HOME

Lotto: Wer womit Geld verdient

Das Bundeskartellamt will mehr Wettbewerb beim Lotto erzwingen - gegen den heftigen Widerstand der staatlichen Lottogesellschaften. Denn mit dem Lottospiel wird sehr viel Geld verdient, von dem nur die Hälfte wieder an die Spieler ausgeschüttet wird.

Von Susanne Amann

Die oberste deutsche Wettbewerbsbehörde hat in einem am Montag in Bonn veröffentlichten Beschluss den staatlichen Lottogesellschaften untersagt, weiterhin den Markt regional unter sich aufzuteilen. Außerdem machte das Kartellamt in seiner "sofort vollziehbaren Entscheidung" den Weg dafür frei, dass künftig Lottoscheine von gewerblichen Spielvermittlern an Tankstellen oder in Supermärkten angeboten werden können.

Gegen diese Entscheidung hat der Deutsche Lotto- und Totoblock (DTLB) schon Widerspruch eingelegt. Warum der Markt des deutschen Lotto- und Glückspiels so umkämpft ist, zeigt die folgende Übersicht.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der "Financial Times Deutschland"

Wer verdient am Lotto?

Nach Angaben des Deutschen Lotto- und Totoblocks, der Vereinigung aller 16 staatlichen Lottogesellschaften, wurden in Deutschland im vergangenem Jahr für rund 8,1 Mrd. Euro für Lotto und andere Glücksspiele ausgegeben. Rund 25 Millionen Teilnehmer haben an den Lotterien und Wetten teilgenommen, im Durchschnitt gibt jeder Deutsche pro Woche 1,88 Euro dafür aus.

Am attraktivsten ist dabei immer noch das klassische Lottospiel, hier wurden rund 5 Mrd. Euro umgesetzt. Die Gewinne werden Dank des Lottomonopols aber nur zu 50 Prozent an die Spieler ausgeschüttet. 16,6 Prozent gehen als Lottosteuer direkt an den Staat, 7,5 Prozent gehen an die Händler, die die Lottoscheine annehmen und kleinere Gewinne auszahlen. Den Rest, je nach Höhe der Verwaltungskosten in der Regel zwischen 20 und 25 Prozent, bekommen die Bundesländer.

Rund 5 Milliarden Euro zusätzlich

Ob dieser Anteil des Lottogewinns direkt an die Landesregierungen oder zum Beispiel in Stiftungen fließt, hängt von dem jeweiligen Lotto- und Sportwettengesetz des Bundeslandes ab. In Berlin fließen diese so genannten Konzessionsabgaben zum Beispiel erst einmal an eine Stiftung, die damit soziale, karitative und sportliche Einrichtungen unterstützt. In Brandenburg dagegen geht der Überschuss direkt an die Landesregierung und wird von dieser dann nach einem festgelegten Schlüssel verteilt. Schätzungsweise fließen so Jahr für Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen an die Länder.

Lotto-Vermittlung

Deutschlandweit gibt es nach Angaben des DTLB rund 26.000 Lottoverkaufs- und -annahmestellen. Der Großteil der Lottoscheine und auch des Umsatzes wird nach wie vor von den klassischen Kioskbetreibern erwirtschaftet, die in einer Ecke ihres Ladens auch eine Lottoannahmestelle haben.

Gleichzeitig gibt es aber auch andere Vertriebswege, wie etwa Anbieter, die per Telefonmarketing arbeiten, Internet-Vermittler wie beispielsweise Tipp24.de oder Vermittler wie Faber, die Spielgemeinschaften vermitteln und per Hauswurfsendungen und Fernsehwerbung arbeiten.

Internetglücksspiel boomt

Der Deutsche Lotto- und Totoblock hat keine Zahlen darüber, wie viel Umsatz mit welchem Vertriebsweg erwirtschaftet wird. Nach wie vor werde aber über den Weg der klassischen Annahmestelle im Kiosk ein Hauptteil des Umsatzes gemacht, heißt es beim DLTB. Der Internetanbieter Tipp24.de schätzt, dass momentan rund vier bis fünf Prozent des Gesamtgeschäfts über das Internet abgewickelt werden. In zwei Jahren, so die Schätzung hier, rechne man mit zehn Prozent des gesamten Geschäftes.

Prinzipiell werden die Vermittler anhand von Provisionen bezahlt, die sich nach dem Umsatz richten. Diese beträgt bei Kioskbesitzern rund 7,5 Prozent, bei anderen Anbietern wird jeweils separat verhandelt. Es soll sich um Margen zwischen 6,5 und 10 Prozent handeln.

Das Argument der Suchtprävention

Mitte Juni 2006 haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf einem Treffen einen neuen Lotto-Staatsvertrag vereinbart, der dafür sorgen solle, dass der Spielsucht vorgebeugt werde. Denn damit wird das Monopol der staatlichen Lotteriegesellschaften begründet und aufrechterhalten. Das Verhalten der staatlichen Unternehmen müsse deshalb "konsequent dauerhaft" der "Begrenzung der Spiel- und Wettsucht" dienen, beschlossen die Ministerpräsidenten.

Ob das jedoch tatsächlich immer das oberste Ziel der Lotteriegesellschaften und der Bundesländer ist, ist zweifelhaft: Denn noch vor einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im März 2006 hatten die Lotto- und Toto-Gesellschaften teils sehr aggressiv für Millionen-Jackpots und Sonderwetten aller Art geworben.

"Ran an die Millionen!"

Mit Werbesprüchen wie "Ran an die Millionen!" oder "Du bringst Dich um die Chance Deines Lebens, wenn Du nicht spielst" wurde die Spielfreude der Deutschen angefeuert. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil noch einmal unterstrichen, dass die staatlichen Lottogesellschaften nur in einem gewissen Umfang werben und Verkaufsstellen einrichten dürfen, um die Suchtprävention als wichtigste Aufgabe nicht aus dem Blick zu verlieren.

Gleichzeitig gibt es in vielen Ländern Spielcasinos, die von konzessionierten Privatunternehmen geführt würden, obwohl dort eine deutlich höhere Suchtgefahr besteht als bei Lotterien. Außerdem haben die Länder im Herbst letzten Jahres die Spieleverordnung gelockert, nach der inzwischen drei statt ehemals zwei Spielautomaten in Kneipen und in Spielhallen zwölf statt ehemals zehn Automaten stehen dürfen.

Konflikt mit privaten Anbietern

Im aktuellen Streit, der vom Bundeskartellamt entschieden worden ist, hatte der private Lottovermittler Fluxx eingefordert, großflächig als Vermittler von Lottospielen auftreten und eigene Terminals in Supermärkten und Tankstellen aufstellen zu dürfen. Die staatlichen Lottogesellschaften hatten dies bislang stets mit dem Hinweis abgelehnt, man dürfe nicht unbegrenzt Lottoannahmestellen eröffnen, um Spielsucht nicht zu fördern.

Sollten private Lottovermittler wie Fluxx, Faber oder Tipp 24 ihre Pläne wahr machen, an Tankstellen und in Supermärkten tausende von Tippautomaten aufzustellen, werde dies so manche etablierte Lotto-Annahmestelle in Existenznot bringen, warnen Branchenkenner.

Drakonische Strafen

Gleichzeitig hat das Bundeskartellamt den Lottogesellschaften untersagt, den Markt wie bisher unter sich aufzuteilen. Bisher hatten die Ländergesellschaften vereinbart, sich gegenseitig keinen Wettbewerb zu machen und nur im eigenen Bundesland um Kunden zu werben. Doch genau das hat das Bundeskartellamt jetzt verboten und mit drakonischen Strafen gedroht. Lotto-Managern drohen bei einem Verstoß gegen die Kartellamtsentscheidung Bußgelder bis zu 1 Mio. Euro, den Lottogesellschaften sogar Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Gewinner des ganzen Machtpokers wird deshalb langfristig der Lottospieler sein. Er wird sich künftig nach dem Willen des Bundeskartellamtes bei gleichen Gewinnchancen den günstigsten Lottoanbieter aussuchen können, egal ob es eine der Landesgesellschaften oder ein privater Vermittler ist.