HOME

Magnetschwebebahn: Chinesen bauen nur chinesisch

China entwickelt eine Konkurrenz zum Transrapid. Schon im Juli soll die Schnellbahn getestet werden, die leichter, moderner und überhaupt völlig anders sein soll als das deutsche Modell.

China hat eine eigene Magnetschwebebahn entwickelt, die wie der deutsche Transrapid bis zu 500 Stundenkilometer erreichen soll. Der chinesische Luft- und Raumfahrtkonzern China Aviation Industry Corporation (CAC) berichtete, der erste Test sei im Juli auf einer 1,7 Kilometer langen Versuchsstrecke der Tongji-Universität in Schanghai geplant. Die Entwicklung im Rahmen eines staatlich geförderten Hochtechnologieprogramms sei schon im fortgeschrittenen Stadium. Es sei aber "keine deutsche Technologie" verwandt worden, betonte Chefingenieur Zheng Qihui. "Alles ist chinesisch."

Prinzip der Schwebebahn nicht geschützt

Das deutsche Transrapid-Konsortium hat bislang keine Kenntnis von einer Patentverletzung bei der von China entwickelten Magnetschwebebahn. "Uns ist nicht bekannt, dass geschütztes deutsches Material zum Einsatz gekommen ist", sagte ein Sprecher von Transrapid International. Er betonte, dass das Prinzip der Schwebebahn nicht geschützt sei. Dies sei wie beim Flugzeug, bei dem nur Komponenten aber nicht das Flugzeug als solches geschützt seien.

Design ist fortschrittlicher

Die chinesische Magnetbahn unter dem Projektnamen CM1 Dolphin benutze Technologie aus der Luftfahrtindustrie. Der Zug sei viel leichter als der deutsche Transrapid, betonte Zhen Qihui. "Das Design ist viel fortschrittlicher." Besorgnisse, dass urheberrechtlich geschützte deutsche Technologie für die Entwicklung missbräuchlich benutzt worden sein könnte, wies der Chefingenieur entschieden zurück: "Das weiß ich ganz genau. Das ist unmöglich. Die Bahn, die wir gebaut haben, ist ganz anders als die deutsche. Ich bin ja dafür verantwortlich. Im Grunde wissen wir nicht viel darüber, welche Technologie die deutsche Bahn hat."

Mit deutschem Transrapid nicht vergleichbar

Wichtig sei allerdings, dass endlich in Deutschland eine Transrapid-Strecke gebaut werde, sagte ein Sprecher von Transrapid International. "Denn ohne ein Anwendung im eigenen Land ist die Gefahr groß, dass wir unsere Spitzenposition verlieren." Derzeit wird eine Transrapid-Strecke in München geplant.

Nach dem Bau der Flughafenstrecke des Transrapids in Schanghai verhandelt das deutsche Konsortium über eine Verlängerung in die 160 Kilometer entfernte Stadt Hangzhou. Im Oktober hieß es aus Berlin, eine Entscheidung der Regierung in Peking stehe unmittelbar bevor. Der deutsche Elektrokonzern Siemens, der neben ThysenKrupp am Transrapid beteiligt ist, hatte die chinesischen Bemühungen zum Bau einer konkurrierenden eigenen Magnetschnellbahn bisher wegen der technischen Schwierigkeiten als nicht ernst zu nehmend abgetan. Das chinesische Konkurrenzprodukt sei mit dem deutschen Transrapid nicht vergleichbar. Zudem sei die chinesische Variante erst ein Prototyp, der mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer fahre.

DPA / DPA