Lokführerstreik Stillstand auf den Schienen

Die Lokführer haben ihre Drohung wahr gemacht und durch einen Warnstreik in weiten Teilen Deutschlands den Fern- und Regionalverkehr auf der Schiene zum Erliegen gebracht. In einigen Großstädten waren auch die S-Bahnen betroffen. Die Gewerkschaft gibt sich kämpferisch: Das könne wochenlang so weiter gehen.

Warnstreiks haben den Bahnverkehr am Dienstagmorgen in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen gebracht. In den meisten größeren Bahnhöfen fuhr kein Zug mehr. In Berlin ruhte der S-Bahn-Verkehr seit dem frühen Morgen komplett. Auch in München, Frankfurt am Main und Stuttgart gebe es "massive Behinderungen", teilte die Bahn mit. In Hamburg blieben die Auswirkungen vergleichsweise gering . Einen kompletten Verkehrsstillstand gab es nicht. Die S-Bahnen fuhren, wenn auch mit Verspätungen. "Es ist nicht so, dass nichts mehr geht", sagte ein Bahnsprecher. Ein Sprecher der Lokführer-Gewerkschaft GDL sprach von erheblichen Auswirkungen des Warnstreiks, räumte aber ein, dass die Arbeitsniederlegung nicht alle Linien umfassten.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat bis 09.00 Uhr bundesweit zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie will damit ihrer Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und deutlich höheren Bezügen Nachdruck verleihen.

In Nordrhein-Westfalen blieben am Morgen in vielen Bahnhöfen S- Bahnen, Regionalexpresse und Regio-Züge stehen. Der Kölner Hauptbahnhof war durch still stehende Züge blockiert, wie ein GDL- Sprecher mitteilte. Auch im Frankfurter Hauptbahnhof legten die ersten Lokführer die Arbeit nieder. "Es hat planmäßig begonnen", sagte der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft, Manfred Schell. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will den Bahnverkehr in Deutschland gegebenenfalls wochenlang lahm legen. "Wir sind darauf eingestellt, notfalls auch länger zu streiken - wenn nötig über Wochen", sagte Schell der "Neuen Presse" in Hannover. Bei dem Ausstand im Berufsverkehr sollen alle Räder stillstehen: "Wir gehen davon aus, dass es uns gelingt, den Zugverkehr in Deutschland zwischen fünf und neun Uhr morgens komplett lahm zu legen", sagte Schell.

Stillstand im Osten

Nach Angaben der Deutschen Bahn stand in ganz Ostdeutschland der regionale Bahnverkehr still. Die Fernzüge blieben an den Grenzen stehen. In Niedersachsen kam es nach Bahn-Angaben zu massiven Behinderungen im Nah- und Fernverkehr. Bundesweit war nach GDL- Angaben ebenso der Güterverkehr beeinträchtigt.

Auch die Gewerkschaften Transnet und GDBA setzten am Morgen ihre Warnstreikaktionen fort, die am Montag begonnen hatten. Am Morgen waren zunächst der Regionalverkehr rund um Nürnberg, Tübingen und Heilbronn betroffen. In Heilbronn wurden auch die Busse bestreikt, wie ein Transnet-Sprecher berichtete. In Thüringen kam der Schienenverkehr rund um den Eisenacher Bahnhof zum Erliegen. Dort traten Mitarbeiter der Fahrdienstleitung in einen befristeten Ausstand.

GDL fordert 31 Prozent mehr

In dem Tarifkonflikt verlangt die Lokführergewerkschaft für Lokführer, Zugbegleiter und Servicekräfte Einkommenserhöhungen bis zu 31 Prozent. Das lehnt das Bahn-Management kategorisch ab. Die beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern für alle Mitarbeiter 7,0 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Die Bahn hat bislang zwei Erhöhungen von je 2,0 Prozent innerhalb von 30 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. Drei Verhandlungsrunden mit Transnet und GDBA brachten keine Annäherung, ein neuer Gesprächstermin ist noch nicht vereinbart. Die GDL sitzt bisher nicht am Verhandlungstisch.


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