Lotto-Fieber Was mache ich mit 30 Millionen Euro?


Der Pot ist prall gefüllt: Wer die sechs Richtigen plus Superzahl errät, darf sich auf 30 Millionen Euro freuen. Doch wie hoch sind die Gewinn-Chancen? Und wie verhalten Sie sich als Multi-Millionär? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Glücksspiel Lotto.
Von Lars Radau

Das Lottofieber in Deutschland steigt: Bis zum Annahmeschluss am Mittwochabend um 18.30 Uhr werden nach Schätzungen der Staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg mehrere Millionen Tippscheine in den Annahmestellen eintrudeln.

Die Hoffnung der Spieler, den mit 30 Millionen Euro zweitgrößten Jackpot der deutschen Lottogeschichte zu knacken, beschert den Lottogesellschaften ein Umsatzhoch.

Das kommt indirekt auch den Spielern zugute: Je mehr Einsätze in der Kasse landen, desto höher fallen die ausgeschütteten Gewinne aus. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen um das große Geld.

Wie viel Geld ist insgesamt im Spiel?

Etwa "50 Prozent mehr Einnahmen als sonst am Mittwoch üblich", erwartet Toto-Lotto-Sprecher Klaus Sattler. Das dürfte einen Gesamtumsatz von etwa 75 Millionen Euro allein für die heutige Ziehung bedeuten.

Welche Zahlen bringen den sicheren Gewinn?

Alle 49. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Zahl gezogen wird, ist immer gleich. Daran ändern auch vermeintlich sichere Systeme nichts. Ob Geburtsdaten oder bestimmte Muster auf dem sieben mal sieben Kästchen großen Feld - jede Zahlen-Kombination hat die gleich hohe Chance, gezogen zu werden.

Aktuell wird nach Angaben von Lotto-Sprecher Klaus Sattlergerne gerne im Muster eines Weihnachtsbaums getippt oder es werden ausgesprochene Unglückszahlen gewählt. Je mehr Tipper auf diese Idee kommen, desto niedriger ist natürlich der einzelne Gewinn - der Jackpot muss dann auf viele Schultern verteilt werden.

Wie hoch ist die Chance auf die 30 Millionen?

Die schlechte Nachricht: Es ist wesentlich wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden. Das Risiko dafür liegt in Deutschland bei etwa 1 zu 40 Millionen - aufs Jahr gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige plus Superzahl zu tippen, liegt bei etwa 1 zu 140 Millionen. Die gute Nachricht: Sechs Richtige ohne Superzahl treffen die Spieler häufiger als ein Blitz: Die Chance liegt bei etwa 1 zu 15 Millionen.

Das viele Geld lockt viel mehr Tipper als üblich. Was für Auswirkungen hat das?

Auf die Gewinnchancen: keine. Allerdings, sagt Kerstin Waschke, Sprecherin der Sächsischen Lotto-GmbH, machen sich mehr Mitspieler bei den Gewinnsummen bemerkbar: Exakt 50 Prozent der Lotto-Einnahmen werden ausgeschüttet und nach festgelegten Quoten auf die einzelnen Gewinnklassen verteilt.

Rein theoretisch könne ein Hauptgewinner also für sechs Richtige plus Superzahl angesichts des reichlich angeschwollenen Umsatzes sogar noch etwas mehr als 30 Millionen Euro überwiesen bekommen, so Waschke.

Ebenso wahrscheinlich ist allerdings, dass es bei mehr Mitspielern auch mehr Gewinner gibt - was für den Einzelnen weniger Geld bedeutet.

Was passiert, wenn der Jackpot nicht geknackt wird?

Sollte am Mittwochabend wieder niemand die richtigen Zahlen getippt haben, geht es bei der nächsten Ziehung am Samstag mit hoher Wahrscheinlichkeit um den bislang höchsten Jackpot der deutschen Lotto-Geschichte. Den bisherigen Rekordgewinn von rund 37,7 Millionen Euro hatte am 7. Oktober 2006 ein Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen abgeräumt. Dieser Jackpot könnte angesichts des großen Andrangs leicht übertroffen werden, ist Lotto-Sprecherin Waschke überzeugt.

Schwillt die Gewinnsumme unbegrenzt an?

Nein. Nach der 14. Ziehung, also sieben Wochen Spielzeit, ist Schluss. Das wäre am 12. Dezember. Wenn dann immer noch nicht die sechs Richtigen plus Superzahl getroffen werden, wird das Geld aus dem Jackpot an alle Gewinner mit sechs Richtigen ohne Superzahl verteilt. Aber: Zu solch einer "Zwangsausschüttung" ist es bisher noch nie gekommen.

Wer kassiert das Geld, das nicht ausgeschüttet wird?

Den Löwenanteil behält der Staat. Von den Einnahmen gehen mehr als 16 Prozent als direkte Lotteriesteuern an den Fiskus, zwischen 21 und 24 Prozent führen die Lottogesellschaften an die Bundesländer ab, etwa zehn Prozent werden für Provisionen der Annahmestellen und den Verwaltungsaufwand der Lottogesellschaften genutzt.

Insgesamt 50 Prozent der eingesammelten Einsätze werden ausgeschüttet - für die Tipper ist Lotto also eigentlich ein schlechtes Geschäft.

Was passiert, wenn ich den Jackpot knacke?

Haben Sie einfach nur einen Schein ausgefüllt, müssen Sie sich innerhalb von 13 Wochen in Ihrer Annahmestelle oder bei den jeweiligen Lotto-Gesellschaften melden. Haben Sie eine Kundenkarte oder sogar ein Dauerspiel-Abo, melden sich die Lotto-Gesellschaften bei Ihnen.

"Wir haben auch ein Interesse daran, die Gewinner zu finden", betont Kerstin Waschke. Sie sagt, dass bundesweit bislang noch kein Lotto-Millionär durch die Maschen geschlüpft sei. Davon gab es nach Angaben der Stuttgarter Lottogesellschaft in diesem Jahr bislang 74.

Wie verhalte ich mich als Multi-Millionär?

Auch wenn die Phantasien und Träume, was man mit dem Geld anstellen würde, vor dem Gewinn ziemlich wild sind - nach den Beobachtungen von Kerstin Waschke bleiben die meisten Neu-Millionäre durchaus auf dem Boden.

Beliebte Sofortwünsche sind ein neues Haus, ein neues Auto und vielleicht ein halbes Jahr Auszeit irgendwo auf der Welt. Der größte Teil der Gewinner ändert indes an seinem Leben bewusst nicht viel.

Denn warnende Beispiel gibt es etliche: Bekannt wurde 1994 der Hannoveraner Sozialhilfeempfänger Lothar K., der seinen Vier-Millionen-Mark-Gewinn in schnittige Autos, bevorzugt blonde Frauen, Rennpferde und Unmengen Dosenbier steckte. Vier Jahre später war "Lotto-Lothar" wieder pleite, wenig später starb er an den Folgen seiner Alkoholsucht.

Bin ich dann auch international eine große Nummer?

Das ist relativ. In Großbritannien wurde im August ein Jackpot von umgerechnet 52 Millonen Euro geknackt, in den USA gibt es eine Gemeinschaftslotterie von zwölf Bundesstaaten, die "Mega-Milllion". Hier wurde im September 2006 ein Rekord-Jackpot von 370 Millionen US-Dollar ausgezahlt.


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