man uns dies als überzogen vorwirft, was sind denn dann die 62 Prozent, um die die Vorstandsbezüge bei der Bahn von 2005 auf 2006 gestiegen sind", sagte er dem Magazin "Focus". Unter Berufung auf GDL-Berechnungen berichtete die Zeitschrift, die Erhöhung um 31 Prozent für die 32.000 Lokführer und Zugbegleiter würde 197 Millionen Euro kosten. Die GDL plant ab August unbefristete Streiks.

"Die Kosten eines Streiks sind immens"

"Die fälligen Transaktionskosten für Bahnreisende, zum Beispiel durch den Umstieg auf andere Beförderungsmittel bis hin zu den Arbeitsausfällen in anderen Bereichen, können sich auf mindestens 500 Millionen Euro pro Tag summieren", beschrieb die DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert in der "Saarbrücker Zeitung" die Folgen eines bundesweiten Streiks. Auch für die Bahn hätte ein Streik dramatische Folgen: "Sollte deutschlandweit kein Zug mehr fahren, müsste die Bahn Umsatzeinbußen beim Personenverkehr von 27 Millionen Euro pro Tag verkraften." Hinzu käme ein Minus von 15 Millionen Euro im Güterverkehr. Außerdem würde eine Erfüllung der GDL-Forderung Arbeitsplätze kosten. So könnte eine Tariferhöhung von über sieben Prozent bis zu 1500 Stellen kosten.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnte eindringlich vor bundesweiten Arbeitsniederlegungen bei der Bahn. "Viele Unternehmen sind zwingend auf einen zuverlässigen Schienenverkehr angewiesen", sagte er der "Berliner Zeitung". "Die Kosten eines Streiks für die Wirtschaft wären daher immens". Auch der BDI rechnet mit erheblichen Konsequenzen eines Streiks für die Wirtschaft.

Reuters / Reuters