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Projekt in Oberhausen: Hier baut McFit das größte Gratis-Fitnessstudio der Welt

Deutschlands größte Fitnesskette McFit baut in Oberhausen ein riesiges Areal zum größten Fitnessstudio der Welt um. Das Training wird kostenlos sein. McFit-Chef Rainer Schaller erklärt, was dahinter steckt.

Bis 2019 soll das Gelände in Oberhausen zum Fitnesstempel umgebaut sein

Bis 2019 soll das Gelände in Oberhausen zum Fitnesstempel umgebaut sein

Dass billig kann, hat die Fitnessstudiokette in den letzten 20 Jahren zur Genüge bewiesen. Mit konkurrenzlos günstigen Preisen hat der Fitness-Discounter seit Mitte der 90er Jahre den Markt aufgerollt: Über 1,5 Millionen zahlende Mitglieder in mehr als 250 Fitnessstudios in sieben Ländern machen McFit heute zum Marktführer in Europa.

Doch ausruhen will sich McFit-Chef Rainer Schaller auf diesem Status nicht. Denn nach billig kommt: kostenlos. In baut Schaller derzeit ein 55.000 Quadratmeter großes Areal nahe dem Einkaufszentrum Centro zum gigantischen Gratis-Fitnesszentrum um. "The Mirai" (japanisch für "Zukunft") ist der Name des Mega-Projekts, das 2019 seine Tore öffnen soll.

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Das Prestigeobjekt ist weit mehr als nur ein McFit in XXL. "'The Mirai' wird nicht nur ein Fitnessstudio werden, sondern das größte Fitnesszentrum der Welt", sagt McFit-Chef Schaller im Gespräch mit dem stern. "Wir wollen dort das gesamte Wissen der Fitnessbranche bündeln und weiterentwickeln." Geplant ist nicht nur eine riesige Trainingshalle, sondern auch ein Kongresszentrum, Räume für Aus- und Weiterbildung von Trainern sowie Forschung und Entwicklung. "Wir schaffen eine Plattform für Partner aus der Fitnessindustrie, holen aber auch Krankenkassen mit ins Boot", sagt Schaller. Oberhausens Oberbürgermeister Daniel Schranz jubelte im "Handelsblatt" bereits über "ein Leuchtturmprojekt, das über unsere Stadt und unsere Region hinausstrahlt". 

So ähnlich soll es im Fitnesszentrum der Zukunft einmal aussehen 

So ähnlich soll es im Fitnesszentrum der Zukunft einmal aussehen 

Schaulaufen der Fitnessindustrie

Rund 50 Millionen Euro steckt McFit in den Umbau der alten Industriehallen. Doch wie soll das Geld wieder reinkommen, wenn niemand für das Training zahlen muss? "Man kann sich das wie eine ganzjährige Messe vorstellen", erklärt , der passenderweise den bisherigen Chef der Fitnessmesse Fibo, Ralph Scholz, als Geschäftsführer für das Projekt abgeworben hat. "Die Fitnessindustrie stellt ihre Produkte aus und gleichzeitig trainieren permanent Leute dort. Wenn sich zum Beispiel irgendein Fitnessstudiobetreiber neue Laufbänder anschaffen will, kann er nach Oberhausen kommen, sich die Anbieter anschauen und auch die Nutzer direkt ansprechen, wie ihnen die Geräte gefallen." Und die Hersteller zahlen dafür, dass sie ihre Produkte dort ausstellen dürfen.

Primär gehe es ihm aber gar nicht darum, mit "The Mirai" Geld zu verdienen, beteuert Schaller, sondern die Branche insgesamt voranzubringen. Der bodybuildende Unternehmenslenker, der einst mit Discountpreisen den Fitnesssport für die breite Masse erschwinglich machte, träumt davon, dass Fitness hierzulande den gleichen Stellenwert erreicht wie in Teilen der USA - wo die Menschen viel Geld für Personal Trainer ausgeben und die Fitmacher der Stars selbst als Gurus verehrt werden.  

Was ist mit dem Datenschutz?

Interessant soll der neue Oberhausener Fitnesstempel aber nicht nur für die Sportindustrie, sondern auch für die Gesundheitsbranche werden. Derzeit laufen die Gespräche mit Krankenkassen über mögliche Kooperationen. Details stehen noch  nicht fest, aber Mister McFit ist da voller Ideen. "Wir könnten zum Beispiel gemeinsam am Thema Rücken arbeiten. Ich hatte selber vor vielen Jahren einen Bandscheibenvorfall, bin aber durch gesundes Kraft- und Aufbautraining um eine Operation herumgekommen", berichtet Schaller. Gemeinsam mit Krankenkassen und Wissenschaftlern könne man beispielsweise der Frage nachgehen: "Welches Training ist das effektivste bei einem Bandscheibenschaden, verbunden mit einer Wirbelsäulenverkrümmung?"

Hört sich alles sinnvoll an. Bleibt nur der Verdacht, dass all die Menschen, die im Oberhausener Fitnesstempel trainieren werden statt mit Geld irgendwie mit ihren Daten zahlen müssen - als Versuchskaninchen für Fitnessindustrie und Gesundheitsbranche. "Das ist mir zu negativ ausgedrückt", sagt Schaller, der seine künftigen Gratiskunden nicht als Versuchskaninchen verstanden wissen will. Beim Thema Daten befinde man sich derzeit noch in der "Konzeptionsphase". "Der Datenschutz wird von uns selbstverständlich beachtet und früh mit an Bord geholt."