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Luftfahrt: Bei Airbus hält der Optimismus Einzug

Nach einem krisengeschüttelten Jahr nimmt Airbus wieder Fahrt auf. Der Hauptkonkurrent Boeing konnte zwar nicht geschlagen werden, die EADS-Tochter strotzt aber trotzdem vor Zuversicht. Auch, weil das Sparprogramm "Power8" besser läuft als gedacht.

Von Andreas Spaeth, Toulouse

Über dem riesigen weißen Rumpf des vierten Prototyps des A380 zogen am Mittwochmorgen vor dem Airbus-Auslieferungszentrum in Toulouse schwarze Wolken auf, es regnete, dann kam wieder die Sonne zum Vorschein. Drinnen saß die Airbus-Führungsspitze auf dem Podium und verkündete die Bilanz für 2007, bei der es ebenfalls Licht und Schatten zu vermelden gab. Der europäische Flugzeughersteller konnte im vergangenen Jahr mit 1341 Festbestellungen seiner Flugzeuge einen neuen Rekord verbuchen. Nach Katalogpreisen entsprechen die Aufträge einem Wert von über 157 Milliarden Dollar.

Damit liegen die Europäer allerdings um genau 72 Flugzeuge hinter Boeing. "Wir sind darüber keineswegs enttäuscht", sagte der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders. "2006 war für uns ein extrem schwieriges Jahr, daher war es nicht selbstverständlich, dass das Vertrauen unserer Kunden so schnell wieder zurückkommen würde". Wird jedoch nur das vergangene Jahr betrachtet, konnte Airbus mit der Auslieferung von 453 Flugzeugen den Konkurrenten aus Seattle hinter sich lassen, der nur auf 441 kam.

"Eine sehr diplomatische Aufteilung"

"Und wir haben tatsächlich auch mehr Flugzeuge verkauft als Boeing", betonte Airbus-Verkaufsschef John Leahy. Gezählt werden bei den Europäern nämlich nur Bestellungen bei denen auch Anzahlungen geleistet wurden, außerdem gibt es in der Branche immer wieder Abbestellungen. Wenn man dies außer acht lasse, so Leahy, habe Airbus 2007 insgesamt 1458 Maschinen verkaufen können, gegenüber 1423 bei Boeing.

Aber selbst nach den bereinigten Zahlen verbucht Airbus jetzt bei den großen Verkehrsflugzeugen einen Marktanteil von 49 Prozent, Boeing kommt auf 51 Prozent. "Das ist doch eine sehr diplomatische Aufteilung", kommentierte Thomas Enders. Der Auftragsbestand von derzeit insgesamt 3421 Flugzeugen lastet die Airbus-Produktion für rund sechs Jahre voll aus, "damit können wir auch die jetzt beginnenden Jahre mit weniger Bestellungen gut überstehen", so der Airbus-Chef.

Erfolg mit A320-Familie

Der größte Bestseller der Europäer ist immer noch die A320-Familie der Schmalrumpfflugzeuge, für die 2007 noch mal 913 Aufträge eingingen. Die Produktion der bereits aus den 1980er Jahren stammenden A320-Familie, die vor allem in Hamburg-Finkenwerder stattfindet, wird wegen der starken Nachfrage derzeit noch mal dramatisch hochgefahren.

Nachdem 2003 noch 20 Maschinen pro Monat fertig gestellt wurden liegt der Wert in diesem Jahr schon bei 34, bis 2010 werden dann 40 Exemplare dieser Bestseller pro Monat produziert. Gleichzeitig bemüht sich Airbus, mit technischen Verbesserungen das Leben dieser Produktfamilie, die für die größten Einnahmen des Herstellers verantwortlich ist, um weitere zehn bis 20 Jahre zu verlängern.

A380 - ein problematischer Hoffnungsträger

Als Erfolgsgeschichte bezeichnet Airbus auch die Marktlage beim neuen Großraumjet A350 XWB, der "der am schnellsten verkaufte Jet aller Zeiten" sei, so Thomas Enders. Diesen Titel beansprucht auch Boeing mit seinem 787 "Dreamliner", dessen Erstflug sich vermutlich auf Juni verzögern wird. Für die A350 XWB liegen zur Zeit 290 Festbestellungen vor, "in diesem Jahr erwarte ich weitere hundert", sagte John Leahy zu stern.de. Eine "große Herausforderung", so Thomas Enders, wird es für Airbus, die für dieses Jahr geplanten 13 Auslieferungen beim problembeladenen Riesenflieger A380 durchzuführen, er gab sich aber überzeugt dass Airbus dies schaffe. Zurzeit stehen in Toulouse ein Dutzend äußerlich fertiger A380, die aufwändig neu verkabelt werden müssen. Erst ab 2009 kann die neu organisierte Produktion in ihrer geplanten Form anlaufen, bis dahin sei "alles Handarbeit", so Leahy.

Singapore Airlines erhielt am 11. Januar als Erstkunde das zweite Flugzeug, in den nächsten Monaten können auch Qantas und Emirates ihre ersten A380 in Betrieb nehmen. John Leahy erklärte gegenüber stern.de, er erwarte in diesem Jahr 30 weitere Festbestellungen für die A380 zu den bestehenden 189. Die indische Fluggesellschaft Kingfisher Airlines hatte jüngst signalisiert ihre Bestellung von derzeit fünf auf zehn A380 verdoppeln zu wollen.

Akute Schwierigkeiten mit Militärtransporter A400M

Doch trotz der hervorragenden Auftragslage muss Airbus noch an vielen Fronten erhebliche Probleme lösen. Ganz akut ist dies beim Militärtransporter A400M der Fall, von dem auch die deutsche Luftwaffe 60 Stück bestellt hat und der in Teilen in Bremen und Stade produziert wird. Das Programm liegt vor allem wegen Problemen bei den Triebwerken um bis zu einem Jahr hinter dem Zeitplan.

"Wir planen für diesen Sommer den Erstflug, müssen dafür aber vor allem den Antrieb in den Griff bekommen", so Projektleiter Tom Williams heute in Toulouse. Die A400M leide an vielen ähnlichen Problemen wie die A380-Produktion, weil hier noch auf nationaler Ebene gearbeitet worden sei und nicht in integrierter Weise wie es erstmals bei der A350 XWB der Fall ist.

Aibus bewertet "Power 8" als Erfolg

Unterdessen hat das Restrukturierungsprogramm "Power 8", das Airbus im Februar 2007 gestartet hatte, bereits größere Einsparungen gebracht als zunächst erwartet. "Statt der angepeilten 300 Millionen Euro konnten wir die Kosten 2007 bereits um 500 Millionen Euro senken", erklärte Enders. Von dem angestrebten Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen, davon je die Hälfte bei Airbus und bei Sub-Unternehmen, seien 30 Prozent bereits umgesetzt.

Ein weiterer Abbau über die 10.000 Jobs hinaus sei definitiv nicht geplant, so Enders. Obwohl die Gesamtzahl der Mitarbeiter Ende 2007 geringfügig niedriger gelegen habe als ein Jahr zuvor, habe Airbus 2007 auch 1000 Neueinstellungen im Bereich von Produktion und Ingenieurwesen vorgenommen. Bis zur Jahresmitte soll auch der Verkauf von sechs Werken unter Dach und Fach sein, in Deutschland will die Firma MT-Aerospace die Produktionsstätten in Varel, Nordenham und Augsburg übernehmen. Über den Verkauf des Standorts Laupheim, der im Kabinenbereich tätig ist, werde weiter verhandelt, "der Prozess ist auf einem positiven Gleis", so Thomas Enders.

Wegen des niedrigen Dollar-Kurses sieht Airbus sich gezwungen, künftig mehr Produktionsanteile zu verlagern. "Dabei geht es nicht nur um den Dollarbereich, sondern um Länder mit niedrigeren Produktionskosten allgemein", betonte Enders. Noch gebe es keine konkreten Projekte, aber zurzeit fielen nur 30 Prozent der Kosten bei Airbus in Dollar an, "das müssen wir verbessern", so Enders. Das "Power 8"-Programm reiche dazu nicht aus, es war noch von einem Dollarkurs von 1,30 bis 1,35 Euro ausgegangen.