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LUFTVERKEHR: Lufthansa plant Kündigungen

Die Gewerkschaften sind zwar gesprächsbereit, wollen sich aber nicht mit der Streichung von Arbeitsplätzen erpressen lassen und stellten ein eigenes Sparpaket vor.

Die Krise der internationalen Luftfahrt nach den Anschlägen in den USA führt nun auch bei der Lufthansa zu Kündigungen. Nach ersten Gerüchten sollen 2.000 bis 4.000 Menschen ihre Stelle verlieren. Die Konzernspitze rief die Gewerkschaften auf, zeitnah an einer sozialverträglicheren Lösung mitzuwirken. Die Gewerkschaft ver.di verurteilte die Ankündigung von Stellen-Streichungen als Versuch, die Arbeitnehmervertreter unter Druck zu setzen. Sie zeigte sich aber grundsätzlich gesprächsbereit. Die Pilotenvereinigung Cockpit vereinbarte nach einem Spitzentreffen mit der Lufthansa am Dienstagabend baldige weitere Gespräche.

Kündigung in der Probezeit

Der Lufthansa-Vorstand hatte nach ergebnislosen Verhandlungen mit den Gewerkschaften am Dienstag mitgeteilt, dass sie allen Beschäftigten kündigen wird, die sich in der sechsmonatigen Probezeit befinden. Davon sind allein 1.000 Angestellte betroffen. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind vorgesehen. Für das Kabinenpersonal wird Kurzarbeit beantragt. Vorerst werden auch keine Nachwuchspiloten übernommen. Die Lufthansa beschäftigt in Deutschland rund 55.000 Menschen.

ver.di beharrt auf Arbeitsplätzen

»Der nächste Schritt müsste von Seiten der Lufthansa kommen« sagte Verdi-Sprecher Ingo Schwope. Die Ankündigung der Lufthansa, dass ohne eine Einigung mit den Gewerkschaften Kündigungen möglich sind, nannte Schwope unverständlich. »Das ist ein Versuch, die Gewerkschaftsseite unter Druck zu setzen«. Verdi habe der Lufthansa für 2002 ein Sparpaket im Umfang von rund 165 Millionen Mark angeboten, das ausreichen sollte, um alle Arbeitsplätze zu sichern. Die Lufthansa schließt für 2001 einen Verlust nicht aus.

Ball liegt bei Tarifkommission

Schwope wollte sich nicht dazu äußern, ob Verdi zu weiteren Zugeständnissen bereit wäre. Darüber müsse die Tarifkommission entscheiden, sagte er. Das Gremium ist bislang aber davon ausgegangen, dass bereits alle Möglichkeiten ausgereizt sind. Nach einem erneuten Sondierungsgespräch mit der Lufthansa am späten Dienstagabend sprach die VC allerdings von einer bedeutenden Annäherung. Beide Seiten haben angeblich ein Sparpaket beschlossen, das in den kommenden Tagen noch mit den Vorständen und der Tarifkommission abgestimmt werden muss. Die Lufthansa wollte sich dazu in der Nacht nicht äußern.