HOME

Luftfahrt: Air Berlin geht an die Börse

Die Gesellschafter der Billigfluglinie Air Berlin haben den Börsengang des Unternehmens beschlossen. Mit dem frischen Kapital will die Fluglinie der britischen Konkurrenz das Fürchten lehren.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin will an die Börse. "Die Würfel sind gefallen. Weil wir unsere Marktchancen wahrnehmen wollen, gehen wir an die Börse", sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Mittwoch in Berlin auf der Reisemesse ITB. Mit zusätzlichem Kapital wolle sich Air Berlin über den bisherigen Hauptmarkt Deutschland hinaus als europäische Fluggesellschaft positionieren. Wachstum sei unter anderem in Großbritannien geplant, wo bislang die beiden größten europäischen Billigflieger Ryanair und Easyjet führend sind.

Er rechne damit, dass der Billigflugmarkt in Europa seinen Anteil am Gesamtmarkt in den nächsten Jahren nochmals verdoppeln werde, sagte Hunold. "Wenn wir weiterhin unsere Marktchancen nutzen wollen, müssen wir schnell interessante Standorte besetzen", sagte Hunold. Deutschland bleibe Kernmarkt, aber auch in anderen Ländern wolle Air Berlin sich jetzt stärker positionieren. In Großbritannien hat das Unternehmen bereits neue Verbindungen in andere europäische Länder aufgenommen.

Börsengang einstimmig beschlossen

Die bisherigen sieben Gesellschafter der seit Jahren wachsenden Billigfluggesellschaft hätten am Vorabend den Börsengang einstimmig beschlossen. Die Vorbereitungen seien schon weit fortgeschritten. Das Eigenkapital sei um 130 Millionen erhöht worden. Zeitpunkt und Umfang des Börsengangs seien noch offen. Air Berlin hatte sich zum Jahresbeginn aus rechtlichen und finanziellen Gründen in eine britische Aktiengesellschaft umgewandelt. Hauptstandort bleibt Berlin. Das Unternehmen strebe eine Notierung im Premium Standard der Frankfurter Börse an, sagte Hunold. Die bisherigen Gesellschafter, darunter auch Hunold selbst, wollten nach dem Börsengang Aktionäre des Unternehmens bleiben.

Air Berlin habe im vergangenen Jahr den Umsatz um 17 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro und die Passagierzahl um 12,5 Prozent auf 13,5 Millionen gesteigert. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasingkosten (Ebitdar) belaufe sich auf 153 Millionen Euro, 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Wachstum setze sich auch in diesem Jahr fort, sagte Hunold. Im Januar und Februar habe Air Berlin die Passagierzahl erneut um zehn Prozent gesteigert. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Maschinen von derzeit 51 auf 60 wachsen.

Zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft

Air Berlin ist die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft und startete am 28. April 1979 mit dem ersten Flug von Berlin-Tegel nach Palma de Mallorca. Das Unternehmen inklusive Tochtergesellschaften zählt rund 2700 Mitarbeiter. Zu den Abflughäfen - neben deutschen Airports - zählt bei Air Berlin mittlerweile unter anderem auch Amsterdam, London-Stansted, Palma de Mallorca und Wien. Anteilseigner der Fluggesellschaft sind nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch die Ringerike GmbH & Co. Luftfahrtbeteiligungs KG mit 26 Prozent, Hans-Joachim Knieps mit 25 Prozent, Werner Huehn mit 15 Prozent, Rudolf Schulte mit 12,5 Prozent, Severin Schulte mit 12,5 Prozent, Firmenchef Joachim Hunold selbst mit 5 Prozent und Johannes Zumieden mit 4 Prozent.

Reuters/AP / AP / Reuters